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Südostasien nach der Flut: Hinfliegen oder nicht?

Viele Urlauber sind unsicher, ob sie ihre geplante Reise jetzt noch antreten sollen. stern.de beantwortet zehn wichtige Fragen.

1. Was tun, wenn ich ein mittlerweile zerstörtes Hotel, zum Beispiel auf Sri Lanka, gebucht habe?

Die meisten Pauschalanbieter haben vorerst die Reisen nach Sri Lanka, auf die Malediven sowie in die thailändische Region um Phuket abgesagt. Kunden können stornieren oder ein anderes Reiseziel wählen. Oft gilt: keine Flüge bis zum 16. Januar, kostenlos umbuchen bis zum 31. Januar. Einzelheiten gibt es bei den Hotlines der Veranstalter: Tui: 0511/567 80 00; Thomas Cook: 01803/10 03 80; FTI: 01805/ 38 43 00; Rewe Pauschaltouristik (ITS, Tjaereborg, Jahn Reisen): 02203/42-800, -850; Rewe-Bausteintouristik (Dertour, Meier's Weltreisen): 069/95 88 27 70.

2. Kann ich einen Urlaub absagen in einer Unterkunft, die zwar von der Flut verschont geblieben ist, aber nahe an einer verwüsteten Region liegt?

Weil sie sich wohlfühlen sollen, schickt kein Veranstalter seine Kunden jetzt in ein intaktes Hotel inmitten einer Trümmerlandschaft. Schon einige Kilometer weiter aber, wo Herberge und Umgebung unberührt sind, kann es problematisch werden: Wer ein ungutes Gefühl hat, muss auf die Kulanz seines Veranstalters hoffen. Der pocht möglicherweise auf die allgemeinen Reisebedingungen mit den dort festgelegten Fristen und Kosten für Stornierungen. "Sicher ist es nachvollziehbar, wenn jetzt jemand Bedenken hat, in der Krisenregion Urlaub zu machen", sagt Robin Zimmermann von der Tui, "aber solche Skrupel sind eine persönliche Sache, und wir brauchen objektive Kriterien, um mit der schwierigen Lage umzugehen."

3. Ich habe nur einen Linienflug nach Bangkok gebucht, mag aber gar nicht mehr nach Thailand - was nun?

"Dieses Problem haben wir bis jetzt noch nicht gehabt", sagt Christine Ritz von der Lufthansa. Aber: Thailand ist groß, die Strände und Inseln vor der Ostküste und der bei Touristen ebenfalls beliebte Norden sind von der Katastrophe verschont geblieben, da lässt sich immer noch Urlaub machen. "Es gibt keine grundsätzlichen Regeln. Wer umbuchen oder stornieren will, muss sich an sein Reisebüro oder Callcenter wenden", sagt Ritz. "Wir haben sie angewiesen, besonders kulant zu sein."

4. Muss ich mit Nachbeben und neuen Wellen rechnen, wenn ich jetzt nach Asien reise?

Nachbeben sind immer möglich: in zwei Wochen, zwei Monaten. Da bleibt nur die Hoffnung, dass es für die betroffene Region bald ein zuverlässiges Frühwarnsystem gibt. Urlauber können - nach dem Kündigungsrecht aufgrund von höherer Gewalt - ihre Reise künftig auch schon dann kündigen, wenn eine Gefährdung mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist - und nicht erst mit überwiegender.

5. Worauf muss ich achten, wenn ich demnächst zu einem Urlaub im Krisengebiet oder einer angrenzenden Region aufbreche?

Wie eigentlich vor jeder Fernreise sollte man sich bei Tropeninstituten oder unter www.auswaertiges-amt.de über die gesundheitliche Situation am Zielort informieren, gegebenenfalls den Impfschutz (zum Beispiel Hepatitis A, Typhus) auffrischen. Im Urlaub könnte die medizinische Versorgung schlechter sein als üblich, weil die Ärzte sich noch um die Opfer kümmern. Da es sicher längere Zeit Mangel an Medikamenten geben wird, sollten Urlauber mit chronischen Gesundheitsproblemen ihre Reiseapotheke auffüllen. Auch ganz wichtig: auf Hygiene vor Ort achten und Trinkwasser nur aus Flaschen benutzen, auch zum Zähneputzen.

