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Geplante Preiserhöhung: ÖPNV-Kunden müssen wohl bis zu 2,5 Prozent mehr zahlen

Mehr Fahrgäste benötigen ein größeres Nahverkehrs-Netz - so argumentieren die Unternehmen des ÖPNV. Weil die staatliche Förderung nicht genügt, müssen die Kunden selbst bald mehr zahlen.

2016 erreichten die Fahrgastzahlen im ÖPNV einen neuen Rekord: 10,18 Milliarden nutzen Bus und Bahn

2016 erreichten die Fahrgastzahlen im ÖPNV einen neuen Rekord: 10,18 Milliarden nutzen Bus und Bahn

Immer mehr Menschen nutzen den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV): 2016 wurde in Bahnen, Trams und Bussen ein weiterer Fahrgastrekord aufgestellt. Die Verkehrsunternehmen wollen ihre Netze daher weiter ausbauen - und fordern mehr öffentliche Gelder. Auch die Kunden sollen draufzahlen.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen sprach sich am Mittwoch für mehr öffentliche Gelder für Investitionen aus und kündigte höhere Fahrpreise für Kunden an. Sie müssen mit 1,5 bis 2,5 Prozent höheren Kosten rechnen. "Wir haben nicht einmal den Einstieg in eine Verkehrswende geschafft", sagte Verbandspräsident Jürgen Fenske am Mittwoch in Berlin. Dafür müsse das Angebot deutlich ausgebaut werden.

Nur geringe Mittel für Neu- und Ausbau

Zwar stieg die Fahrgastzahl 2016 so stark wie seit zehn Jahren nicht und erreichte erstmals 10,18 Milliarden - was vor allem darauf zurückgeführt wird, dass die Städte wachsen und mehr Menschen erwerbstätig sind. Doch der Anteil des ÖPNV am gesamten Mobilitätsmarkt verharrt nach Verbandsangaben bei 11 Prozent. Denn auch im Auto und Flugzeug legen die Deutschen immer mehr Kilometer zurück.

"Wir könnten 13 Milliarden Fahrgäste haben, vielleicht noch mehr. Aber wir schöpfen unser Marktpotenzial nicht aus", sagte Fenske. Denn seit 1997 seien öffentliche Mittel zum Neu- und Ausbau des städtischen Nahverkehrs nicht aufgestockt worden. Nun wolle die Bundesregierung die jährliche Summe von 330 Millionen Euro bis mindestens 2025 festschreiben.

Preiserhöhung im ÖPNV geringer als an der Tankstelle

Viele U-Bahn- und Straßenbahnlinien sind jedoch in die Jahre gekommen, die Unternehmen müssen dem Verband zufolge wesentlich mehr Geld in die Instandhaltung stecken. Lohnsteigerungen eingerechnet wachse der Aufwand jährlich um 4 Prozent. Die Fahrkartenpreise seien im vergangenen Jahr aber durchschnittlich nur um 1,5 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: An der Tankstelle mussten Autofahrer für Diesel im Dezember nach ADAC-Daten gut 11 Prozent mehr bezahlen als ein Jahr zuvor, bei Super E10 waren es mehr als 5 Prozent.

fri / DPA

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