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An Bord der "Aida Aura": Zum ersten Mal auf Kreuzfahrt - eine Idee klang einfach zu gut

Auf der Route von Palma nach Kiel musste unsere Autorin, eine eingefleischte Individualreisende, ein paar Vorurteile über Bord werfen. Und sie ließ sich genüsslich treiben - auf dem Meer und in den Städten.

Von Petra Sadowsky

Trotz 1266 Passagieren und 389 Crewmitgliedern lassen sich auf der "Aida Aura" durchaus Momente der Ein- oder Zweisamkeit finden, etwa am äußersten Bug des Schiffes, mit Sicht auf den Horizont.

Trotz 1266 Passagieren und 389 Crewmitgliedern lassen sich auf der "Aida Aura" durchaus Momente der Ein- oder Zweisamkeit finden, etwa am äußersten Bug des Schiffes, mit Sicht auf den Horizont.

Auf dem Meer zeichnet sich der Rand des Firmaments als makellose Linie ab, die zwei monochrome Flächen trennt, Himmelblau von Blaugrün. Auf dem Meer herrscht Übersichtlichkeit, kein Gewirr aus Farben, Formen, Mustern und Texturen so wie an Land. In einem Universum, das sich auf Chaos begründet, ist Klarheit eine Ausnahme. Wenn Freunde fragen, was das Schönste an unserer Kreuzfahrt gewesen sei, dann erzählen wir als Erstes von diesem Wunder.

Mein Mann und ich, überzeugte Individualreisende, standen Kreuzfahrten bislang skeptisch gegenüber. Auf Animation, Shows und geführte Touren hatten wir keine Lust. Aber die Idee, zwei Wochen auf der "Aida Aura" durch das Mittelmeer, den Atlantik, die Nordsee und über die Ostsee von Palma de Mallorca nach Kiel zu fahren, klang einfach zu gut.

Von der Weite und Leere eines Seetags zum genauen Gegenteil: Abends in Lissabon. Beim Landgang im Viertel Chiado konnte sich die Autorin Zeit lassen, durch die Calcada do Duque zu streifen, da das Schiff über Nacht festmachte.

Von der Weite und Leere eines Seetags zum genauen Gegenteil: Abends in Lissabon. Beim Landgang im Viertel Chiado konnte sich die Autorin Zeit lassen, durch die Calcada do Duque zu streifen, da das Schiff über Nacht festmachte.

Jetzt, im Hafen von Lissabon, liegt die andalusische Hafenstadt Cádiz schon hinter uns, und vor uns haben wir Ferrol in Galicien, St. Peter Port auf der Kanalinsel Guernsey, Dover, Amsterdam, Oslo und Kopenhagen, dazu drei Seetage und Busausflüge in die Jakobspilgerhauptstadt Santiago de Compostela und nach London.

Außerdem bietet diese Kreuzfahrt vergleichsweise viel Ruhe an Bord und mehr Zeit an Land. So liegen wir, statt nur ein paar Stunden, zwei Tage in Lissabon. Und mit 203 Meter Länge und 28 Meter Breite, zwölf Decks und Kabinen für 1266  Gäste und 389 Crewmitglieder ist die "Aida Aura" eher ein Ozeanzwerg. Er passt in kleine City-Häfen, und es erleichtert Ausflüge auf eigene Faust natürlich, wenn die Gangway direkt ins Zentrum führt.

Zwei Tage für Lissabon

Über Lissabons Altstadt Alfama, rund um Castelo de São Jorge, schien gestern, an unserem ersten Tag in der Stadt, ein anderer Himmel zu schweben als das stille Blau über dem Schiff. Die Giebel der pastellfarbenen und mit Fliesen geschmückten Häuschen brachen Stücke heraus, sein Rand wirkte gezackt wie bei einem angeknabberten Keks. Oberleitungen der carros eléctricos und Laken, Jeans und T-Shirts, die über den Gassen an Leinen trockneten, zerteilten den Himmel in Happen, und die Zweige und Blätter der Straßenbäume ließen nur mehr blaue Krümel übrig, die zwischen dem Grün hervorkamen.

Die "Aida Aura" treibt auf dem Tejo, nahe dem Nationalen Pantheon, dessen Kuppel die Alfama überstrahlt. Das Schiff ist ein vertikaler Stadtteil: Auf den oberen Decks finden sich die Vergnügungsviertel mit Bars, Pools und Spa. Es gibt eine Mall mit Restaurants und einem Laden, ein Theater, ein Gym. Darunter liegen die Wohnviertel und darunter, in drei Kellergeschossen, wird gearbeitet, und Urlauber haben keinen Zutritt. Hier lagern Vorräte, Abfälle, Schiffsdiesel, summen Server, rumoren Klimaanlagen und Motoren.

