Kreuzfahrt Kapverden Feuerland vor Afrika


"Grüne Inseln" tauften die Portugiesen die Kapverden - fälschlicherweise. Denn die Landflecken jenseits von Afrika bezaubern eher durch feurigen Ursprung, salzige Landschaft und unendliche Horizonte.
Von Gesine Unverzagt

Im Hafen von Teneriffa geht's an Bord. Doch nicht alle Gäste beäugen sich neugierig, einige scheinen sich gut auszukennen und werden besonders herzlich begrüßt. Frau Berger ist schon das vierte Mal mit von der Partie. "Seit mein Mann tot ist, gehe ich einmal im Jahr mit diesem Schiff auf Tour, lerne nette Leute kennen und werde vom Personal verwöhnt. Besser kann ich es doch nicht haben", sagt sie während sie Olga aus Odessa umarmt, eine der Stewardessen.

Die MS Delphin Renaissance ist ein 4-Sterne-Plus Luxusschiff mit Wellnessbereich, Sportzentrum und einem abwechslungsreichen Unterhaltungsprogramm. 358 Kabinen stehen zur Verfügung, teilweise mit Balkon. Die Leitung des Schiffes ist Deutsch, das Service-Personal kommt aus der Ukraine, dennoch ist die Bordsprache auch Deutsch.

Irreführende Namensgebung

Am Abend nimmt die Delphin zunächst Kurs auf La Gomera, später soll sie ihre weitere Route zu den Kapverdischen Inseln führen. Der Archipel liegt 445 Kilometer westlich von Afrika, etwa auf der Höhe von Senegal und rund eineinhalb Flugstunden südlich der Kanarischen Inseln. Die gesamte Inselgruppe ist vulkanischen Ursprungs. Seit der Unabhängigkeit von Portugal 1976 sind sie ein eigenständiges Land. Dabei sind von den zahlreichen Inseln nur neun bewohnt. Die Portugiesen nannten die Inseln grünes Kap, Cabo Verde, doch die Bezeichnung täuscht: Wirklich grün sind dieses Fleckchen Land nicht.

Der erste Sonnenaufgang an Bord ist gigantisch. Ich sitze auf meinem Balkon und beobachte, wie das Schiff ruhig in die Bucht gleitet. Die Morgensonne taucht den Hafen, umschlossen von einer grünen Berglandschaft, in glutrotes Licht. Nach dem Frühstück macht sich ein Teil der Passagiere fertig für den Landgang. Einige wollen in San Sebastián bleiben, durch den Ort bummeln und in einem Café das Treiben am Hafen beobachten. Den Unternehmungslustigen klettern in die Busse, die sie zu einer Rundtour durch die Bergwelt der grünen Insel fahren.

Im Abendkleid zum "Captains Dinner"

Der folgende Tag ist ein Seetag, an dem Zeit bleibt, das Schiff kennen zu lernen. Es ist erstaunlich wie viele Passagiere ihre Runden auf dem Joggingpfad drehen; auch im Fitnessbereich trampeln ein paar Unermüdliche in die Pedale, um sich danach auf das üppige Frühstücksbuffet zu stürzen. Welch eine Wohltat ist es dagegen, auf dem Sonnendeck zu sitzen, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen und mit Muße zu frühstücken! Und so soll es weiter gehen. Wer nicht geschafft hat, vor der Reise zum Friseur zu gehen, der erledigt das eben jetzt. Oder schreibt noch schnell ein paar E-Mails von Bord, bevor der Stress ganz abfällt. Auch die Bordbibliothek ist üppig ausgestattet und lädt zum gemütlichen Schmökern ein.

Das Highlight einer jeden Kreuzfahrt ist natürlich das "Captains Dinner". Jens Thorn ist ein fröhlicher Norddeutscher mit gutem Humor. Immer hat er einen flotten Spruch parat, gefolgt von einem erfrischenden Lachen. 1962 begann er seine maritime Laufbahn als Schiffsjunge und ist heute noch passionierter Seefahrer. Während des Dinners werden wir von Vladimir umsorgt, einem ernsthaften jungen Mann, der auch aus Odessa kommt. "Wir arbeiten gern an Bord, denn so haben wir eine Chance, hinaus in die Welt zu kommen", erzählt er. Er freut sich schon, denn am nächsten Tag hat er frei und kann die fremde Welt der Kapverden erkunden.

Unterm Vulkankessel blühen üppige Terrassenfelder

In Porto Novo, Hafen und Hauptort der Insel Santo Antão, ist nichts los. Verrostete Boote dümpeln im Wasser, Männer hocken am Kai und beobachten schläfrig das Herannahen des Tenders des Kreuzfahrtschiffes. Unter einer Akazie warten Fahrer klappriger Jeeps auf Kunden für eine Inselrundfahrt. Den Hafen überragt die Metallstatue einer kapverdischen Mutter mit ihrem Kind, die den einheimischen Frauen gewidmet ist. Sie blieben hier, während die Männer in der Emigration das Glück suchten.

