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Kreuzfahrt: Inselhopping im Indischen Ozean

Wie ein kostbares Stirnband schlingt sich eine Reihe von Inseln um Afrika - und Madagaskar ist eines seiner Schmuckstücke. Wir waren mit dem Kreuzfahrtschiff "Royal Star" auf Entdeckungsfahrt.

Der Empfang an Bord ist herzlich. Die Kreuzfahrtdirektorin Claudia aus der Schweiz kümmert sich persönlich um die Gäste. Chefsteward Allen aus den Philippinen sorgt für die richtigen Tischnachbarn beim Dinner im Belvédère Restaurant. Nach dem Sundowner an Deck, lernen wir die sechs Engländer kennen, mit denen wir an Bord zu Abend essen werden. Schon bald ist klar, wir haben den lustigsten Tisch erwischt, ein wunderbarer Anfang einer besonderen Reise. Die Kreuzfahrt beginnt in Mahè, der größten Insel der Seychellen. Die Inseltour führt uns zuerst in den Botanischen Garten, wo in einer grandiosen Tropenvegetation die Coco-de-Mer-Palme zu bewundern ist, berühmt wegen der Form, die an einen weiblichen Po erinnert. Victoria mit ihren 24.000 Einwohnern ist die kleinste Hauptstadt der Welt. Wahrzeichen ist der sechs Meter hohe Clocktower, ein Überbleibsel kolonialer Vergangenheit. Wir bummeln vorbei an Boutiquen, Banken und Reisebüros zum kleinen Markt, der gesäumt ist von kolonialen Häusern und riesigen, rot blühenden Flammenbäumen. Auf Holztischen sind Gewürze und Gemüse in allen Farben aufgetürmt. Es duftet nach Zimt, Vanille und süßlichem Obst. Bunt gekleidete Kreolinnen schlendern mit voll bepackten Einkaufskörben über den Markt. In Victoria läuft alles einen Gang gemütlicher.

Der zweite Landgang auf den Seychellen ist La Digue, der Inseltraum schlechthin. Auf der etwas mehr als zehn Quadratmeter großen Insel sind Fahrräder Verkehrsmittel. Gemächlich radeln wir durch riesige Palmenhaine, vorbei an Ochsenkarren, die als Taxis für Touristen dienen und vorbei an alten Plantagehäusern, in satter tropischer Vegetation gelegen. Unser Ziel ist der Anse Source d`Argent, ein weißer Bilderbuchstrand an der smaragdgrünen Lagune, umschlossen von einer gewaltigen Granitfelsenkulisse, worüber sich Palmen beugen. Nur ungern verlassen wir die Trauminsel mit dem letzten Tenderboot, das uns zurück zum Schiff bringt. Abends beim Dinner werden Erfahrungen ausgetauscht. Auch die Schnorchler unter uns sind begeistert.

Ms Royal Star

Baujahr:

1956

Passagiere:

bis zu 243

Crew-Mitglieder:

130

Länge:

120 Meter

Breite:

6 Meter

Kurs auf Madagaskar

1385 km liegen vor uns, das heißt zwei Seetage haben wir Zeit, das Schiff zu entdecken. Am Lido Deck wird gesonnt, das Lunchbuffet genossen und Spiele unter der Anleitung des kenianischen Animateurs Michel gespielt. Herrlich ist der laue Fahrtwind, der die Sonnenbadenden umschmeichelt. Am Abend findet das "Captain's Dinner" statt. Antonios Doumouras, ein freundlicher Hellene mit blauen Augen, hält Hof. Herausgeputzt werden wir ihm vorgestellt, freundliche Worte werden gewechselt. Das Essen à la carte unter täglich wechselndem Motto ist hervorragend. Victor, unserem Kellner, entgeht nichts. Aufmerksam wacht er über das Wohlergehen seiner Gäste. Allen, der Restaurantmanager, ist im Umgang mit den Kreuzfahrern besonders fürsorglich. Er kennt sie alle mit Namen und wechselt spielerisch die Sprachen. Für musikalische Unterhaltung sorgen Olga und ihre Band aus Russland. Ebenfalls aus Russland sind die drei Tänzerinnen, die schon seit anderthalb Jahren an Bord sind. In dieser überschaubaren Atmosphäre lernt man sich schnell kennen und schätzen. Interessante Gespräche entstehen, gleicher Humor wird entdeckt, Cocktails werden gemeinsam getestet. Die "Royal Star" ist gewiss kein Luxusliner, jedoch ist jeder Gast begeistert von der liebenswerten Crew und dem familiären Ambiente.

