Kosten für Fluggepäck Zusatzgebühren spalten Fluglinien


Trotz des erbitterten Preiskampfs in der Branche wollen Fluggesellschaften wie die Lufthansa ihr Serviceangebot nicht ausdünnen. Viele Airlines lehnen außerdem Service-Aufschläge ab - wie sie Billig-Airlines einfordern.
Von Jennifer Lachmann und Jörg Petring

Zusatzgebühren, etwa für das Befördern von Gepäck, ziehe er "zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht in Betracht", sagte Wolfgang Mayrhuber, Chef von Europas größter Fluggesellschaft, am Rande einer Veranstaltung in New York. "Unsere Kunden würden solche Zusatzgebühren schlicht nicht akzeptieren", sagte Temel Kotil, Chef von Turkish Airlines, der FTD. Auch sein Amtskollege von Singapore Airlines , Chew Choon Seng, äußerte sich skeptisch.

Die Manager erteilen damit Gedankenspielen eine Absage, etablierte Fluglinien müssten sich angesichts des schwierigen Marktumfelds zwangsläufig dem Geschäftsmodell von Low-Cost-Anbietern, aber auch von US-Wettbewerbern wie American Airlines, annähern. Diese verlangen inzwischen für viele Dienstleistungen, die früher im Preis enthalten waren, Geld - etwa für die Aufgabe von Gepäck oder das Reservieren eines bestimmten Sitzplatzes.

Die Bedeutung solcher Gebühren ist enorm: 2008 nahmen die US-Anbieter allein mit der Annahme von Koffern rund 1,1 Milliarden Dollar (743 Mio. Euro) ein. Damit können sie zumindest teilweise kompensieren, dass die Erlöse aus den Tickets zuletzt deutlich gesunken sind. Laut Weltluftfahrtverband IATA kosten sie aktuell bis zu 20 Prozent weniger als im Vorjahr, weil sich die Fluggesellschaften einen Kampf um die verbliebenen Fluggäste liefern. Für das laufende Jahr rechnet die IATA mit einem weltweiten Verlust von 11 Milliarden Dollar.

Service kostet extra

Ryanair-Chef Michael O'Leary hält das Versprechen der Konkurrenten, auf Servicegebühren zu verzichten, für unrealistisch. "Die Lufthansa wird unser Preismodell bald kopieren und solche Gebühren verlangen. Alle Fluggesellschaften werden das tun, weil sich gezeigt hat, dass unser Preismodell das beste ist." Laut O'Leary macht Ryanair rund 20 Prozent des Umsatzes mit Zusatzzahlungen etwa für das Aufgeben von Gepäckstücken und Bordmahlzeiten.

Vor allem in den USA hat sich eben dieses Preismodell inzwischen jedoch etabliert. Große Fluggesellschaften wie Delta oder Northwest mussten vor einigen Jahren Insolvenz anmelden - unter anderem, weil sie mit ihren teuren Kostenstrukturen nicht mehr mit billigeren Konkurrenten wie Jetblue oder Southwest mithalten konnten. Als im Sommer 2008 auch noch der Kerosinpreis auf ein Rekordhoch von 147 Dollar stieg, griffen sie auf die Extragebühren zurück, um ihre gestiegenen Kosten zu decken.

"Wir haben lange Zeit gezögert, wie viele unserer Konkurrenten auch für die Aufgabe des ersten Gepäckstücks Geld zu verlangen", sagte Larry Kellner, Chef von Continental, der weltweit fünfgrößten Fluggesellschaft. Allerdings habe er durch den Verzicht keine zusätzlichen Passagiere gewonnen. Und die Alternative, eine scheinbar marginale Preiserhöhung von rund 10 Dollar, habe dazu geführt, dass die Angebote der Fluglinie in Onlinereiseportalen weniger prominent aufgelistet worden seien - wodurch Kunden zu billigeren Konkurrenten gewechselt seien. "Wir haben jetzt die Faustregel: Wenn mehr als 20 Prozent unserer Kunden einen Service nutzen, dann sollte er im Preis enthalten sein. Sind es weniger, dann erheben wir eine Zusatzgebühr, weil es nicht fair wäre, wenn die anderen Gäste diesen Wunsch mitfinanzieren müssen", sagte Kellner.

Angesichts des härter gewordenen Wettbewerbs erwägen die amerikanischen Fluggesellschaften nun, nach dem Vorbild von United Airlines sogar noch einen Schritt weiter zu gehen. Da die Fluggesellschaft alle Gebühren nahezu ausgereizt hat, bündelt sie jetzt verschiedene Serviceangebote zu Paketen. So können sich Fluggäste beispielsweise ab 47 Dolar einen größeren Sitz reservieren lassen, früher an Bord gehen und zwei Koffer mitnehmen. Continental-Chef Kellner wollte nicht ausschließen, dass auch er solche Modelle einführen könnte.

FTD

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