Tauwetter setzt ein Jetzt geht es dem Schnee an den Kragen

Nach sieben Woche Kälte steigen die Temperaturen in den kommenden Tagen über den Gefrierpunkt. Zeit für Frühlingsgefühle sei noch nicht, bremst der Deutsche Wetterdienst die Euphorie. Zumal mit Schneeregen und Regen die Straßen wieder zu Rutschbahnen werden können.

Deutschland liegt zurzeit unter rund 21,6 Milliarden Tonnen Schnee. In Wasser umgerechnet, entspreche diese Menge der Hälfte des Bodensees, sagte Uwe Kirsche vom Deutschen Wettedienst (DWD) in Offenbach. Im Schnitt lagen nach Berechnungen der Meteorologen am Montag 60 Kilogramm Schnee auf jedem Quadratmeter, in den Mittelgebirgen waren es deutlich mehr. Inzwischen weist die Schneedecke einige Lücken auf, aber es taut nur sehr langsam. Bis Donnerstag werde nach der Prognose sogar noch 1,6 Kilo Schnee pro Quadratmeter hinzukommen - "das sind noch einmal 570 Millionen Tonnen", sagte Kirsche.

1700 über ganz Deutschland verteilte DWD-Messstationen sammeln Schnee-Daten für das sogenannte Snow-Modell. Alle sechs Stunden werden die Werte aktualisiert. Die Experten errechnen aus den Daten Informationen für die Hochwasserzentralen, die damit künftige Pegelstände berechnen können.

Streudienst in NRW eingestellt

Zwar sei Deutschland inzwischen nicht mehr komplett von Schnee bedeckt, aber die Lücken seien relativ klein, sagte Kirsche. Nach wie vor türmt sich vor allem im Nordosten viel Schnee: In Greifswald liegt ein halber Meter, im bayerischen Oberstdorf sind es nur 39 Zentimeter. In Magdeburg liegen 20, in Kiel 42 und in Aachen 14 Zentimeter, auf dem Brocken im Harz 1,58 Meter.

Der Salzmangel auf deutschen Straßen wird unterdessen immer dramatischer. Vor allem in Nordrhein-Westfalen mussten mehrere Straßenmeistereien in den vergangenen Tagen vorübergehend den Streudienst einstellen, weil ihnen Salz fehlte. In diesem Winter hat sich der Verbrauch an Streusalz zwischen Rhein und Weser bereits mehr als verdoppelt. Bislang seien rund 250.000 Tonnen Salz gestreut worden, im harten Winter 2008/09 waren es nur 200.000 Tonnen, in durchschnittlichen Wintern sogar nur rund 120.000 Tonnen.

"Es wird milder, aber nicht besser"

Auch wenn die Narren sich bemüht haben, den Winter konnten sie nicht vertreiben. Der Frühling ist noch lange nicht in Sicht. Immerhin gibt es ein paar zaghafte Vorboten: Im Südwesten seien die ersten blühenden Haselsträucher zu sehen, berichtete der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Mittwoch in Offenbach. Für Allergiker beginnt damit die Saison. Blauen Himmel, der am Mittwoch fast überall zu sehen war, gibt es allerdings in den nächsten Tagen kaum noch. "Nasskaltes Schmuddelwetter mit leichten Nachtfrösten" prognostizierte DWD-Meteorologe Thomas Ruppert. "Es wird zwar milder, aber nicht besser."

Mit südlichen Winden bringt Tief "Susanne" wärmere Luft nach Deutschland, tagsüber erreichen die Temperaturen bis zu fünf Grad plus. Damit setzt spätestens ab Donnerstag fast überall Tauwetter ein. Der Sonnenschein vom Mittwoch war nur ein kurzes Zwischenspiel, denn von Südwesten ziehen Wolken auf und überqueren Deutschland Richtung Nordosten. Niederschläge können als Schnee, Schneeregen oder Regen fallen. Trifft Regen auf den gefrorenen Boden, bildet sich rasch gefährliches Glatteis.

In der Nacht zum Donnerstag muss in der Westhälfte mit Glatteis gerechnet werden; im Norden fällt Schnee. Tagsüber überwiegt starke Bewölkung mit zeitweiligen Niederschlägen. Weil "Susanne" zwar viele Wolken, aber wenig Niederschläge im Gepäck hat, ist die Gefahr von Hochwasser aber zunächst gering.

Auch am Freitag bleibt es trüb. Von Südwesten her ziehen Niederschläge über Deutschland hinweg, zum Teil Regen, zum Teil Schnee. Tagsüber können die Temperaturen auf 6 Grad steigen, in der Nacht gehen sie dann wieder in Minusbereiche zurück. An diesem trüben Schmuddelwetter ändert sich auch in den folgenden Tagen nicht viel, wie aus der mittelfristigen Vorhersage hervorgeht: Temperaturen tagsüber leicht über dem Gefrierpunkt, Nachtfrost, Niederschläge und als Folge Glatteis.

Februar war bislang viel zu kalt

Bislang war der Februar in diesem Jahr viel zu kalt und viel zu grau, wie der DWD erklärte. Mit einer Durchschnittstemperatur von minus 2,7 Grad wurde das langjährige Mittel in der ersten Monatshälfte um 3 Grad unterboten. Der Januar war insgesamt sogar um 3,2 Grad zu kalt. Die Sonne machte sich bisher rar. Den absoluten Minuswert registrierten die Meteorologen in Neuhütten im Spessart mit bislang nur zwölf Minuten Sonnenschein. Im gesamten Februar lässt sie sich sonst dort durchschnittlich an 66 Stunden sehen. Fast ganz Deutschland lag laut Wetterdienst dauerhaft unter einer Schneedecke, wobei einige Regionen Rekordwerte verzeichneten. Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern übertraf am 14. Februar mit 63 Zentimetern den bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 1979 um fünf Zentimeter. Schnee satt gab es aber auch in den Mittelgebirgen. Am bislang mildesten war es am 4. Februar mit Temperaturen bis zu elf Grad in Südbaden. Der kälteste Tag war laut DWD der 9. Februar, als an der Spree die Temperaturen auf minus 20 Grad fielen.

DPA/APN DPA

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