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Revolution des Reisens In vier Stunden durch die Welt – für 100 Dollar? Ein Überschallflugzeug soll das möglich machen

Prototyp von Boom Supersonic
Der Prototyp des Überschallflugzeugs von Boom Supersonic
© Boom Supersonic/Cover Images / Picture Alliance
Überschallflüge sollen Alltag werden – daran arbeitet das US-Unternehmen Boom Supersonic. Es will Flugzeiten verkürzen und die Preise drücken. Die ehrgeizigen Pläne könnten eine Revolution des Reisens bedeuten.

In etwas mehr als drei Stunden von London nach New York fliegen? Das klingt verlockend, aber extrem unwahrscheinlich – muss man für die Strecke über den Atlantik heute doch noch deutlich mehr als die doppelte Zeit einplanen. Aber genau das hat sich das Tech-Unternehmen Boom Supersonic vorgenommen: Überschalltechnik soll eine neue Ära des Fliegens einläuten.

Unternehmenschef Blake Scholl hat ein ehrgeiziges Ziel: Er möchte schnelleres Reisen möglich machen. Für ihn ist der Faktor Zeit entscheidend, wenn es ums Fliegen geht. "Zeit verändert, wo wir unseren Urlaub oder unsere Geschäfte machen, in wen man sich verlieben kann oder wer man sein kann", sagt er im Interview mit dem US-Sender CNN. Seine Firma arbeitet deshalb an einem Flugzeug, das in Überschallgeschwindigkeit Menschen von A nach B bringt.

Doppelte Schallgeschwindigkeit – für jeden erschwinglich

Der Passagierjet "Overture" mit Plätzen für bis zu 88 Fluggäste soll ab 2026 kommerziell eingesetzt werden. Das Flugzeug soll dann mit doppelter Schallgeschwindigkeit fliegen können – das entspricht mehr als 2700 Stundenkilometern. Bisher hat das Unternehmen einen Demonstrationsjet, der ein Drittel so groß ist wie der geplante Flieger. 

Ebenso wichtig wie die Geschwindigkeit ist für CEO Blake aber die Verfügbarkeit. Mit Überschallgeschwindigkeit soll Fliegen noch günstiger werden, fast jeder soll sich die Reisen leisten können. Seine Vision: Es soll möglich sein, zu jedem Ort der Welt innerhalb von vier Stunden fliegen zu können – für nur hundert Dollar. Das würde den Markt tatsächlich revolutionieren. Was heute nahezu unvorstellbar klingt, soll nach Blakes Vorstellung in Zukunft zur Normalität werden.

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Überschallflugzeug soll CO2-neutral fliegen

Bis es soweit ist, wird es allerdings noch dauern. Der Prototyp soll noch in diesem Jahr fliegen, 2023 will Boom Supersonic dann mit dem Bau der ersten "Overture" beginnen. Ziel ist es, ein zu hundert Prozent CO2-neutrales Flugzeug bauen, das mit Bio-Kerosin fliegt – ein weiteres ehrgeiziges Ziel, das sich das 2014 gegründete Unternehmen aus Colorado gesetzt hat. Blake Scholl ist klar: "Entweder wir scheitern oder wir verändern die Welt." Bis die Vision der 100-Dollar-Flüge innerhalb von vier Stunden durch die ganze Welt Realität würde, könnten noch zwei oder drei Generationen in der Flugzeugentwicklung vergehen.

Auch müssen zuerst die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. In den meisten Ländern sind Überschallflüge über Land verboten oder nur eingeschränkt zugelassen. Grund dafür ist der Überschnallknall, der entsteht, wenn ein Flugzeug die Schallmauer durchbricht und auf dem Boden eine erhebliche Lärmbelästigung darstellen würde. Doch auch hier macht die Technik enorme Fortschritte, die neuen Flugzeuge sollen deutlich leiser unterwegs sein.

Das Thema Überschallflug ist in der Flugbranche nicht neu – und lag doch lange auf Eis. Das bisher einzige Überschallflugzeug, das über längere Zeit im Linienbetrieb eingesetzt wurde, war die Concorde. Sie war von 1976 bis 2003 im Einsatz, allerdings extrem laut, mit wenig nachhaltiger Technik und zu enormen Flugpreisen für die Passagiere. Die Strecke zwischen London und New York bewältigte aber auch die Concorde in lediglich dreieinhalb Stunden.

Quellen: CNN / Deutsche Welle / BR

epp

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