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Haitis Nachbar Dominikanische Republik: Anteilnahme all-inclusive

Die Erde hat auch in der Dominikanischen Republik ein wenig gewackelt. Doch zerstört wurden hier weder Häuser noch Existenzen. Während sich an der Grenze zu Haiti Flüchtlinge drängeln, genießen Touristen an den Stränden die Annehmlichkeiten des Pauschalurlaubs - nicht ohne zu grübeln.

Sonne, Traumstrände und All-inclusive-Service - das ist es, was jährlich mehr als 200.000 deutsche Touristen in die Dominikanische Republik zieht. Einfach mal ausspannen und alle Probleme hinter sich lassen. Doch angesichts des Elends im benachbarten Haiti ist dies derzeit nicht so einfach. Einige Touristen versuchen trotzdem, alles auszublenden, was ihre Urlaubsidylle stört. Andere aber kommen ins Grübeln. Am feinen Sandstrand von Boca Chica in der Nähe von Santo Domingo, der dominikanischen Hauptstadt, reihen sich braun gebrannte Körper unter bunten Sonnenschirmen aneinander. Die Urlauber scherzen miteinander, gießen sich ein Bier ein, träumen mit Blick auf das türkisblaue Meer oder lassen sich genüsslich auf ihrer Liege ausgestreckt eine Pediküre verpassen. Zu ihrem sorgenfreien Leben passen die schrecklichen Nachrichten aus der 290 Kilometer Luftlinie entfernten haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince nicht. "Davon kriegt man hier gar nichts mit", sagen drei Touristinnen aus Erfurt, die ihre Namen nicht nennen wollen. Sie wollen ausspannen und alle Probleme vergessen.

"Wir wollen das nicht verdrängen"

Auch Erich Jürgen will sich von den Nachrichten aus Haiti den Urlaub nicht verderben lassen. "Man macht sich schon so seine Gedanken, dass das hier alles so weiter geht, als wenn nichts gewesen wäre", sagt der Magdeburger, der mit seiner Frau knapp zwei Wochen in einer Ferienanlage gebucht hat. Dann fügt er hinzu: "Die Gedanken schiebt man weg". André Hoffmann und seiner Freundin Katrin Schmidt gelingt das weniger gut. Als am Dienstag vergangener Woche in Haiti die Erde bebte und zehntausende Menschen starben, wackelten bei ihrem abendlichen Bier die Barhocker. "Wir haben ständig die Nachrichtenseiten im Internet aktualisiert, um zu sehen, was los ist", sagt Schmidt. Auch ihr Freund ist sichtlich betroffen. "Es trifft ja immer die Ärmsten der Armen", sagt der 39-Jährige. Er findet es bedenklich, dass das Thema in seiner Ferienanlage "eigentlich totgeschwiegen" wird. Brigitta Linke gefällt das ebenfalls nicht. "Wir wollen das nicht verdrängen", sagt sie während einer Verschnaufpause in der Altstadt von Santo Domingo. Ihr Mann Sieghard erzählt, er versuche verzweifelt, eine deutsche Zeitung zu finden, um sich über die Lage in Haiti auf dem Laufenden zu halten.

Touristikbranche hilft - und macht weiter wie bisher

Die Tourismusmaschinerie wird nicht angehalten - weder in der Dominikanischen Republik, aber auch nicht auf Haiti. Verschiedene Fluglinien haben angekündigt Hilfslieferungen nach Haiti zu bringen. In Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt in Berlin würden weitere Hilfsmaßnahmen geprüft. "Wenn sich herausstellt, dass wir noch was tun können, dann bieten wir das an", versichert ein Sprecher des Deutschen Reisebüroverbands (DRV).

Vor der Nordküste des Landes ankern weiterhin die Schiffe der US-Reederei Royal Caribbean. Sie hat die Bucht Labadee von Haiti gepachtet, um dort mehrmals wöchentlich ihre Passagiere zu bespaßen. "Auf die Insel zu kommen und die Wirtschaft anzukurbeln (...) hilft, wegzubleiben hilft nicht", schreibt RCI-Chef Adam Goldstein im Blog "www.nationofwhynot.com/blog". Auch die Aida Reederei setzt ihre Karibik-Kreuzfahrten fort, die die Dominikanische Republik anlaufen. Auf einem Schiff sei eine Spendenaktion ins Leben gerufen worden, erzählt ein 29-jähriger Hannoveraner während einer Fahrradtour in Santo Domingo. Auch er hat sich vorgenommen, für die Erdbebenopfer zu spenden. Seinen Urlaub will er aber trotz der Zerstörungen in Haiti genießen. "Man hat das schon im Hinterkopf, aber man ist ja trotzdem im Urlaub und deshalb blendet man das auch ein bisschen aus."

Der wenige Tourismus auf Haiti wurde zerstört

Im Gegensatz zur Dominikanischen Republik ist Tourismus auf Haiti kaum entwickelt. Ex-US-Präsident Bill Clinton besuchte im vergangenen Herbst die Insel, um Investoren aus der Tourismus und Wirtschaft für die Insel zu begeistern. In Jacmel, 30 Kilometer von Port-au-Prince gelegen, wäre jetzt eigentlich die Zeit für die Karnevalsvorbereitungen. In der Innenstadt von Jacmel sind etwa drei Viertel aller Wohnhäuser kaputt. In den früheren Anwesen reicher Kaffeehändler und anderen Gebäuden mit französischer Kolonialarchitektur hatten sich Kunsthandwerker und Maler eingerichtet. Mit seiner türkisblauen Bucht und seiner heiteren Gelassenheit war Jacmel ein ruhiger Kontrast zum quirligen Port-au-Prince. Etliche Ausländer hatten sich ganz hier niedergelassen: Europäer, vor allem Franzosen, aber auch Amerikaner. Der Ort schien ein Funke der Hoffnung im ewigen Elend Haitis.

AFP/AP/swd / AP

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