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Oldtimer der Lufthansa: "Tante Ju" erreicht Heimatflughafen – allerdings zerlegt auf dem Sattelschlepper

Die legendäre Ju 52 ist zurück in Hamburg. Doch ob das Traditionsflugzeug jemals wieder abheben wird, ist fraglich. Ende April entscheidet der Vorstand der Lufthansa über die Zukunft des fliegenden Denkmals.

Während des dreitägigen Transportes der Ju 52 von München nach Hamburg parken die Sattelschlepper auf einem Autobahnrastplatz

Während des dreitägigen Transportes der Ju 52 von München nach Hamburg parken die Sattelschlepper auf einem Autobahnrastplatz

DPA

Drei Tage dauerte die vielleicht letzte Reise der berühmten Ju 52. Nicht durch die Luft, sondern am Boden. Zerlegt in mehrere Teile wurde das genau 83 Jahre alte Flugzeug der Deutschen Lufthansa Berlin Stiftung (DLBS) auf drei Spezialfahrzeuge über die Autobahn von München nach Hamburg transportiert. Wegen der Überbreite durften die drei Sattelschlepper – auf einem ruhte der Rumpf, auf den anderen beiden die demontierten Tragflächen – nur nachts unterwegs sein.

Für die "Tante Ju", wie die fliegende Legende auch genannt wird, beginnt im Frühjahr eigentlich die Saison für Rundflüge. Doch im August 2018 war der Kultflieger mit der Kennung D-AQUI gegroundet worden: Bei einer Routinekontrolle in München war ein Schaden an der Motoraufhängung festgestellt worden. Die Reparatur erwies sich als aufwändig: "Dieses Bauteil wird durch ein Neuteil ersetzt, welches erst gefertigt werden muss", hieß es damals in einer Presseerklärung. Denn Ersatzteile für alte Flieger gibt es nicht am Markt.

Flügellos: Der 18 Meter lange Aluminiumrumpf der Ju 52 auf dem Tieflader

Flügellos: Der 18 Meter lange Aluminiumrumpf der Ju 52 auf dem Tieflader

DPA

Alle Rund- und Streckenflüge mussten daher im vergangenen Jahr ausgesetzt werden. Auch in diesem Jahr wird die alte Dame nicht mehr abheben. Anfang des Jahres teilte die Lufthansa ihren Luftfahrt-Fans eine bittere Nachricht mit, dass "es künftig Flüge mit Passagieren mit der Ju 52 nicht mehr geben wird. Die Lufthansa als Stifterin der DLBS hat entschieden, ihre bisherige, großzügige finanzielle Unterstützung für kommerzielle Flüge nicht mehr zur Verfügung zu stellen."

Das weiteres Schicksal der Ju 52: unklar

Dabei hatte das historische Flugzeug seit 1986 rund 250.000 Passagiere im Flug erleben können. Die historischen Zeitreisen waren möglich geworden, nachdem im 6. April 1936 gebaute Maschine als einer der wenigen noch erhaltenen Exemplare aus Nordamerika nach Hamburg überführt und bei der Lufthansa Technik in Hamburg restauriert worden war. Seitdem absolvierte die Ju 52 mit ihren 16 Sitzplätzen bei Nostalgieflügen immerhin 11.500 Flugstunden.

Im August 2015 wurde die Ju 52 der Lufthansa als erstes Verkehrsflugzeug überhaupt als "bewegliches Denkmal" vom Amt für Denkmalschutz der Hamburger Kulturbehörde unter Schutz gestellt.

Doch mit dem Verkauf der Rundflugtickets können die hohen Betriebskosten nicht gedeckt werden. Zusätzlich erschwerte ein Absturz einer Maschine der Schweizer Ju-Air im August 2018 in den Alpen, bei dem alle 20 Personen an Bord getötet wurden, einen Weiterbetrieb. Die Unfallursache wird noch ermittelt. Eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs mit den restlichen drei Exemplaren des Vereins Ju-Air ist nicht vor 2021 geplant.

Pikantes Detail im "Lufthansa Magazin"

Am Freitag erreichten die drei Sattelschlepper mit Rumpf und Flügeln den Heimathafen: einen Hangar der Lufthansa Basis in Hamburg. Die Zukunft der dreimotorigen Propellermaschine der Lufthansa bleibt unklar. Im Gegensatz zur März-Ausgabe ist im aktuellen "Lufthansa Magazin", das in jeder Sitztasche an Bord steckt, die Ju 52 im Monat April nicht mehr als Bestandteil der Flotte aufgelistet.

Ende des Monats will der Vorstand der Lufthansa über die Zukunft des Oldtimer-Fliegers entscheiden. Wird die Ju 52 Rundflüge zum Beispiel beim Hafengeburtstag ohne Passagiere unternehmen oder endgültig im Museum landen? Viele Fragen sind offen: Oder treibt die Berlin-Stiftung als Eigentümerin das Geld für die notwendige Reparatur und eventuell auch einen neuen Betreiber auf?

Projekt Super Star

Ungewiss bleibt auch das Schicksal der "Super Star". 2007 hatte die Lufthansa drei Lockheed L-1649A Starliner aus den 50er Jahre in Nordamerika erworben. In einem Hangar im Bundesstaat Maine sollte eine Maschine wieder in den flugfähigen Zustand versetzt werden. Doch die Renovierungsarbeiten an der Viermotorigen zogen sich über zehn Jahre hin, verschlangen nach Medienberichten mehr als 100 Millionen Euro, bis auch bei diesem Nostalgieprojekt der Vorstand der Lufthansa Anfang 2018 den Stecker zog.

Noch vor der Renovierung: eines der drei Exemplare der Lockheed L-1649A Starliner aus den 50er Jahren auf einem Flugplatz in Florida

Noch vor der Renovierung: eines der drei Exemplare der Lockheed L-1649A Starliner aus den 50er Jahren auf einem Flugplatz in Florida

Ob die rekonstruierte Maschine jemals nach Deutschland transportiert und ausgestellt wird, bleibt offen. Eine der drei ausgeschlachteten Superstars dient demnächst dem zukünftigen TWA-Hotel am New Yorker Kennedy-Airport als stilvolle 50er-Jahre-Bar.

Wie auch immer über die Zukunft der historischen Flugzeuge entschieden wird, eines steht jedenfalls fest: "Der Aufwand, ein historisches Fluggerät flugfähig zu halten, steigt irgendwann in Höhen, die auch für große Konzerne wie die Lufthansa untragbar sein können", erklärte Wolfgang Servay, der Sprecher der Deutschen Lufthansa Berlin Stiftung, im Gespräch mit dem stern.

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