Aldi-Reisen Mit Aldi nach Malle


Nach Champagner und Computern wagt sich Aldi nun erneut auf fremdes Terrain: Ab heute verkauft der Discounter auch Reisen - und folgt damit seinem Konkurrenten Lidl. Aber Vorsicht: Nicht alle Angebote sind Schnäppchen.
Von Claudia Pientka

Fahrscheine bei Lidl, Flugtickets bei Penny und jetzt sogar Luxusreisen bei Aldi - immer mehr Discounter steigen ins Tourismusgeschäft ein. Denn so zögerlich der Verkauf einst begann, spätestens seit Lidl Bahn-Tickets mit riesigem Erfolg verscherbelte, leckt die Branche Blut. Als erster Billig-Supermarkt startete Lidl seinen Reisemarkt. Nun zieht Aldi nach. Sowohl die Nord-, als auch die Südvariante verkauft ab dem 5. Januar 2007 ein monatlich wechselndes Programm mit Nah- und Fernreisen.

Der Discounter bietet vom 99-Euro-Ausflug bis zum Luxusurlaub für 999 Euro zunächst fünf verschiedene Reisen an: Das günstigste Angebot sind Familienferien in Österreich: Drei beziehungsweise vier Nächte im Salzburger Land kosten für Erwachsene je 99 Euro, zwei Kinder im Alter von bis elf Jahren reisen pro Paar kostenlos. Ab 199 Euro fliegen Urlauber eine Woche ins Drei-Sterne-Hotel nach Mallorca, ab 599 Euro geht es auf Vier-Sterne-Kreuzfahrt durchs östliche Mittelmeer. Eine 8-tägige Amerika-Rundreise von New York zu den Niagarafällen, ins Amish Country, nach Washington und Philadelphia kostet inklusive Linienflug 799 Euro. Und für 200 Euro mehr verspricht das Unternehmen eine Woche lang Sonne, Strand und luxuriöses Ambiente im Vier-Sterne-Hotel auf Mauritius-Reise, Halbpension und Linienflug inklusive. Wer will, kann einen Stern mehr buchen.

"Tolle Schnäppchen"

Sowohl Lidl als auch Aldi arbeiten mit großen Reisekonzernen zusammen: Lidl kooperiert mit Paneuropa, einer Tochterfirma von KarstadtQuelle und Thomas Cook. Aldi hat den Direkt-Reiseanbieter Berge & Meer ins Boot geholt, ein zum Tui-Konzern gehörendes Unternehmen, das auch mit Tchibo zusammenarbeitet. Dessen Geschäftsführer Klaus Scheyer und Reiner Meutsch versprechen langfristigen Einsatz, das Angebot solle keine kurzfristige Aktion sein. Begrenzt sind die Ferien dennoch von anderer Seite: "Für alle bei Aldi angebotenen Reisen stehen zwar große, aber begrenzte Kontingente zur Verfügung“, sagen Scheyer und Meutsch. Deshalb gilt hier wohl ähnlich wie an den Supermarktkassen: Die Schnellsten machen die Schnäppchen.

Dennoch sind die Verbraucherschützer von Stiftung Warentest begeistert: "Die Reisen von Aldi sind tolle Schnäppchen", sagt Falk Murko, "wir haben sie verglichen und nirgendwo günstigere Angebote gefunden." So übernachten die Gäste der Mauritius-Reise für 999 Euro in einem großen, bekannten Hotel, das es sonst nur für mindestens 200 bis 300 Euro mehr gebe, erklärt Murko. Und auch die Amerika-Rundreise scheine interessant zu sein, auch wenn man nicht wisse, in welchen Häusern die Urlauber schlafen. "Der Reiseveranstalter Berge & Meer hat uns versichert, nur gute Hotels ins Angebot aufzunehmen", sagt Murko, "und die haben immerhin einen Ruf zu verlieren." Weniger Lob findet Murko für die Reisen bei Lidl und Tchibo: "Auch deren Angebote haben wir geprüft und durchaus gleiche oder günstigere Offerten gefunden."

Furcht vor den Branchenfremden

Wohin das Engagement der Supermärkte die Reisebranche führen könnte, lässt sich bereits am Nachbarn Österreich sehen. Dort verkaufe die Aldi-Tochter seit 2003 Ferien, berichtet das "Manager Magazin", und sei damit zum drittgrößten Reiseanbieter des Landes aufgestiegen, gleich hinter Tui und Neckermann. Eine Entwicklung, die den Reisebüros auch hierzulande gar nicht gefällt. Kunden nähmen Reise verstärkt als Discount-Ware wahr, klagt der Stephan Busch vom Bundesverband mittelständischer Reiseunternehmen in der "Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung", damit machten die kooperierenden Reiseunternehmen ihr eigenes Image kaputt. Dabei liegt der Unterschied von der Buchung im herkömmlichen Reisebüro zum Discount-Urlaub hauptsächlich in der Beratung - sofern es überhaupt eine gibt. Denn gebucht werden können die günstigen Ferien nur im Internet und am Telefon, und nur auf letzterem Weg gibt es auch eine Beratung. Reiserechtlich besteht jedoch kein Unterschied zwischen Büro und Internet, beide unterliegen denselben Bestimmungen.

Einen Vorteil hat das Reisebüro jedoch: Während der Öffnungszeiten ist es auch besetzt. Die Internet-Seite des Reisevertriebs von Aldi war heute die meiste Zeit nicht erreichbar.


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