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EU-Flugsicherheit: Schwarze Liste nützt Passagieren wenig

Nach monatelanger Vorbereitung sollten mit Hilfe der "Schwarzen Liste" unsichere Fluglinien aus der EU verbannt werden - ein wirksames Instrument für Verbraucherschutz. Nach Einschätzung vieler Experten ist diese Maßnahme nutzlos.

Von Jan-Arwed Richter

Bei kaum einer der 92 aufgelisteten Fluggesellschaften wird ein normaler Passagier aus der EU jemals in seinem Leben einen Flug buchen. Das liegt zunächst an der Tatsache, dass die genannten Airlines mehrheitlich Frachtfluglinien sind. Dem Otto-Normalverbraucher wird ferner ein sehr hohes Maß an Fachkompetenz abverlangt, wenn er bei Airlines wie der "Destiny Air Service" aus Sierra Leone, "Wimbi Dira Airways" aus der Demokratischen Republik Kongo oder der Firma "GST Aero" aus Kasachstan den Durchblick behalten soll. Namen, die selbst bei Fachleuten nur allgemeines Achselzucken erzeugen.

Phuket Air fliegt nur noch Kurzstrecken

Einzig die thailändische Phuket Air operierte vor einem Jahr noch nach Westeuropa. Doch nach ein paar Pannen ihrer altersschwachen Jumbo Jets wurde ihr von einigen EU-Staaten die Landegenehmigung verweigert. Schlechte Presse und das Abspringen von Reiseveranstaltern sorgten damals schon für einen Rückzug der Fluglinie, die heute nur noch ein paar Kurzstrecken von Bangkok aus bedient.

Diffuse Kriterien für Landegenehmigung

Bei fünf afrikanischen Ländern (Dem. Rep. Kongo, Äquatorial Guinea, Liberia, Sierra Leone und Swaziland) sind pauschal alle dort geführten Airlines auf der schwarzen Liste. Es gibt aber auch Ausnahmefälle. So darf zum Beispiel Hewa Bora Airlines aus Kinshasa auch weiterhin mit ihrem fast 25-jährigen Lockheed TriStar die Route nach Brüssel befliegen, während allen anderen Maschinen der Flotte dies untersagt bleibt. Ebenfalls wurde die afghanische Ariana Afghan Airlines als generell unsicher eingestuft, doch bei einem Airbus A310-200 der Flotte lassen die Brüsseler Beamten Milde walten. Nur diesem Flugzeug mit der Baunummer 486 ist der Einflug in die EU gestattet.

Unsichere Vergangenheit wird durch neuen Namen verschleiert

Diese scheinbare Gründlichkeit dürfte aber in der Praxis kaum durchführbar sein, da sich viele Airlines, die heute noch nicht auf der Schwarzen Liste stehen, ständig neue Flugzeuge aus mitunter dubiosen Quellen holen, um ihr Geld zu verdienen. Auch Umbenennungen sind keine Seltenheit, so ändern gebranntmarkte Flugunternehmen gerne ihren Namen, um keinen Bezug zur unliebsamen Vergangenheit aufkommen zu lassen. Beispielsweise heißt die zypriotische Helios Airways, die vergangenen August bei Athen einen Absturz mit 121 Toten zu verzeichnen hatte, seit neuestem "A-Jet". Selbst wenn – wie vorgesehen – alle drei Monate die Liste aktualisiert werden soll, hinkt man doch dem "Ist-Zustand" immer ein Stück hinterher.

Liste hinkt der Realität hinterher

Eine grundlegende Systematik ist der neuen EU-Liste nicht zu entnehmen. Es handelt sich vielmehr um eine Zusammenstellung der "durch den Rost gefallenen" Kandidaten. Fluglinien, die zwar in punkto Sicherheit auffällig wurden, die Prüfung jedoch noch überstanden, sind dort ebenso wenig enthalten, wie "Musterschüler" die eine vorbildliche Sicherheitsbilanz haben. Daher wäre es aus Passagiersicht wesentlich transparenter gewesen, wenn man eine differenzierte Liste vorgelegt hätte, in der dann auch sämtliche bekannt gewordenen Sicherheitsvorfälle und Verstöße dokumentiert wären. Namen wie Onur Air oder Fly Air, die sich letzten Sommer bei Türkeiurlaubern negativ eingeprägt haben, sucht man aus diesem Grund auf der Schwarzen Liste vergebens.

Viel zu tun für neugegründete Organisation für Flugsicherheit

Die Schaffung einer universellen Datenbank, in der alles vom geplatzten Reifen bis zum Crash archiviert ist, wäre beispielsweise ein hilfreicher Schritt für mehr Verbrauchertransparenz. Genug Arbeit für die noch junge Europäische Agentur für Flugsicherheit (European Aviation Safety Agency, kurz EASA) in Köln. Die EASA wurde erst letztes Jahr ins Leben gerufen, um für einheitliche Sicherheitsstandards und deren Durchsetzung in der EU zu sorgen. Die jetzt vorgelegte Liste, kann der Weisheit letzter Schluss aus diesen Gründen nicht sein. Sie ist vielmehr ein Beispiel für Bürokratie, die ins Leere geht, da der Passagier so klug wie vorher bleibt. http://www.jacdec.de/statistics/EU-Blacklists_new.htm

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