E-Ticket im Nahverkehr Aus Wanne-Eickel bis zum Reichstag


Schluss mit der Suche nach Kleingeld beim Fahrscheinkauf: Mit einem bundesweit einsetzbaren Ticket für den Nahverkehr sollen Busse und Bahnen attraktiver werden. Bereits in diesem Jahr können Fahrgäste elektronische Tickets kaufen, die in einigen Jahren beim Wochenendtrip in Berlin ebenso gültig sein sollen wie auf dem täglichen Weg zur Arbeit.
Von Uwe Gepp

Der Übergang zu einem kundenfreundlichen System, das den Kampf mit dem Tarifdschungel und den Ärger über defekte Fahrscheinautomaten beenden soll, erfolgt schrittweise mit dem E-Ticket. Deutschlandweit wird es einen einheitlichen Chip geben, der automatisch den Fahrweg erfasst, damit jeden Monat eine Rechnung erstellt werden kann. Claudia Langowsky, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), betont, dass der Chip in enger Abstimmung mit Datenschützern eingeführt wird. Bis 2012 sollen mehr als zehn Millionen Fahrgäste das elektronische Ticket nutzen.

Zunächst gibt es hauptsächlich Zeitkarten als Chip, in einzelnen Regionen könne man auch Einzeltickets elektronisch erwerben oder die Einzelfahrten werden beim Betreten und Verlassen von Bus oder Bahn erfasst. Der elektronische Chip sei freiwillig, betont Langowsky: "Es gibt keinen Zwang. Wer will, kann weiter einen Papier-Fahrschein lösen oder eine Prepaid-Karte kaufen, die die registrierten Fahrten nicht mit einer Person verknüpft. "Doch auch beim E-Ticket gelte: "Adresse und Fahrverhalten werden nicht zusammen in einer Datei gespeichert." Es könnten keine Bewegungsmuster einzelner Fahrgäste erstellt werden.

Auf der Suche nach einem europaweiten Standard

Bei der Einführung müsse der Fahrgast die Chipkarte oder auch das Handy noch an einem Lesegerät vorbeiführen. In einem letzten Schritt wird das Ein- und Aussteigen vollautomatisch gebucht, ohne dass der Fahrgast sich noch um irgendetwas kümmern müsste. Pilotprojekte etwa in Schwäbisch-Hall seien erfolgreich verlaufen, sagte Langowsky. Vorreiter wie der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) stellen das E-Ticket nun auf den vom VDV entwickelten bundesweiten Standard um.

Auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee lobte Anfang Dezember anlässlich der Vergabe von 10 Millionen Euro zur Förderung des E-Tickets die Technik: "Im 21. Jahrhundert muss es möglich sein, per Chip oder Handy einen Fahrschein für die U-Bahn in Berlin und die Busfahrt in München zu lösen."

Langowsky träumt derweil schon von einem europaweit einheitlichen Fahrschein. "Erste Gespräche laufen bereits." Dann könnte man mit einem Ticket von Wanne-Eickel nach Herne zur Arbeit fahren und in Paris mit der Metro von den Champs-Elysées nach Montmartre - aber das sei noch Zukunftsmusik, sagt die VDV-Hauptgeschäftsführerin.

AP


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