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Knapp bei Kasse BER braucht 300 Millionen Euro, um bis zur Eröffnung zahlungsfähig zu bleiben

Die Flugzeuge sind da und auch die Zapfanlage scheint bereit. Nachdem es jahrelang nach einer schier unendlichen Geschichte aussah, soll der Hauptstadtflughafen BER Ende Oktober tatsächlich in Betrieb genommen werden. Gastwirt Harald Grunert, der in Berlins Mitte eine rheinisch inspirierte Kultkneipe betreibt, erinnert sich an die Ausschreibung für ein Lokal am sogenannten Marktplatz, auf dem rund 40 gastronomische Betriebe in Kürze ihre Speisen anbieten wollen. "Für uns war es toll, weil wir waren gerade seit zehn Jahren aus Bonn gekommen, dass wir als Rheinländer auch noch diesen Schwerpunkt regional hier vertreten durften." Die Gastronomie an einem der größten deutschen Flughäfen soll eben auch regionale Einflüsse widerspiegeln. Je zu einem Drittel wird es internationale, nationale und Speisen aus der Gegend selbst geben, sagt Norbert Minhorst, der für diese Auswahl mit zuständig ist. Er geht davon aus, dass das Verpflegungsangebot gut angenommen wird, trotz der Stolperfalle Corona. "Kaffeetrinken und Essen wollen die Leute trotzdem oder müssen wir trotzdem irgendwann. Von daher sind die Konzepte so geblieben, wie sie sind. Wir gehen davon aus, dass Sie während Corona gut funktionieren werden." Ein Verantwortlicher aus dem Duty-Free-Bereich weist beim Medientermin am Freitag noch auf im Vergleich zum Flughafen Tegel größere Verkaufsflächen hin und sagt, er rechne mit einem guten Start. Indes rechnet die deutsche Luftfahrtbranche wegen der Corona-Pandemie erst 2024 wieder mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau. Die Passagierzahlen dürften wohl erst dann wieder den Stand von 2019 erreichen, teilte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft am Mittwoch mit.
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Wenige Wochen vor dem Start des neuen Hauptstadtflughafens ist die Betreibergesellschaft knapp bei Kasse. Weitere staatliche Hilfe soll fließen. Ansonsten droht die Zahlungsunfähigkeit.

Bund und Länder machen Tempo bei der geplanten Finanzhilfe für die Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft (FBB). Sie hatten dem angeschlagenen Unternehmen für dieses Jahr 300 Millionen Euro zusätzliches Eigenkapital in Aussicht gestellt. Weil die Zustimmung der EU-Kommission für die Behilfe noch aussteht, soll das Staatsunternehmen das Geld nun zunächst als Zuschuss und als Darlehen erhalten, wie das Bundesfinanzministerium dem Haushaltsausschuss des Bundestags mitteilte.

Durch die Zusage der Eigentümer könne die Flughafengesellschaft auf eine verbürgte Kreditlinie zurückgreifen, betont die Parlamentarische Staatssekretärin Bettina Hagedorn den Handlungsbedarf in dem Schreiben, dass der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Das Geld ist offenbar dringend nötig. "Ohne die Finanzierungszusage der Gesellschafter wäre die Zahlungsfähigkeit der FBB für das Jahr 2020 nicht gesichert gewesen." Hagedorn verwies auf den Einbruch der Passagierzahlen an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld in der Corona-Krise. Das sei "zeitlich unabweisbar", zitiert der "Tagesspiegel" aus dem Schreiben. Die Flughafengesellschaft benötige einen Teil der zugesagten Mittel spätestens im Oktober. Am 31. Oktober soll nach jahrelangen Verzögerungen der neue Hauptstadtflughafen BER ans Netz gehen.

300 Millionen Euro für BER könnten nicht reichen

Die drei Flughafen-Eigentümer - neben dem Bund die Länder Berlin und Brandenburg - wollen nach Hagedorns Angaben 98,8 Millionen Euro als diekte Zuschüsse zahlen. Das sei durch die "Bundesrahmenregelung Beihilfen für Flugplätze" gedeckt. Die übrigen 201,2 Millionen Euro sollen zunächst als Darlehen fließen. Es solle in Eigenkapital umgewandelt werden, wenn Brüssel entschieden hat.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hatte in der vergangenen Woche gesagt, man benötige doch nur 250 bis 260 Millionen Euro von den Eigentümern. Grund seien Einsparungen. Vorsichtshalber will der Bund dennoch gemeinsam mit Berlin und Brandenburg 300 Millionen Euro bereitstellen. "Der tatsächliche Abruf der Mittel erfolgt natürlich bedarfsgerecht", betont Hagedorn in dem Schreiben.

Das Thema steht am kommenden Mittwoch auf der Tagesordnung des Haushaltsauschusses im Bundestag. Der FDP-Abgeordnete Christoph Meyer konstatierte: "Für die FBB geht es nur noch ums Überleben." Die 300 Millionen Euro werden aus seiner Sicht nicht reichen. "Der Bund kann sich schon jetzt auf neue Kreditbitten einstellen."

fs DPA

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