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Bangkok nach den Unruhen: Luxushotels locken mit Kampfpreisen

Brennende Barrikaden, Straßenschlachten und Ausgangssperren - monatelang herrschte in der thailändischen Hauptstadt der Ausnahmezustand. Wie gefährlich ist ein Bangkok-Besuch für Touristen derzeit? stern.de-Autor Jan-Philipp Sendker war vor Ort.

Ein wolkenloser Herbsttag im Zentrum Bangkoks. Auf der Ratchaprarop, eine der Hauptstraßen, reihen sich Busse und Autos Stoßstange an Stoßstange. Auf den Bürgersteigen verkaufen Händler gefälschte Taschen, Uhren und T-Shirts. Dazwischen sitzen Passanten in Garküchen auf kleinen Hockern und schlürfen Nudelsuppen oder Currys. Trotz der Abgase riecht es an den Ständen köstlich nach Zitronengras, Koriander und heißer Brühe.

An der Ecke zur Rama I steht ein mehrstöckiger Bauzaun, dahinter ragt die Fassade eines ausgebrannten Gebäudekomplexes hervor. Die Ruine des "Zen"-Einkaufszentrums thront wie ein Mahnmal an der Kreuzung, an der sich im Frühjahr Zehntausende von Demonstranten und schwerbewaffnete Soldaten gegenüberstanden. Damals herrschte in Bangkok für Wochen der Ausnahmezustand: brennende Barrikaden, Straßenschlachten, Ausgangssperre. Viele Botschaften warnten vor Reisen in die Metropole. Hotels und Restaurants in der Hauptstadt blieben wochenlang leer. Die Niederschlagung der Proteste forderte mehr als 50 Tote und Hunderte von Verletzten. Es schien, als stünde das Land am Rande des Bürgerkrieges.

Eine sichere, quirlige Metropole

Davon ist ein halbes Jahr später nichts mehr zu spüren. Am Bauzaun vor der verkohlten Shopping Mall hängt ein großes Banner mit der Aufschrift: "We must reconcile as we are one country, one family and one people" (Wir müssen uns versöhnen, denn wir sind ein Land, eine Familie und ein Volk). Der Aufruf zur Versöhnung ist der einzige öffentliche Hinweis darauf, wie tief die Wunden sein mögen, die die Unruhen hinterlassen haben. Ansonsten tut die Stadt ihren Besuchern gegenüber so, als wäre nie etwas gewesen. Es gibt keine Soldaten auf den Straßen, keine Armeefahrzeuge, nicht einmal eine erhöhte Polizeipräsenz fällt auf. Einige Hotels haben vor ihren Eingängen Sicherheitskontrollen, aber die gab es vorher schon. Vor manchen der Luxusläden steht Wachpersonal, wie in anderen Weltstädten auch.

Bangkok ist bemüht, sich so zu zeigen, wie es dem Image der Stadt entspricht: eine sichere, quirlige, lebenslustige Metropole, voller guter Restaurants, Märkten, Bars und günstigen Einkaufsmöglichkeiten. Und mit dem Alltag kehren die Touristen zurück. Bereits der Sommer war kaum schlechter als vor einem Jahr. "Was die bald beginnende Hauptsaison betrifft, sind wir sehr optimistisch", sagt Thorsten Ries, deutscher Vorstand des thailändischen Onyx Konzerns, dem zahlreiche Drei- und Vier-Sterne Hotels im Land gehören. Einer der Gründe sei das gute Preis-Leistungs-Verhältnis in Bangkok. "Es gibt doch kaum eine Destination, wo sie so viel für ihr Geld bekommen", glaubt Ries. Vor allem Touristen aus China, Indien, Russland und dem Mittleren Osten haben sich nicht lange von den blutigen Unruhen abschrecken lassen. Ihre Besucherzahlen steigen rasant. Sie kommen gern in Reisegruppen und wohnen günstig in Hotels der Mittelklasse.

Preissenkungen sollen Gäste locken

Schwerer haben es die zahlreichen Luxusherbergen. Im legendären Mandarin Oriental waren während der Krise oft nur 40 von 600 Zimmern belegt. Fast 1200 Angestellte kümmerten sich um die wenigen Gäste. "Es gibt eine Menge schöne, luxuriöse Reiseziele in Asien", sagt Jan Goessing, General Manager des Oriental. "Die Malediven, Vietnam, Bali. Viele Einzelreisende haben während der Unruhen einfach umgebucht. Es ist nicht so leicht, sie zurück zu bekommen." Nicht wenige der teuren Hotels, wie das Peninsula, Banyan Tree oder Lebua, haben darauf mit drastischen Preissenkungen reagiert. Zimmer die regulär 300 US-Dollar und mehr kosten, sind plötzlich für unter 100 US-Dollar zu haben.

Wer für die bevorstehende Hauptreisezeit in Bangkok nach günstigen Angeboten sucht, findet sie vor allem bei Hotels in der Fünf-Sterne-Kategorie. "Aber wer die Preise senkt, muss auch die Kosten senken", sagt Jan Goessing. Er hält nichts davon, mit einem Preiskrieg Kunden ins Haus zu locken. Goessing hat seine Zimmerraten gehalten, keinen der Angestellten entlassen, weder an den Blumen im Zimmer noch am Service gespart. Er ist überzeugt, dass es sich auszahlen wird. "Unsere Kunden honorieren das. Wir brauchen noch etwas Geduld."

Jan-Philipp Sendker

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