Klimawandel Schneemänner in Afrika


Eine Kältewelle am Kap hat Südafrika völlig überrumpelt. Starke Schnee- und Regenfälle zerstören Brücken und Häuser, der steigende Heizbedarf legt das Elektrizitätsnetz lahm, Brennstoffe werden knapp.

Hitze in Europa, Kälte in Afrika: Während in Deutschland sommerliche Temperaturen Eisdielen und Strandcafés steigende Umsätze bescheren, heißt es im Süden des Schwarzen Kontinents "Ski und Rodel gut". In Südafrika hat eine ungewöhnlich heftige Kaltfront mit Eis, Schnee und Regen Teile des Landes ins Chaos gestürzt. In Johannesburg und Pretoria staunten Weiß und Schwarz über leichten Schneefall - ein selbst im Winter der Südhalbkugel ungewöhnliches Wetterphänomen. Im Skigebiet um Tiffindell fielen an einem Tag 35 Zentimeter Schnee. In den Zeitungen zeigten Bilder von Schneemännern und Afrikanern bei der Schneeballschlacht die heitere Seite der Wetterkapriolen.

"Johannesburg friert"

Mindestens fünf Tote und zahlreiche Vermisste, zerstörte Häuser, gesperrte Brücken, Straßen und Grenzübergänge sowie ausgefallene Flug- und Zugverbindungen spiegelten dagegen die düstere Seite eines der strengsten Winter seit Jahren wider. Im Küstenort Port Elizabeth blieben viele Schulen und Geschäfte nach sintflutartigen Regenfällen geschlossen. Bis Donnerstagmorgen wurden an einigen Orten der Stadt innerhalb von 24 Stunden Niederschläge von 270 Millimeter gemessen. Viele Menschen saßen auf Hausdächern oder in Autos fest. Die Armee schickte Helikopter in die Region, um bei der Evakuierung zu helfen. Vom Kälteeinbruch betroffen ist neben dem Süden und Osten Südafrikas auch das zum Teil nur schwer zugängliche Gebirgskönigreich Lesotho.

Verzweifelt suchten Arm und Reich nach Brennstoff, um sich warm zu halten. In Südafrika sind weder die Bretterverschläge der Townships noch die luxuriösen Villen der Vororte gegen winterliche Minustemperaturen gewappnet. Die hunderttausendfach eingeschalteten Elektroöfchen ließen vielerorts das überalterte Elektrizitätsnetz schwächeln. Die Folge: Stromausfälle legten ganze Viertel lahm. Gasflaschen für die in den meisten Wohnhäusern vorhandenen Öfen sind seit Wochen ausverkauft. "Johannesburg friert", brachte es die Zeitung "The Star" auf ihrer Titelseite auf den Punkt.

Völlig unerwartet

In Hauseingängen, unter Brücken und in Verschlägen flackern nachts offene Feuer, die den Armen trotz der Sturmböen ein wenig Wärme spenden. In dem Ort Zeerust brannte ein leer stehendes Gebäude ab, nachdem mehrere Obdachlose dort neben einem Feuer eingeschlafen waren. Einer von ihnen erlag seinen schweren Verletzungen. Die Kältewelle, die nach Angaben von Meteorologen noch bis zum Wochenende anhalten soll, traf die meisten Südafrikaner völlig unerwartet. Milde Temperaturen um die 22 Grad hatten bei vielen von ihnen bereits die Hoffnung auf den Frühling genährt.

Ralf E. Krüger/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker