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Billigflieger streicht Flüge: Ryanair dampft Flugplan ein

Der irische Billigflieger Ryanair dünnt wegen der geplanten Luftverkehrsteuer fast 30 Prozent seiner Flüge am Flughafen Hahn aus. Die Zahl der wöchentlichen Flüge von seinem Deutschland-Drehkreuz soll von 532 auf 382 sinken.

An der wichtigsten deutschen Ryanair-Basis am Hunsrück-Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz sollen neun Strecken gestrichen werden - was etwa 30 Prozent der Flüge pro Woche im Sommer entspricht. Flüge nach Berlin werde es schon von Januar an nicht mehr geben.

Betroffen seien etwa eine Million Passagiere, 150 Arbeitsplätze bei Ryanair sowie weitere 1000 Jobs bei anderen Unternehmen. "Die Nachfrage nach Flügen ist vom Preis der Flüge abhängig", sagte Ryanair-Manager Michael Cawley am Mittwoch.

Die Bundesregierung hatte im Zusammenhang mit ihrem Sparpaket eine Luftverkehrssteuer von bis zu 45 Euro pro Ticket beschlossen und damit Proteste in der Luftfahrtbranche ausgelöst. Die Steuer gilt schon jetzt bei Buchungen für Abflüge vom 1. Januar 2011 an. Die nach Entfernung in drei Stufen gestaffelte Abgabe soll jährlich eine Milliarde Euro zur Haushaltskonsolidierung einbringen.

Keien Flüge nach Berlin mehr

Die gestrichenen Flüge hätten nichts direkt mit dem Flughafen zu tun, betonte Cawley. "Wir werden weiter eng mit dem Flughafen zusammenarbeiten", sagte eine Sprecherin. Mit etwa 3,8 Millionen Fluggästen 2009 zählt der Airport Hahn zu den wichtigsten Regionalflughäfen in Deutschland. Größte Passagier-Airline mit einem Anteil von rund 95 Prozent ist Ryanair.

Der Terminalausbau des Flughafens Hahn war wegen der neuen Ticketsteuer gestoppt worden. Der Flughafenbetreiber wollte nach eigenen Angaben abwarten, welche Auswirkungen die Abgabe auf das Reiseverhalten der Passagiere hat.

Zu den anderen Flugzielen in Deutschland machte die Sprecherin nur Andeutungen: Weitere Kürzungen würden kommen, Details seien aber noch nicht geplant. Dass die Strecke von Hahn nach Berlin schon im Winter gestrichen wird, begründete Cawley mit einer doppelten Versteuerung. Die weiteren acht Strecken sollten erst zum Sommer entfallen.

Bereits Ende Juni hatte die Fluggesellschaft bekanntgegeben, im Winter Verbindungen in Großbritannien einzusparen - ebenfalls wegen einer dort erhobenen Luftverkehrsabgabe. Andere Länder wie Belgien, Griechenland und die Niederlande hatten entweder keine Flugsteuer eingeführt oder wieder abgeschafft.

tib/AP/APN / AP

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