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Reiserecht: Airline darf Flug nicht verweigern

Reisende dürfen einen gebuchten Flug auch dann antreten, wenn sie beim Check-in ihre zum Ticketkauf genutzte Kreditkarte nicht vorzeigen können. Dies entschied das Landgericht Frankfurt. Mit dem Urteil werden die Verbraucherrechte gestärkt.

Eine fehlende Kreditkarte beim Einchecken ist für eine Airline laut einem Gerichtsurteil kein Grund, einen Passagier auf dem Flughafen stehen zu lassen. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat entsprechende Geschäftsbedingungen der Fluglinie Iberia beanstandet und vom Landgericht Frankfurt am Main Recht bekommen. Die Richter hielten die strikte Klausel für rechtswidrig und sprachen der betroffenen Kundin Schadenersatz zu.

Die Frau, die den Flug übers Internet gebucht hatte, konnte die erforderliche Kreditkarte demnach nicht vorlegen und musste gegen Gebühr auf eine viel spätere Maschine umbuchen. Dabei hatte die Kundin die Karte laut vzbv nicht vergessen. Sie sei vielmehr zuvor von ihrer Bank aufgefordert worden, die Karte aus Sicherheitsgründen auszutauschen. Beim Einchecken am Schalter konnte sie das Plastik-Zahlungsmittel dann nicht vorlegen, obwohl dies in den Geschäftsbedingungen vorgeschrieben war.

Beförderung mit zwei Tagen Verspätung

Selbst die von ihr vorgelegte Kreditkartenabrechnung habe die Airline nicht umstimmen können. Die Folge: Die Kundin blieb auf ihren Koffern sitzen und musste gegen eine Gebühr von 50 Euro auf eine andere Maschine zwei Tage später umbuchen.

Dies ging nach Ansicht des Landgerichts zu weit: Eine Kreditkarte sei ein Zahlungsmittel und kein für den Flug wichtiges Reisedokument, urteilten die Richter. Wer unverschuldet seine Karte nicht dabei hat, darf am Flughafen nicht stehen gelassen werden. Die Frankfurter Richter verurteilten Iberia nun zu Schadenersatz und verboten der Fluggesellschaft unter Androhung eines Ordnungsgeldes von 250.000 Euro die weitere Verwendung der umstrittenen Klausel (Az. 2-24 O 142/10). Das Urteil ist der Verbraucherzentrale zufolge noch nicht rechtskräftig. Die spanische Fluggesellschaft Iberia äußerte sich auf Anfrage nicht zu der Entscheidung.

tib/DPA/AFP / DPA

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