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Heiße Wellness-Hotels: Sich locker machen im Thermalwasser

Verspannt und steife Gelenke? Ein langes Wochenende im Thermalbad könnte genau das Richtige sein. Im Salzburger Land hat nun neben den beiden Traditionsbädern ein moderner Thermal-Tempel aufgemacht.

Von Dieter Schweiger, Salzburg

Eigentlich hätten ihm die Bad Hofgasteiner ein größeres Denkmal setzen können als die schmalbrüstige Büste vor dem Hotel "Moser". Schließlich war es der im Volk beliebte "gute Kaiser Franz", der 1828 veranlasst hatte, das begehrte Heilwasser aus der Elisabethquelle nicht nur Bad Gastein und seinen mondänen Kurgästen wie Sisi oder Nietzsche zugutekommen zu lassen. Sondern "für immerwährend" auch dessen armen Verwandten talauswärts in Hofgastein.

Seither ist viel Thermalwasser durch die bis 1830 gebaute, über sieben Kilometer lange Leitung geflossen. Bad Gastein ist nicht mehr das "Monaco der Alpen". Aus dem Dorf Hofgastein ist dagegen der renommierte Kurort Bad Hofgastein geworden. Und wenn keine Könige unter den Gästen sind, so wenigstens Quotenkönige wie Thomas Gottschalk, der zum Abspecken kommt.

Vor allem sind es Patienten mit Erkrankungen des Bewegungsapparats wie Morbus Bechterew, Arthrose, Rheuma oder Osteoporose, die in der "Alpentherme" Linderung suchen. Als eine der modernsten Anlagen Europas wurde sie 2004 umgebaut.

Das Heilwasser, das 46 Grad heiß aus Quellen unter dem Graukogel quillt, muss für die Gäste erst auf bekömmliche 34 bis 38 Grad abgekühlt werden. Das Wasser enthält in geringer Menge das Edelgas Radon aus dem Gestein der Region.

Bäderärzte vermuten, dass es die Produktion schmerzlindernder Endorphine anregt und entzündungshemmende Botenstoffe aktiviert. Ob das zutrifft oder andere Effekte die Entzündungshemmung erklären, ermitteln aktuell Wissenschaftler am GSI-Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt in Langzeitstudien.

Außerdem sollen sie ein viel diskutiertes Risiko untersuchen: Radon in Innenräumen gilt nach dem Rauchen als wichtigste Ursache von Lungenkrebs. Kritiker vermuten, dass dieses Risiko schon bei geringer Dosis bestehen könnte. Belege, dass auch kurzfristige Radonbäder schaden, gibt es bisher aber nicht.

Der "Patient Gelenk" steht auch im Fokus des Heilbades Bad Vigaun. Mit alter Pracht wie im Gasteiner Tal kann - und will - der Neuling aber nicht dienen. Wie auch? Erst 1976 war man bei einer Probebohrung nach Erdöl zufällig auf die Sankt-Barbara-Quelle gestoßen. 2002 wurde die kleine Gemeinde im Tennengau schließlich zum "Bad" ernannt.

Die Therme definiert sich mehr als medizinisches Zentrum: mit einer Klinik, in der jährlich über 700 Operationen, vor allem Gelenkersatzeingriffe, durchgeführt werden; mit einer Reha- und Kurabteilung. Das Wasser im Thermalbad, das ein Gemisch aus Natrium-Kalzium-Chlorid-Sulfat enthält, ist nur ein, wenn auch wichtiges, Heilmittel.

Auch ohne Kurpark und Belle Epoque wird Bad Vigaun von Patienten rege angenommen.In nur 30 Minuten ist man mit der S-Bahn am Mozarthaus in Salzburg. Der Komponist hätte übrigens selbst eine Kur brauchen können: Mozart litt so an Rheuma, dass er, wie sein Vater berichtete, "auf keinem Fuß stehen konnte".

Dieter Schweiger

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