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Architektonische Freakshow: Crazy California: Durchgeknallt am Straßenrand

Auffallen um jeden Preis: So lautete die Devise exzentrischer Architektur am Straßenrand von Los Angeles. Erst in jüngster Zeit wurden die schrägen Imbisse und Läden im Stadtbild wiederentdeckt. Ein Bildband stellt die kuriosen Gebäude vor.

Ein Klassiker der American-Pop-Architektur: Die Hot-Dog-Bude aus dem Jahre 1959, der Tail o’ the Pup am La Cienega Boulevard. Ein Motiv von vielen aus dem Buch "California Crazy" von Jim Heimann.

Ein Klassiker der American-Pop-Architektur: Die Hot-Dog-Bude aus dem Jahre 1959, der Tail o’ the Pup am La Cienega Boulevard. Ein Motiv von vielen aus dem Buch "California Crazy" von Jim Heimann.

Einen Hamburger im Bauch eines Hundes verspeisen. Oder ein Hot Dog an einem Imbiss in Form eines überdimensionalen Hot Dogs essen. All das war und ist teilweise noch im Süden Kaliforniens möglich. Denn dort hat sich über Jahrzehnte ein besonders phantasievolles Formenspiel im Bauwesen etabliert, das sich "roadside architecture" nennt.

Es können auch gigantische Donuts auf dem Dach, Restaurants in Form eines Männerhutes oder eines gemauerten Schweins sein, um die Blicke potentieller Kunden anzuziehen. Denn all diesen schrägen Gewerbebauten gemeinsam ist die Tatsache, dass sie in einer Stadt stehen, die sich ganz den Erfordernissen der automobilen Gesellschaft angepasst hat und dadurch groß geworden ist.

Ungewöhnliche Gebäude dienen als Lockvogel. Dieses Rezept war besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgreich und ließ sich in der damals jungen und geschichtslosen Metropole am besten umsetzen. Anders als an der Ostküste gab es hier keinen Wust von einengenden Bauvorschiften und keinen Ballast hemmender Tradition.

Architektonische Eintagsfliege oder Ikonen?

Einige dieser Gebäude gerieten schnell wieder in Vergessenheit, wurden einfach abgerissen, andere dagegen weiterverkauft und kultiviert. Nicht viele halten diesen Baustil für billige Trash-Architektur, die alles andere als nachhaltig gilt, und haben sie als Freakshow des architektonischen Wildwuchses betitelt.

Doch schon vor 40 Jahren entdeckte der Architekturkritiker David Gebhard den Wert dieser von der Architekturgeschichte damals übersehenden Gebäude. Sein Essay "Eine Architektur von Dauer" ist in der neuen Ausgabe des Buches "California Crazy - American Pop Architecture" abgedruckt. Dieser umfangreiche und erweiterte Bildband, der bei Taschen erschienen ist, gilt als das Standardwerk für alle Liebhaber der so humorvollen Baukunst im Süden Kaliforniens.

Auf den folgenden Seiten der Fotostrecke stellen wir einige Motive aus dem Fotobuch vor, in dem Jim Heimann viele historische Aufnahmen zusammengetragen hat und das als Anregung der Spurensuche beim nächsten Besuch von Los Angeles dienen kann.

+++ Lesen Sie auch: Los Angeles - Die Traumziele jenseits von Hollywood" +++

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