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Kuriositäten im Kleingedruckten AGB zugestimmt - und zack, ist die Seele weg

In den AGB verbergen sich häufig Stolpersteine, manchmal aber auch kuriose Passagen.
In den AGB verbergen sich häufig Stolpersteine, manchmal aber auch kuriose Passagen.
© Colourbox.de
Scrollen, Häkchen setzen, weiter geht's: Kaum jemand liest die AGB. Dabei übersieht man manchmal nicht nur wichtige Hinweise, sondern echte Lacher. Eine Auswahl der kuriosesten Nutzungsbedingungen.
Von Christoph Fröhlich

Es ist die wohl größte Lüge im Netz: "Ich habe die Allgemeinen Geschäftsbedingungen gelesen und akzeptiert." Denn statistisch gesehen überfliegt jeder Mensch ein 3000 Wörter langes Vertrags-Epos in gerade einmal 1,5 Sekunden, wie der britische Professor und Computerwissenschaftler Tom Rodden herausgefunden hat. Zum Vergleich: So lange dauern drei Lidschläge.

Kein Wunder, denn AGB gibt es im Internet an jeder Ecke. Egal ob man ein Programm aktualisiert, sich bei einem E-Mail-Dienst anmeldet oder auf iTunes einen Song kauft - stets heißt es: Scrollen, Häkchen setzen, weiter geht's. Würde man alle Geschäftsbedingungen tatsächlich vollständig lesen, müsste jeder Mensch rechnerisch rund drei Monate im Jahr nichts anderes tun.

Dabei würde einem manche üble Überraschung erspart bleiben, wenn man die langen Vertragswälzer zumindest überfliegen würde. So steht seit 2012 in den Nutzungsbedingungen von Samsung, dass Smart TVs im Wohnzimmer mitlauschen können - doch erst jetzt sorgten die entsprechenden Passagen für Wirbel.

Tausche Wlan gegen Kind

Wie sorglos viele Menschen mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen umgehen, zeigte kürzlich das Sicherheitsunternehmen F-Secure mit einem bemerkenswerten Experiment. Es bot einen Gratis-Wlan-Hotspot in einem Café an, schmuggelte aber einige nicht unbedingt gängige Passagen in das Kleingedruckte. Darin hieß es: "Mit der Benutzung dieses Dienstes willigen Sie ein, Ihr erstgeborenes Kind F-Secure zu überlassen. Zeitpunkt und Nutzungsart werden vom Unternehmen festgelegt. Falls keine Kinder produziert werden, wird stattdessen Ihr Haustier genommen. Diese Bestimmungen gelten für die Ewigkeit." Und tatsächlich: Sechs Menschen haben zugestimmt, berichtet der "Guardian".

Ähnlich kurios war der Fall eines britischen Spielehändlers: Versteckt in den AGB forderte das Unternehmen von seinen Kunden, die am 1. April 2010 in dem Online-Shop einkauften, die Abtretung ihrer Seele. 90 Prozent der Kunden stimmten den Vertragsbedingungen ungelesen zu, die Firma sicherte sich so knapp 7500 Seelen.

Keine braunen M&Ms

Legendär ist eine Anekdote der Rockband Van Halen: Weil die Band in den 80ern mit extrem komplizierter, teurer Technik tourte, wollte die Gruppe sicherstellen, dass die am Bühnenaufbau beteiligten Techniker die Verträge genau lesen. Als kleinen Test baute die Band in der telefonbuchdicken Anleitung deshalb einen kleinen Stolperstein ein: "Es wird keine braunen M&Ms in der gesamten Backstage-Area geben, andererseits wird die Show abgeblasen und die Band erhält eine volle Kompensation."

Und es kam, wie es kommen musste: Bei einem Konzert in New Mexico entdeckte Van-Halen-Frontmann David Lee Roth backstage eine Schale mit braunen M&Ms. Aus Wut zerstörte der Rockstar die Umkleidekabine und richtete Schäden im Wert von 200 US-Dollar an. Richtig teuer wurde es für den Veranstalter aber, weil die Techniker wie erwartet die Anlage nicht richtig aufgebaut haben: In der brandneuen Arena sank die Bühne fast 20 Zentimeter tief in den neuen Boden ein. Gesamtschaden: 470.000 Dollar.


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