Eine Piste windet sich durch karge Landschaft den Berg hinauf. Weit oben deutet der Fahrer in einen tiefen Krater. Während die Urlauber den Vulkankessel bestaunen, wundern sich zwei Jungs, die auf ihren Eseln im Trippelschritt vorbei reiten, über die Fremden. Vom Krater Cova do Paúl geht es in Serpentinen ins fruchtbare Tal Ribeira do Paúl, wo sich Terrassenfelder in üppigem Grün an die Berghänge schmiegen. Neben Akazienbäumen werden Bananen, Kaffee und vor allem Zuckerrohr angebaut. Die sich im Wind wiegenden, blühenden Zuckerrohrfelder bilden eine grandiose Landschaft mit Vulkankegeln im Hintergrund.

Die Inselbewohner sind Nachkommen afrikanischer Sklaven

Wer gute Kondition und Orientierungssinn hat, für den ist Santo Antão die ideale Wanderinsel. Bewohnt ist das Eiland nur spärlich. Vor einem einfachen Haus aus aufgeschichteten Steinen döst das Familienoberhaupt in der Sonne, während seine Frau mit Hilfe eines alten Waschbretts die Wäsche wäscht und ein Junge auf dem Kopf Feuerholz herbei schafft.

Das Leben ist einfach und geruhsam, die Menschen freundlich entspannt. Sie sind Nachkommen afrikanischer Sklaven, die auf den Plantagen der Kolonialherren arbeiten mussten.

Auf Sal gibt es die Wind- und Wellengarantie

Sal, die touristisch am meisten erschlossene Insel, wirkt öde und nackt. Kein Baum, kein Grün so weit das Auge reicht. Wären um Santa Maria nicht die feinsandigen Strände am türkisblauen Meer und die angenehme Brise, wodurch die Hitze erträglich ist. Zwei blonde, braungebrannte Finnen schwärmen: "Wir kommen jedes Jahr hierher, den nirgendwo sonst kann man so gut surfen und kiten. Wind- und Wellengarantie eben."

Den Namen Sal trägt die Insel wegen des Salzes. Die alte Saline ist die Hauptattraktion der Insel, neben dem Projekt von Emilio Lobo. Der Kapverdianer baut mit erheblichem Aufwand bei der Bewässerung unter Plastikplanen Salat und Gemüse an. Eine Sensation in der trockenen, unfruchtbaren Ödnis und ein großer Schritt in die Unabhängigkeit vom teueren Import. Sein Bruder Antonio betreibt eines der schönsten Hotels auf Sal, das einer Hazienda nachempfundene "Odjo d´Àgua." Die abendliche Hotelterrasse wird von Kerzenschein erleuchtet, eine Flasche Grogue, exzellenter kapverdischen Rum, macht die Runde, dazu wird fangfrisches Thunfischcarpaccio gereicht. Dann beginnt Jenny, begleitet von zwei Musikern, zu singen. Morna heißt die allgegenwärtige Musik, die voller Hingabe gesungen wird. Weltberühmt wurde diese Musikrichtung, eine gelungene Mischung aus portugiesischer und brasilianischer Sehnsucht, durch die einheimische Sängerin Cesária Évora.

Viele Männer wanderten aus, Frauen verdienen den Lebensunterhalt

Auch die größte Kapverdeninsel Santiago ist karg, unerschlossen und fast menschenleer, wäre da nicht die Hauptstadt Praia, ein verschlafener Ort mit immerhin 100 000 Einwohnern. Besonderes Vergnügen bereitet ein Besuch des afrikanischen Marktes. Laut und lebhaft feilschen die bunt gekleideten Marktfrauen um die Preise, während sie die Ware in majestätischer Haltung auf dem Kopf über den Markt balancieren. Trotz harter Arbeit, denn die Männer verließen oft die Inseln, um in der Fremde Arbeit zu suchen, sind die Frauen stolz und selbstbewusst. Der beginnende Tourismus bringt neue Hoffnung auf ein bisschen Komfort - ein Leben mit der Familie im eigenen Land.

Anreise:
Das Kreuzfahrtschiff "MS Delphin Renaissance" hat einen Dreitagestopp auf unterschiedlichen Inseln der Kapverden im Programm.Infos und Buchungen: Delphin Seereisen GmbHTel. 069-98403811Fax 069-98403840. www.delphin-kreuzfahrt.de delphin@delphin-cruises.com
Condor fliegt wöchentlich sonntags Frankfurt–Sal. Hin-und Rückflug kosten rund 750 Euro. Von Sal aus werdendie übrigen Inseln täglich von der regionalen Fluggesellschaft TACV angeflogen.Reisezeit:
Die ideale Reisezeit sind die Monate Oktober bis Juni. Ganzjährig herrscht tropisches Klima, mit wenig Niederschlag.
Sport auf den Kapverden:
Mit Sonne, Strand und Meer ausgestattet kommen Taucher auf ihre Kosten, finden sich doch vor den Küsten Wracks, die teilweise bis zu 500 Jahre alt sind. Die Inseln sind auch ein ausgezeichnetes Revier für Wind- und Kite-Surfer. Sehenswert sind außerdem die Berglandschaften einiger Inseln, sowie die Strände auf Sal und Boavista. Zum Trekking eignen sich die Inseln Santo Antão, Fogo und Santiago.
Reiseführer:

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