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Flugbuchung: EU prangert Abzocke im Web an

Die Europäische Union wirft einer Reihe von Airlines vor, ihre Kunden mit Lockangeboten im Internet bewusst zu täuschen. Ein Drittel der Onlineauftritte von Fluggesellschaften und Reiseportalen sei illegal, rügt Verbraucherkommissarin Meglena Kunewa.

Von Reinhard Hönighaus, Brüssel

In den Internetofferten seien Steuern, Flughafengebühren und Kerosinzuschläge oft nicht enthalten, kritisiert die EU. Häufig seien beworbene Billigplätze nicht verfügbar, in manchen Fällen würden den Kunden auch Versicherungen aufgezwungen, heißt es in einer Untersuchung von fast 400 Websites in 13 europäischen Ländern - der Bericht liegt der FTD vor. "Es ist nicht hinnehmbar, dass ein Drittel der Kunden, die ein Flugticket online buchen, abgezockt wird", sagte die Kommissarin.

Ursprünglich wollte Kunewa die Übeltäter am Donnerstag mit einer schwarzen Liste öffentlich anprangern und die betreffenden Internetseiten sperren lassen. Allerdings weigerten sich die Behörden in den meisten Ländern, die Namen preiszugeben. Zur Begründung hieß es, angesichts laufender Verfahren sei die Veröffentlichung nicht möglich. Die EU darf die Liste nicht gegen den Willen eines Mitgliedsstaats publizieren.

Abgesehen vom Nicht-EU-Staat Norwegen veröffentlicht darum am Donnerstag nur Schweden eine schwarze Liste. Dabei kommt Ryanair besonders schlecht weg. Stockholm kritisiert die irische Billigfluglinie für teure Zusatzangebote, die der Kunde nur mit einigem Aufwand wegklicken könne. In Norwegen hat Ryanair beim Online-Ticketverkauf eine "bevorzugte Behandlung beim Einstieg" voreingestellt, die umgerechnet 6,35 Euro extra kostet.

Verbraucherschützer klagen an

Auch deutsche Verbraucherschützer beklagen seit geraumer Zeit derlei Praktiken. Die Bundes-Verbraucherzentrale hat in den vergangenen zwei Jahren über 20 Fluglinien wegen unlauterer Methoden abgemahnt oder verklagt - darunter neben Billigfliegern auch etablierte Unternehmen wie Lufthansa, KLM und British Airways. An der aktuellen Analyse beteiligte sich Deutschland allerdings nicht. Als die EU-Kommission ihre Untersuchung im September 2007 startete, fehlte es im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit nach eigenen Angaben an Personal.

An einer zweiten Untersuchung, die im Juni beginnt, sollen nach dem Willen Kunewas alle 27 EU-Länder teilnehmen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz werde dieses Mal mitmachen, sagte ein Sprecher. Die Ergebnisse sollen auch veröffentlicht werden.

Aus der EU-Kommission hieß es am Mittwoch, rund die Hälfte der unlauteren Methoden sei mittlerweile abgestellt. Schwierig zu packen seien aber illegale Praktiken beim grenzüberschreitenden Ticketverkauf: "Die Durchsetzung der Verbraucherrechte ist viel schwieriger als erwartet."

FTD

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