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Spanien: Wo auch Woody Allen gern flaniert

Das ehemals königliche Seebad San Sebastián im Baskenland ist noch immer ein Tipp unter Genießern. Und unter Prominenten der Kulturszene, die gerade wieder zum Filmfestival anreisen.

Das Ritual in San Sebastián wiederholt sich jeden Morgen so gegen zehn, Sonnenschein vorausgesetzt. Dann taucht Carlos Cobreros an der Uferpromenade auf, an der zierliche Tamarindenbäume rosa blühen. Der braun gebrannte Mann mit der Adlernase schlendert bis zum "Hotel Niza", federt die Treppe hinab zum Strand und breitet auf dem Sand eine Plastikfolie aus. Darauf legt er sein Badetuch. "Damit die Feuchtigkeit nicht nach oben steigt", erklärt Cobreros auf dem Weg zum Wasser. "Wer möchte schon auf einem feuchten Handtuch liegen?" Über Nacht hat die Flut den feinen, gelblichen Sand durchwühlt. Jetzt gibt die Ebbe einen fast 100 Meter breiten Streifen frei, zweieinhalb Kilometer lang. Cobreros schreitet die Bucht, an der sich Häuser mit mondänen Jugendstilfassaden reihen, in ihrer ganzen Länge ab. Das gehört zum morgendlichen Programm des 72-Jährigen, genauso wie das Bad im Meer. Zuerst nach rechts zum Monte Urgull, der sich hinter dem alten Fischerhafen erhebt und aussieht wie ein grüner Zuckerhut. Dann zum anderen Ende, zum Fuß des Monte Igueldo, gesprenkelt mit herrschaftlichen Villen. Spaniens berühmtester Bildhauer, Eduardo Chillida, hat hier gewohnt und unten am Fels seinen "Windkamm" installiert. Drei stählerne Arme, die sich über das oft tosende Meer strecken. "Hier treffe ich Gott und die Welt. Es ist wie eine große Stammkneipe", sagt Cobreros. Der Strand bildet die Lebensader der baskischen 180 000-Einwohner-Metropole an der Biscaya im Norden Spaniens. Gepflegte ältere Damen im Kostüm mischen sich flanierend unter die ersten Badegäste. Die Handtasche in der einen, Schuhe in der anderen Hand. Geschäftsleute mit Aktenkoffer, die Hosenbeine hochgekrempelt, gehen ihres Wegs.

Reiseführer preisen die Bahía de la Concha als den schönsten Stadtstrand Europas. "Für mich", sagt Cobreros nach dem ersten Bad des Tages, "ist es der schönste Strand der Welt." Und trotzdem ist die Stadt bisher nur ein Tipp unter Genießern geblieben. Die baskische Befreiungsbewegung Eta hat hier ihre Heimat. Das schreckt Touristen ab, obwohl die Führungsriege längst im Knast sitzt und die Resttruppe derzeit in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Zudem gibt's für den Sonnenschein weniger Garantie als anderswo, was der wohlhabendsten Stadt Spaniens den Ansturm der Massen bislang erspart. Sie hat sich ihren ehrwürdigen Reiz erhalten, den sie selbst dann entfaltet, wenn wieder einmal der Nieselregen niedergeht, der hier, in der Sprache der Basken, Txirimiri heißt. "Mich friert's nie. Das Wasser wird ja nie kälter als zwölf Grad", sagt Cobreros auf dem Weg zu seinem Badetuch, das er wie immer am selben Platz der großen Bucht platziert hat. Cobreros schwimmt jeden Tag mindestens einmal im Meer. Auch bei Kälte und selbst dann, wenn mal Schnee den Strand bedeckt. Dann allerdings legt er sich nicht auf sein Badetuch und blickt versonnen auf die vorgelagerte Isla Santa Clara, die die größten Brecher des Atlantiks abhält. Vielmehr eilt er nach dem Bad zurück in seinen Sportclub "Atletico". Einen von vieren am Strand, ein Traditionsverein, der im ehemals königlichen Badehaus residiert. Gegründet wurde er 1870, als Spaniens Königin Isabella II. ihre Sommermonate hier verbrachte und San Sebastián zum Treffpunkt von Europas High Society aufstieg. Ihre königliche Hoheit hatte Herpes. Die mitreisende Aristokratie Vergnügungssucht. Die salzige Seeluft half, die Hautkrankheit der Monarchin zu kurieren. Ihre Entourage verhalf der Stadt zu prachtvollen Kasinos, ausufernden Promenaden, zu zahlreichen Theatern und Kinos. Ihre Blüte erlebte die Stadt nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Spanien war neutral. Europas Intellektuelle und die Bourgeoisie flüchteten in Hundertschaften nach San Sebastián. Mata Hari, Leo Trotzki und Maurice Ravel zockten hier an den Roulettetischen. Seit 1953 zieht das renommierte Filmfestival jährlich 200 000 Cineasten aus aller Welt in das einstige Fischerdorf. Dann flanieren auch Al Pacino, Anthony Hopkins und Woody Allen entlang der Strandpromenade.

