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Wie in Nordkorea: Berliner U-Bahn: Neue Wagen sind 60 Jahre alt

Immer mehr Einwohner und Besucher: Berlin braucht mehr U-Bahn-Züge. Doch statt neue Exemplare zu bestellen, werden Museumsstücke aufgepimpt. Die 50er-Jahre-Züge verkehren sonst nur noch in Pjöngjang. 

Der öffentliche Nahverkehr in der deutschen Hauptstadt ist ein Kapitel für sich: Zur Rush-hour herrscht Hochbetrieb. Passagiere drängeln sich dicht an dicht in den Zügen. Gerade im Berufsverkehr werden dringend mehr Fahrzeuge benötigt, um die Taktfrequenz zu erhöhen. Aber eine Lieferung von neuen Zügen ist nicht in Sicht.

Wie reagieren die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf diesen Fahrzeugmangel? Sie greifen in die Trickkiste und möbeln einfach alte U-Bahn-Züge wieder auf. Mehrere Doppeltriebwagen der Baureihen D ("Dora") und DL, die längst im Depot als historische Museumszüge abgestellt waren, sollen bald wieder rollen.

Behutsame Modernisierung

Ausgerechnet auf der neuesten U-Bahn-Strecke, der Linie U55 zwischen dem Brandenburger Tor und Hauptbahnhof, werden die drei Oldtimer ab nächstem Jahr zum Einsatz kommen. Doch bis es soweit ist, muss das bis zu 60 Jahre alte "Rollmaterial" den modernen Sicherheitsstandards angepasst werden: Vor Inbetriebnahme werden die Antriebstechnik  und die Türklinken durch Drücker ersetzt. Außerdem erhalten die Wagen eine neue Lackierung.

Insgesamt investiert die BVG nach Angaben der "Berliner Morgenpost" knapp 2 Millionen Euro in die "neuen" Wagen – was allerdings bedeutend günstiger als eine Neuanschaffung kommt.

Gemeinsamkeit mit Nordkorea

Die sogenannte Baureihe "Dora" galt als erste Neuentwicklung für die Berliner U-Bahn nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Firma Orenstein & Koppel produzierte zwischen 1956 und 1964 knapp über 100 Triebwagen-Einheiten. 2004 wurden die letzten Exemplare ausgemustert.

U-Bahn in Pjöngjang

In der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang verkehren zwei U-Bahn-Linien, tielweise mit Zügen aus ehemaligen BVG-Beständen

Einige U-Bahnen entgingen der Verschrottung und gelangten über einen Zwischenhändler nach Nordkorea. In Pjöngjang bilden die Berliner Züge das Rückgrat des dortigen Nahverkehrs. Nur statt bunter Werbung zeigen die Waggons im Inneren Bilder des Staatspräsidenten.

Sollte das Problem mit dem öffentlichen Nahverkehr in Berlin eskalieren, kann die BVG immer noch Kim Jong-un um Hilfe bitten. Vielleicht leiht der oberste Führer weitere U-Bahn-Züge den Berliner aus.


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