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Lufthansa: Stewardessen drohen mit Streik

Die Flugbegleiter wollen 15 Prozent mehr Gehalt. Die Lufthansa bietet sechs Prozent und einen Bonus. Seit Freitag haben die beiden Parteien nicht mehr verhandelt. Bereits in dieser Woche könnte es zu Warnstreiks kommen.

Im Tarifstreit bei der Lufthansa könnten die Flugbegleiter nach eigener Darstellung jederzeit in den Warnstreik treten. Aktionen seien schon in dieser Woche möglich, sagte Joachim Müller, Leiter der Tarifpolitik bei der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO). Er bestätigte damit in Teilen einen Vorabbericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe).

In dem Streit gibt es weiter kein Zeichen für neue Verhandlungen, die am Freitag abgebrochen wurden. Die Vorstellungen von Konzern und Gewerkschaft liegen weit auseinander: Die Lufthansa bietet nach eigenen Angaben ein Volumen von 6,1 Prozent für zwölf Monate zuzüglich einer Ergebnisbeteiligung für 2009 bis zu drei Prozent. Die UFO fordert ein Paket mit einem Gesamtvolumen von 15 Prozent. Um den Druck auf die Lufthansa zu erhöhen, will die UFO Ausstände kurzfristig ankündigen, so dass kein Ersatz für das Kabinenpersonal gefunden werden kann. Aus Sicherheitsgründen ist die Anwesenheit von Flugbegleitern für die meisten Passagierlinienflüge vorgeschrieben.

Müller sagte, die Gewerkschaft habe inzwischen einen Organisationsgrad von deutlich mehr als 70 Prozent. In einer Mitteilung forderte die UFO Flugbegleiter dazu auf, sich bei einem Aufruf zu einem Warnstreik an dem Ausstand zu beteiligen. Das Streikrecht haben nicht Mitglieder von UFO, sondern auch die der Konkurrenzgewerkschaft ver.di und nichtorganisierte Stewardessen. Sie sollen sich aber nicht beteiligen, wenn sie sich im Ausland oder im Einsatz an Bord befinden. Die Lufthansa soll bereits Gegenmaßnahmen vorbereiten, mehr Mitarbeiter sind in Bereitschaft. Zudem sollen beim Konkurrenten Air Berlin Ersatzcrews rekrutiert werden.

Arbeitskampf auch in Italien

Beim Lufthansa-Konkurrenten Alitalia gab es unterdessen eine Woche der wiedergeborenen Fluglinie heute schon den ersten Streik. Eine Gewerkschaft von Flugbegleitern, Bodenpersonal und Piloten rief aus Unzufriedenheit mit der Personalpolitik des Unternehmens zu einem vierstündigen Ausstand auf. Alitalia erklärte, vor Beginn des Streiks der Gewerkschaft SDL seien keine Flüge gestrichen worden. Die staatliche Fluggesellschaft ging nach anhaltenden Verlusten bankrott und wurde 2008 von einer Investorengruppe übernommen, verkleinert und mit der zweitgrößten italienischen Fluggesellschaft Air One fusioniert. Streiks trugen in den 62 Jahren der alten Alitalia wesentlich zum Niedergang bei. Beim Start der neuen Gesellschaft, die weiter unter altem Namen und Logo firmiert, versprach Vorstandschef Rocco Sabelli ein Ende der Einflussnahme von Politik und Gewerkschaften.

AP / AP

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