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Folgen der Luftverkehrssteuer: Die Blütezeit der Billigflieger ist vorbei

Mit günstigen Tickets haben Fluglinien wie Easyjet das Reisen revolutioniert. Eine neue Studie dürfte Alarmstimmung in der Branche verbreiten: Das Geschäft mit Billigtickets lohnt sich oft nicht mehr.

Von Annette Berger

Der Markt für Billigflüge ist in diesem Jahr in Deutschland eingebrochen. Die Zahl der günstigen Flugverbindungen sank zwischen Sommer 2010 und Sommer 2011 um mehr als elf Prozent. Das zeigt der neue "Low Cost Monitor 2011" des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). "So einen starken Einbruch gab es hierzulande noch nie bei den Billigfliegern", sagt Peter Berster, Autor der Studie. Die neuen Daten zeigen außerdem: Der Anteil der Billigflieger am Reisemarkt sank in Deutschland zuletzt um zwei Prozent.

Die Untersuchung wird seit 2006 zweimal im Jahr veröffentlicht. Die aktuelle Erhebung vergleicht eine Juli-Woche dieses Jahres mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Branche ist erbost über die Zusatzbelastung

Fazit der Befragung des DLR unter den Fluglinien: Das Angebot an günstigen Flugtickets leidet stark unter der neuen nationalen Luftverkehrssteuer. Mit einem schrumpfenden Billigflugmarkt bewege sich Deutschland gegen den Trend in Europa, sagt Berster. Denn in anderen europäischen Ländern sei der Markt zuletzt gewachsen.

Durch die im Januar in Deutschland eingeführte neue Steuer erhöhten sich die Preise für Flugtickets um 8 Euro auf der Kurzstrecke, 25 Euro auf mittleren Entfernungen und 45 Euro auf der Langstrecke. Die Branche ist erbost über die Zusatzbelastung. Zwar geben Airlines, wo sie können, die Kosten an die Kunden weiter. Doch gerade im Billigsegment ist das schwierig. In manchen Fällen lohnen sich Strecken daher nicht mehr.

Wer billig bucht, guckt auf jeden Euro

Die irische Fluglinie Ryanair beispielsweise kündigte schon Monate vor der Einführung der neuen Abgabe Streckenkürzungen in Deutschland an. Bei Billigflügen machen sich Preissteigerungen um einige Euro im Verhältnis besonders stark bemerkbar.

Reisende in Deutschland hatten zuletzt laut Recherchen des DLR weniger Auswahl an Strecken, die man günstig buchen kann. Ihre Zahl sank demnach um sechs Prozent. Nachdem das Angebot der Low-Cost-Carrier hierzulande im Sommer 2010 mit 675 unterschiedlichen Routen ihr bislang höchstes Niveau erreicht hatte, sei die Zahl auf zuletzt nur noch 635 geschrumpft.

Zu den Billigfliegern zählt das DLR Airlines wie Germanwings, Easyjet oder Ryanair - aber auch bestimmte Sparten von Air Berlin. Zwar ist der schärfste Rivale der Lufthansa auf dem deutschen Markt wegen seiner vielen höherpreisigen Angebote kein klassischer Billigflieger. Mit 2361 Starts in einer Juliwoche 2011 habe das Low-Cost-Segment von Air Berlin mit Abstand das größte Billigangebot in Deutschland, heißt es in der Studie. Dahinter folge Germanwings.

2012 wird ohnehin schwierig

Die Billigflieger erlebten zwischen 2002 und 2007 eine Blütezeit in Deutschland. Und sogar in der jüngsten Wirtschaftskrise zwischen 2008 und 2009 ging es diesen Fluggesellschaften vergleichsweise gut. Aufgrund des Sparzwangs vieler Unternehmen warben sie den großen etablierten Gesellschaften wie er Lufthansa Geschäftsreisende ab.

Die neuen Daten vom Rückgang des Billigflugangebots in Deutschland kommen ausgerechnet in einer Zeit, in der sich die hiesige Reisebranche ohnehin für den Abschwung rüstet: Denn nach Daten des Weltluftfahrtverbandes Iata drohen Europas Fluggesellschaften im kommenden Jahr tiefrote Zahlen.

FTD

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