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Aufruhr in Ägypten: Reiseveranstalter verzichten auf Ausflüge nach Kairo

Gespannte Lage mitten in der touristischen Hochsaison: Noch gibt es keine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt für Ägypten. Lediglich Besichtigungen der Kairoer Innenstadt werden abgesagt.

Nach Tunesien ist Ägypten das zweite beliebte Urlaubsland in der arabischen Welt, das Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen der Opposition mit den Sicherheitskräften wurde. Auch in Ägypten fordern die Demonstranten Demokratie und die Absetzung des Staatschefs. Vor dem Ägyptischen Museum in der Hauptstadt Kairo, das zu den wichtigsten Besuchermagneten der Stadt gehört, gibt es gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei.

Aus Sicherheitsgründen haben deutsche Reiseveranstalter Ausflüge nach Kairo vorübergehend gestrichen. Über das Ausflugsprogramm entscheiden wir "jetzt Tag für Tag", sagt ein Sprecher von Thomas Cook/Neckermann. Der Veranstalter will Ausflüge in die ägyptische Hauptstadt frühestens wieder am Montag anbieten. Auch bei der Tui wird es bis einschließlich Sonntag keine Ausflüge nach Kairo und Alexandria geben. Es hätten sich aber ohnehin zu wenige Urlauber für Trips in diese Städte angemeldet.

Die Rewe Touristik mit den Marken ITS, Jahnreisen und Tjaereborg hat bis einschließlich 4. Februar alle Tagesausflüge nach Kairo und Alexandria ausgesetzt, wie ein Sprecher bestätigte. Wegen der langen Anreise aus den Touristenzentren am Roten Meer würden die Kairo-Ausflüge ohnehin nur von einer kleinen Gruppe nachgefragt.

Sehnsucht nach Sonne, Strand und Kultur

Im letzten Jahr verbrachten nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) 1,2 Millionen Deutsche ihre Ferien in Ägypten. 90 Prozent davon fuhren in die Badeorte rund um Hurghada, Marsa Alam und Sharm-el-Sheik am Roten Meer. Eine Nilkreuzfahrt und der Besuch der berühmten archäologischen Ausgrabungen gehören für Kulturinteressierte in aller Welt zum Pflichtprogramm. Anders als bei früheren Anschlägen sind im Moment Feriengäste von den Unruhen kaum betroffen, betonen die Reiseveranstalter.

Eine Reisewarnung für Ägypten, wenn mit einer akuten Gefahr für Leib und Leben gerechnet werden muss, hat das Auswärtige Amt nicht ausgesprochen. Damit besteht kein Anspruch auf eine kostenlose Umbuchung oder Stornierung einer Ägyptenreise. Lediglich die Sicherheitshinweise sind aktualisiert worden: Die "Demonstrationen richten sich nicht gegen Touristen. Reisenden wird jedoch dringend empfohlen, Menschenansammlungen und Demonstrationen weiträumig zu meiden und die örtliche Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen", so die Empfehlungen auf der Website des Auswärtigen Amtes.

Ägypten als Konkurrenz zu den Kanarischen Inseln

Bislang bietet nur der Studienreiseveranstalter Studiosus seinen Ägyptengästen ein Recht auf kostenlose Umbuchung oder Stornierung ihrer Reise an. Wie viele deutsche Urlauber derzeit in dem Land unterwegs sind, kann keiner der Veranstalter sagen. Neben den Deutschen gehören auch die Russen zu den großen Fans des Reiselandes Ägypten. Sie gelten als besonders zahlungskräftige Urlauber. Der Tourismus ist für Ägypten als Wirtschaftsfaktor nicht zu unterschätzen.

Für die europäische Tourismusbranche sind Ägypten und Tunesien die mit weitem Abstand wichtigsten Länder in Nordafrika. Während Tunesien vor allem als Billigziel für reine Sonnenanbeter gilt, lockt Ägypten zusätzlich mit jahrtausendealter, einzigartiger Kultur. Dazu kommt eine relativ neue und gut ausgebaute Hotellerie in den Ferienorten am Roten Meer. Dort sind nicht nur die großen Ketten für Pauschalurlaube präsent, sondern auch die internationalen Hotelkonzerne. Längst ist Ägypten im Wintergeschäft zur wichtigsten Konkurrenz der Kanarischen Inseln geworden.

Dass es durch die Unruhen einen dauerhaften Einbruch bei Reisen in die arabische Welt geben wird, daran glauben die meisten Branchenexperten aber nicht. Spätestens seit dem 11. September 2001 wüssten die Menschen, dass es hundertprozentige Sicherheit nirgendwo auf der Welt geben kann, sagen sie. Erfahrungsgemäß gebe es nach Unruhen, bei denen auch Touristen betroffen sind, einen kleinen Knick in der Nachfrage. Langfristig ließen sich die Urlauber aber nicht abhalten, wieder zurückzukehren. Das zeige sich auch in Ägypten. Trotz mehrerer Anschläge auf touristische Einrichtungen seit 2006 ist laut DRV die Zahl allein der deutschen Urlauber von 967.000 beharrlich auf mehr als eine Million gestiegen.

tib/DPA / DPA

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