Die Insel Nosy Bé ist die einzige Insel Madagaskars, mit bescheidener touristischer Infrastuktur. Aufregend ist der bunte afrikanische Markt in der einzigen Stadt Hell-Ville, Treffpunkt der freundlichen Bevölkerung. Hier tauchen wir ein in eine völlig fremde Kultur. Eugen, ein Madagasse mit hervorragenden Deutschkenntnissen, bringt uns zu einer Ylang-Ylang-Plantage. Aus den Blüten des Baumes wird die Essenz für teure, französische Parfums gewonnen. Die Destillerie, wo der Duftstoff hergestellt wird, ist weltweit größter Lieferant des Wohlgeruchs. Auf der Nachbarinsel Nosy Komba beobachten wir zahlreiche Lemuren, die im Geäst der riesigen Bäume umhertollen. Durch die Halbaffen verirren sich manchmal Touristen hierher, sehr zur Freude der Dorfbewohner, die die Chance nutzen, ihre madagassichen Stickereien meistbietend zu verkaufen.Das nächste Ziel der Islandhoppingtour ist Mayotte, im Südosten des Archipels der Komoren. Die Insel ist entwickelter als die übrigen, da sie als "Territoire Outre Mer" von Frankreich unterstützt wird. In der Hauptstadt Momoju gibt es neben Verwaltungsgebäuden, Schulen, Geschäften und Hospitälern einen Yachthafen und Restaurants, wo sich französische Entwicklungshelfer, Forscher, Lehrer und Fremdenlegionäre treffen.

Im Ort ist der bunte Markt eine Möglichkeit mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen. Neben afrikanischem Gemüse und Obst wird französisches Baguette angeboten. Um die Preise gefeilscht wird auf Französisch. Mayotte ist mit der türkis-blauen Lagune, den sanften Hügeln und den ursprünglichen Dörfern sehr reizvoll. Beeindruckend ist der 900 Jahre alte, riesige Baobab-Baum. Wer jedoch lieber abtaucht, kommt auch auf seine Kosten, denn rund um die Insel befindet sich ein hervorragendes Tauchgebiet.Den zahlreichen Eindrücken folgt wieder ein Tag auf See. Es tut gut, an Deck zu entspannen, ein Buch zu lesen, sich mit den Mitreisenden auszutauschen und sich verwöhnen zu lassen.Gestärkt und neugierig erreichen wir Zanzibar, schon immer Anziehungspunkt für Reisende, Eroberer und Glücksritter. Die Insel war Drehscheibe für Kaufleute und Umschlagplatz für Elfenbein und Sklaven. Neben den arabischen Einflüssen vermischen sich heute in der Altstadt von "Stonetown" die Kulturen der Afrikaner, Inder und Europäer. Die meisten Häuser sind aus Lehm und Korallenstein gebaut. Die Fassade wird mit einem Mörtel aus Korallen verputzt, der im Laufe der Zeit eine besondere Patina entstehen lässt. Eindrucksvoll ist das klassizistisch anmutende Gebäude "House of Wonders". Die kunstvoll geschnitzte Eingangstür gilt als Prachtexemplar der Türen, für die Zanzibar berühmt ist. Das Inselinnere ist wie ein riesiger botanischer Garten. Häuser aus rotem Lehm sind umgeben von Schatten spendenden Palmen. Gewürzstände säumen den Weg. Zanzibar ist eine überaus fruchtbare Insel mit allen nur erdenklichen tropischen Früchten und Gewürzen. Schon im Hafen schlägt uns ein würziger Duft entgegen. Diverse Bananensorten, Kokosnüsse, Mangos, Zitronen, Orangen, Papayas, Avocados und vieles mehr wachsen hier.

Ali klettert flink eine hohe, schaukelnde Palme hinauf, um eine Kokosnuss zu holen. Während wir unseren Durst dann stillen, hockt er im Gras und flechtet aus einem Palmenblatt geschickt einen Korb, den er mit einem strahlenden Lächeln überreicht. Nun möchte er den Anbau von Gewürzen zeigen, für die die Insel berühmt ist. Er beginnt ein Blatt zu reiben, man riecht den Duft der Nelken. Er gräbt eine schilfähnliche, langstielige Pflanze aus - die Wurzel ist eine Ingwerknolle. Er kratzt am Stamm eines Baumes ein Stück Borke ab. Es ist Zimt, man riecht es sofort. Eine hellgrüne Frucht wird geöffnet wie eine Kastanie, der Kern ist eine Muskatnuss.Die Taschen voller Gewürze verlassen wir mit unserem Tenderboot gegen Abend die Insel, nicht ohne zu geloben, zurückzukehren auf die Insel mit dem intensiven Duft und dem besonderen Flair.Am letzten Abend an Bord, bevor wir unser Ziel Mombasa erreichen, heißt es Abschied nehmen. Abschied von den amüsanten Tischnachbarn, der freundlichen Crew und von der "Royal Star". Die Kreuzfahrt mit dem Oldtimer zu Inseln, die vom allgemeinen Tourismus noch unentdeckt sind, war äußerst interessant und macht Lust auf mehr.

Gesine Unverzagt

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