Die Autorin schnappte als stille Beobachterin auf dem Sonnendeck die kleinen Dialoge einer Kreuzfahrt auf: "Ach, Drinks sind nicht inbegriffen?"

Die Autorin schnappte als stille Beobachterin auf dem Sonnendeck die kleinen Dialoge einer Kreuzfahrt auf: "Ach, Drinks sind nicht inbegriffen?"

Es ist neun Uhr morgens, unser zweiter Tag in Lissabon, und wir haben auf der Veranda des Restaurants "Calypso" den perfekten Tisch fürs Frühstück gefunden. Er steht an der gläsernen Reling, im Halbschatten unter weißen Sonnensegeln, in Sichtweite zum Buffet. Das Bauchgrummeln des Schiffs ist eher zu spüren als zu hören, als Vibrieren, das sich wie Vorfreude anfühlt.

Wir blicken über den Fluss auf ein Wimmelbild aus buschigen Kronen, Palmwedeln, ziegelroten Dächern, Turmspitzen, Zinnen, und wir zeichnen mit ausgestrecktem Zeigefinger den Bummel vom Vortag nach: Da hinten müsste die Weinbar sein, in der wir am Abend zuvor  versackt sind, und dort vorn fährt der Bus nach Belém ab, zu den Museen rund um das Kloster Mosteiro dos Jerónimos.

Nachnamen bleiben an Land

Ob die Zeit noch für eine Besichtigung reicht? Um 19 Uhr müssen wir wieder an Bord sein. Dort stehen überall Liegen und Sessel bereit, um die Langsamkeit zu genießen, als wollte die Zeit damit wiedergutmachen, dass sie bei Ausflügen an Land gelegentlich zur Eile antreibt. "Es gibt sogar Sojamilch und Reiswaffeln, ganz rechts, hinter dem Käse", mischt sich unsere Tischnachbarin in meine Lobrede auf den Luxus der Langeweile, die Schönheit der portugiesischen Hauptstadt und die Auswahl für Vegetarier am Buffet ein. Sie ist eine kleine Frau Mitte vierzig mit großer Sonnenbrille, stellt sich als Christine vor und ihren Mann, der die Flugbahnen der Möwen studiert, als Jens.

Nachnamen bleiben an Land, nur einer stellt sich mit seinem vor: "Hier spricht Sven Laudan, Ihr Kapitän", eröffnet er Durchsagen, mit denen er beim Ein- und Auslaufen Zeitpläne und Routen verkündet. Ob es auch ihre erste Kreuzfahrt sei? frage ich. Nein, sagt sie, "unsere zehnte, und die meisten haben wir auf der 'Aura' gemacht. Ich kenne mich hier fast so gut aus wie bei uns zu Hause."

Wir laufen die Gangway hinunter in die Stadt und machen uns auf den Weg nach Belém. Die Tage auf dem Meer haben uns Ruhe gelehrt. Wir wollen keine Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern verbringen den Tag im Park. Dort bestaunen wir Himmelskrümel in den Baumkronen, Gräser und Blumen, die aus Mauerwerk wachsen, Schmetterlinge, die um Blüten tanzen. Wir sammeln einen Erinnerungsvorrat an Grün und Leben ein, den wir mitnehmen in unser Stadtviertel aus Stahl und Kunststoff, zu dem Pflanzen und Tiere keinen Zutritt haben.

Als wir zurückkommen, ist die portugiesische Küste hinter den Horizont gerutscht. Unser Tisch fürs Abendessen im "Selection Restaurant" steht am Fenster. Die Sonne mischt Rottöne ins Blau, und während wir Seeteufel auf Artischocken-Risotto und Presa Ibérico auf Paella-Gemüse zu Orangenjus essen, wird das Wasser zu Blei, und der Himmel ergraut. Mit viel Glück kann man in der Region große Wale entdecken, und so halten wir zwischen den Bissen Ausschau nach Fontänen und Buckeln.

Gekürzte Fassung. Den vollständigen Artikel finden Sie in "Geo Saison", Heft 10/2018. Ab sofort am Kiosk, Preis 7 Euro.

Kreuzfahrtschiff "AIDAprima" belegt den dritten Platz.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.