6. Ab wann ist wieder an Urlaub in den betroffenen Regionen zu denken?

Das lässt sich schwer sagen. In einem Land mit einer vergleichsweise gut entwickelten Infrastruktur wie Thailand dürfte es zügiger gehen als etwa in Sri Lanka. Da auch die Hotelbetreiber in der Region um Phuket so schnell wie möglich wieder Gäste empfangen möchten, werden sie sich bemühen, ihre Häuser bald wieder zu öffnen. Geld dürfte da nicht das Problem sein, denn die meisten von ihnen haben zusätzlich zu den Versicherungen gegen die regelmäßigen Monsunschäden auch noch Zusatzpolicen gegen Naturkatastrophen abgeschlossen. Auf den Malediven wurden einige Unterkünfte zerstört, doch eine kleine Insel sieht schneller wieder freundlich aus als eine ganze Region, die vom Wasser niedergewalzt wurde. Zur Erinnerung: In der Dominikanischen Republik haben nach den Hurrikans des letzten Herbstes einige Resorts auch schnell wieder eröffnet.

7. Hilft es den Krisengebieten, wenn die Menschen dort so bald wie möglich wieder Urlaub machen?

Es hilft auf jeden Fall nicht, wenn die Touristen ihnen jetzt den Rücken kehren. Das Reisegeschäft in Asien hatte sich gerade erholt von Rückschlägen der letzten beiden Jahre: dem Bombenattentat auf Bali, der Lungenkrankheit Sars und der Vogelgrippe. "Devisen sind für einige der Regionen lebensnotwendig", sagt Sibylle Zeuch vom Deutschen Reisebüroverband (DRV). In Thailand beträgt der Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt knapp sieben Prozent, auf Sri Lanka sind es sogar etwa 20 Prozent. Weil die Analysten nach der Katastrophe ihre Wachstumsprognosen für das Land zurücknahmen, fiel der Aktienindex an der Börse von Colombo um vier Prozent. Und auf den Malediven sind nach Angaben des World Travel & Tourism Council zwei von drei Erwerbstätigen im Tourismus beschäftigt.

8. Wollen jetzt alle Urlauber nach Ägypten, auf die Kanaren oder in die Karibik, oder gibt es bei Reisen in andere warme Länder noch ausreichend freie Plätze?

Der traditionelle Engpass um die Weihnachtszeit - Hochsaison für Fernreisen - ist überstanden. Die Veranstalter versichern, und ein Blick auf die Last-Minute-Börsen im Internet und an den Flughäfen bestätigt: Wer weit weg will, der kann es auch.

9. Verteuert die Reisebranche den Urlaub in anderen Ländern, um die Verluste in Asien wettzumachen?

Die Kataloge für 2005 sind gedruckt. Um langfristige Prognosen abzugeben, ist es noch viel zu früh. Boris Ogursky von Thomas Cook glaubt nicht, dass die schrecklichen Ereignisse in Asien die Preise nach oben treiben. "Die Reisen in die jetzt von der Katastrophe betroffenen Gebiete machen nur ein Prozent von unserem Gesamtumsatz aus."

10. Geht der Trend jetzt verstärkt zu Ferien in Europa, in Deutschland?

Wer in den Urlaub will, vergisst schnell, egal ob Anschläge oder Naturkatastrophen. "Allerdings fehlt in diesem Fall der Vergleich", sagt Sibylle Zeuch vom DRV, "eine Katastrophe dieses Ausmaßes gab es ja noch nie." Die ersten Veranstalter melden - trotz des Tsunamis in Asien - in der letzten Dezemberwoche steigende Buchungen bei Fernreisen im Vergleich zur selben Woche ein Jahr zuvor. Urlauber, die es in die Ferne zieht, werden auch weiter dorthin reisen, denn was sie an Asien oder an der Karibik schätzen, finden sie eben nicht an der Ostsee oder am Mittelmeer.

Alf Burchardt / print

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