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Qualitätsoffensive: Berliner S-Bahn will pünktlicher sein – der Plan sorgt aber für scharfe Kritik

Die Berliner S-Bahn möchte pünktlicher sein. Ein lobenswertes Ziel, die neueste Maßnahme ruft aber Kritik hervor: Züge sollen an bestimmten Stationen nicht mehr halten.

Eine Ringbahn in Berlin

Die Ringbahn fährt im Kreis durch Berlin – leider nur selten pünktlich

DPA

Der Berliner Nahverkehr sorgt immer wieder für Frust. Wer in der Hauptstadt mit der S-Bahn unterwegs ist, muss sich regelmäßig über ausgefallene oder verspätete Züge ärgern. Die meisten Berliner nehmen es mittlerweile mit (Galgen-)Humor – über einen neuen Vorstoß der S-Bahn-Betreiber können die Kunden allerdings überhaupt nicht lachen.

Im Zuge der "Qualitätsoffensive S-Bahn plus" möchte die Berliner S-Bahn unter anderem die Pünktlichkeit ihrer Züge verbessern. Dabei soll eine ungewöhnliche Maßnahme helfen: Wie S-Bahn-Chef Peter Buchner mitteilte, sollen verspätete Züge an einzelnen Stationen nicht mehr anhalten. Das berichtet die "Berliner Morgenpost".

Berliner S-Bahn soll nicht mehr überall halten

Betroffen sind die Ringbahnlinien S41 und S42, die im Kreis durch Berlin fahren. Sie gehören verspätungstechnisch zu den Sorgenkindern. Das neue Konzept sieht vor, im Falle einer Verspätung die Stationen Halensee und Hohenzollerndamm nicht mehr anzufahren, um verlorene Zeit aufzuholen. Das gleiche Modell wäre auch am Heidelberger Platz denkbar.

Für Fahrgäste würde das eine zusätzliche Unsicherheit bedeuten – wer an den genannten Stationen ein- oder aussteigen will, muss sich vorher informieren, ob der Zug dort überhaupt hält. In den Zügen sollen die Kunden per Lautsprecherdurchsage informiert werden.

Hintergrund des Plans ist aber nicht nur reine Kundenfreundlichkeit. Die S-Bahn-Berlin hat den Ländern Berlin und Brandenburg eine Pünktlichkeitsquote von 96 Prozent zugesichert, die im vergangenen Jahr nur in zwei Monaten erreicht wurde. Deshalb muss die S-Bahn Strafzahlungen an den Senat leisten.

Modell soll ab Ende Juli getestet werden

Ab Ende Juli soll die Maßnahme greifen. Bei den Kunden sorgt aber schon die Ankündigung für jede Menge Unmut. 

Auch die Verkehrsverwaltung meldete laut "Berliner Zeitung" Bedenken an: "Es ist keine sehr fahrgastfreundliche Maßnahme, Züge an bestimmten Bahnhöfen nicht mehr halten zu lassen. Solch einschneidenden Maßnahmen müssen wir als Aufgabenträger vor Einführung zustimmen, was bisher nicht passiert ist. Hier besteht noch Gesprächsbedarf mit der S-Bahn."

S-Bahn-Chef Buchner kündigte an, die Zugdurchfahrten zunächst als Pilotmodell zu testen: "Sollte sich während des Pilotprojekts ergeben, dass unsere Kunden im Gegensatz zu anderen Städten, in dieses Verfahren schon angewendet wird, diese Maßnahme nicht akzeptieren, wird die S-Bahn sie nicht weiter verfolgen."

Im Kampf um die störanfälligen Klimaanlagen in den Zügen probieren es die Zugbegleiter mit Humor.
epp

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