In dem eleganten Seebad ist so eine der lebendigsten Kulturszenen Spaniens entstanden. Auch Carlos Cobreros nutzt das Angebot - er hat Abonnements für sämtliche Theater und Konzerthäuser der Stadt. Das schönste Kunstwerk aber bleibt für ihn San Sebastián selber: Bei seinen Streifzügen legt er immer wieder Pausen ein, um die pompösen Brücken zu bewundern, die kunstvollen Fresken, die mit Schmiedekunst verzierten Schaufenster - und die wilden Surfer. Die streben, das Brett unterm Arm, ebenfalls zu Fuß zur Playa Zuriola, einem der besten Surfreviere Europas, weil die Wellen hier immer mindestens einen Meter hoch sind. "Sanse ist eine Mischung aus Nizza, Rio de Janeiro und Paris", erklärt Cobreros, einst Kunsttöpfer, heute Lebenskünstler. Er schwärmt von Paris, wo er jedes Jahr einen Monat verbringt. Er könnte es sich sogar leisten, an die Seine zu ziehen: Für ein Appartement, wie er es im Zentrum von San Sebastián besitzt, werden 12 000 Euro pro Quadratmeter gezahlt. Aber das kommt nicht infrage. "Paris hat keinen Strand", sagt Carlos und erhebt sich, um mit Freunden, die zur Mittagspause gekommen sind, eine Partie Beach-Tennis zu spielen. Zur Mittagszeit erwacht auch das Leben in den berühmten Pinxto-Bars, von denen sich mehr als 100 über die gesamte Altstadt verteilen. Essen wird als sozialer Akt zelebriert. In kleinen Gruppen ziehen die Einheimischen von Bar zu Bar, immer auf einen letzten Snack, zu dem man den neuen perlenden Weißwein, einen tinto especial (Rotwein vom Fass) oder ein Bier bestellt. Dicht gedrängt stehen die Gäste vor den Tresen, auf denen sich kleine Leckereien häufen, die im Rest Spaniens Tapas heißen und nirgendwo im Land köstlicher sind als hier. Stadtkenner rühmen San Sebastián als Spaniens Tapas-Hauptstadt; es gibt eigens Reiseführer für die Bars, von denen jede ihre eigenen Pinxto-Spezialitäten kreiert. Immer bemüht, die Konkurrenz zu übertreffen. Längst sind die Happen kleine Kunstwerke, die jedes Jahr in Wettbewerben prämiert werden. Im "La Cepa" hängen Hunderte von Schinken im Gesamtwert eines Porsche von der Decke, Produkte vom Fleisch feiner Schweine, die nur mit Eicheln und Kastanien gefüttert wurden. Im "Martinez" gibt's Paprikaschoten mit Stockfisch gefüllt, im "San Telmo" gebratene Entenleber mit Ananas und Möhrenschaum und im "Txepetxa" Sardinen mit Krebsfleischsauce. An den Wänden hängen die Urkunden der stolzen Wirte.

Eine Auszeichnung in der "Bodega Donostierra" ist ein Foto von Katharine Hepburn, auf dem sie ein Original-Pintxo verspeist. Belegt nur mit Oliven, Tunfisch und Sardellen. In der Ecke stehen große Holzfässer mit eingelegten Peperoni für fette Leckerbissen. Eine gute Grundlage für den Alkohol, der reichlich fließt, auch wenn das oberste Gesetz heißt: nur eine Runde, dann geht's zur nächsten Bar. Hans Harms, 53, Doktor der Philosophie aus Jever in Ostfriesland, der vor 21 Jahren hier hängen blieb, kennt diese Streifzüge allzu gut. Harms, der ab und zu Touristen durch seine Stadt begleitet, weiß immer noch eine Bar, ist nie um einen Tipp für ein gutes Restaurant verlegen. Gekocht wird fast überall auf hohem Niveau, seit die Köche vor fast 30 Jahren die "neue baskische Küche" ausgerufen haben. Nirgendwo auf der Welt ist die Dichte an Michelin-Sternen pro Einwohner so hoch wie in San Sebastián. 15 Sterne sind es derzeit, mehr als in der Millionenstadt Paris. "Die Top-Restaurants heben auch das Niveau der gewöhnlichen Lokale", sagt Harms, dem es manchmal gelingt, mit Touristen einen der rund 100 Kochclubs der Stadt zu besuchen. Eine Art brutzelnder Geheimbund, in dem Allianzen geschmiedet werden und Frauen normalerweise ausgeschlossen sind. Die Männer, so heisst es, hätten diese Zirkel vor 100 Jahren gegründet, um sich abends der Fuchtel ihrer Frauen zu entziehen. Sie treffen sich in angemieteten Räumen und kochen. Verboten sind Gespräche über Religion oder Politik. Es gibt Männer, die schon 25 Jahre keinen Abend bei der Familie gegessen haben. Bildhauer Chillida war Mitglied, Drei-Sterne-Koch Juan Mari Arzak ist dabei und sein Sterne-Kollege Martín Berasategui. Der hat Verständnis für Harms' Mission. "Wenn ich kein Koch wäre", sagt er, "wäre ich Touristenführer in San Sebastián. Es ist die schönste Stadt der Welt." Davon ist auch Carlos Cobreros überzeugt. Vor dem Heimweg gönnt er seinem Körper noch einmal ein Bad. Das gehört zur Routine. "Kaltes Wasser schließt die Poren", sagt er, trocknet sich ab, packt Badetuch und Folie ein. Dann schlendert er nach Hause. Duschen, umziehen, essen. Anschließend geht er wieder aus. Das steht fest, auch wenn er noch nicht weiß, wohin. "Mal sehen", sagt er. "Kino oder Konzert." Dann nimmt er mit Schwung die Treppe hoch zur Promenade, auf der er morgen früh wieder auftauchen wird. So gegen zehn. Mit Badetuch, versteht sich. Und Plastikplane.

Joachim Rienhardt

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(