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Winter in Deutschland: Schnee behindert Flugverkehr

Nach dem Schnee- und Eischaos in der Nacht kehrt am Frankfurter Flughafen langsam wieder Normalität ein. In Berlin-Tegel bringt Blitzeis den Flugplan durcheinander.

Auf dem Frankfurter Flughafen werden die Hilfskräfte der Schnee- und Eismassen langsam Herr. Mehr als 300 Mitarbeiter sind damit beschäftigt, die drei Start- und Landebahnen frei zu halten. Dagegen musste der Airport Berlin-Tegel am Morgen wegen Blitzeis für eine Stunde geschlossen werden. 13 ankommende Flüge seien über die Mittagszeit zum zweiten Berliner Flughafen Schönefeld umgeleitet worden, sagte der Sprecher Leif Erichsen. Auch Starts hätten in Tegel nicht stattfinden können. Mit Verzögerungen müsse daher den restlichen Tag über gerechnet werden.

In Frankfurt mussten mehr als 3000 Passagiere die Nacht auf dem Flughafen verbringen. Weitere 5000 Flugreisende wurden in umliegenden Hotels untergebracht, wie ein Sprecher des Flughafen-Betreibers Fraport sagte. Alle Start- und Landebahnen des größten deutschen Airports waren am Abend wegen Glätte gesperrt worden. Vier Stunden lang konnten wegen überfrierender Nässe keine Maschinen starten oder landen. Am Morgen berichten Passagiere in Frankfurt von chaotischen Zustände und langen Warteschlangen. Übernächtigte Gesichter, viele Menschen sitzen auf ihren Gepäckstücken, manche haben die Schuhe ausgezogen. Und immer wieder telefonieren Menschen mit ihren Angehörigen und Freunden per Handy, können aber nur ihre Ratlosigkeit kundtun.

"Gestern fand ich das noch sehr geordnet. Der Ablauf war gut. Wir konnten mit Taxis ins Hotel", berichtete etwa Dorothee Schäfle, die seit 20 Jahren in Frankreich lebt, von ihren Erfahrungen am Montag. Doch: "Der Ablauf heute ist absolut chaotisch. Das Umbuchen läuft überhaupt nicht. Hier weiß niemand Bescheid. Weder wir, noch das Servicepersonal", sagt sie, während sie in einer langen Schlange wartet. "Fürs Vorrücken von zehn Metern in der Schlange hier haben wir eineinhalb Stunden gebraucht."

Sperrung um 22.44 Uhr

Fraport rechnet am Dienstag den ganzen Tag mit weiteren Behinderungen. Fluggästen wird dringend empfohlen, vor Aufbruch zum Flughafen ihre Gesellschaft zu kontaktieren. Bis zum Vormittag mussten 120 Flüge gestrichen werden. Normalerweise werden täglich etwa 1.300 abgewickelt. Die Probleme würden sich über den ganzen Tag hinziehen, auch wenn die Start- und Landebahnen wieder freigegeben seien, sagte der Flughafen-Sprecher. Betroffen seien Ziele in der ganzen Welt. Auch die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa rechnet mit weiteren Verzögerungen. Sie hatte am Montag rund 250 Flüge gestrichen.

Der Verkehrsleiter hatte Deutschlands größten Flughafen um 22.44 Uhr wegen Schneeglätte auf den Start- und Landebahnen "bis auf weiteres" komplett geschlossen. Dadurch fielen insgesamt 90 Starts und Landungen aus. Räumfahrzeuge waren die ganze Nacht im Einsatz. Kurz vor 3 Uhr wurde eine Start- und Landebahn wieder freigegeben, kurz nach 4 Uhr eine Startbahn. Die Freigabe der dritten Bahn erfolgte schließlich um 6 Uhr.

Behinderungen auch in Großbritannien

Auch in Großbritannien haben Eis und Schnee zu massiven Verkehrsbehinderungen geführt. Die Fluggesellschaft British Airways sagte am Montagabend alle nach 20 Uhr geplanten Inlands- und Europaflüge vom Flughafen Heathrow ab, Europas größtem Airport. Auch in Gatwick, wo stündlich rund 50 Flüge starten und landen, ging zeitweise gar nichts mehr. Fünf Stunden lang wurde die einzige Start- und Landebahn wegen Enteisungsarbeiten gesperrt. Die Betreibergesellschaft warnte, dass auch weiterhin mit Behinderungen zu rechnen sein werde. Auf dem Flughafen Luton ruhte der Flugverkehr bis zum Montagabend ebenfalls komplett.

Unterdessen fährt nach dreitägigem wetterbedingten Stillstand der Eurostar seit Dienstagmorgen wieder durch den Ärmelkanaltunnel. Der erste Zug verließ den Pariser Gare du Nord kurz nach 8 Uhr mit 750 Fahrgästen, von denen die meisten seit Tagen festgesessen hatten. Ersten Erkenntnissen zufolge war die klirrende Kälte in Frankreich für das Eurostar-Desaster verantwortlich. Das Unternehmen erklärte, als Ursache der Störung sei ungewöhnlich trockener Puderschnee festgestellt worden, der die Triebwagen lahmgelegt habe. Mehrere Züge waren in der Nacht zum Samstag im Tunnel stehen geblieben, mehr als 2000 Fahrgäste steckten stundenlang fest. Der Betrieb der Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Frankreich und Großbritannien wird in den Tagen bis Weihnachten noch eingeschränkt sein.

Ramsauer appeliert an Winterreifen-Muffel

Auf den Straßen kam es am Morgen erneut zu Glätteunfällen: Nachdem mehrere Lastwagen ineinander gefahren waren, musste die Autobahn 45 in Mittelhessen in Richtung Süden voll gesperrt werden. Auch aus Bayern wurden nach Unfällen Sperrungen gemeldet. In der Region Hannover verunglückte am Abend eine 28-jährige Frau tödlich. Sie war nach Polizeiangaben mit ihrem Wagen auf schneebedeckter Fahrbahn ins Schleudern geraten und gegen einen Baum geprallt.

Nach wie vor wird vor Glätte durch Schneefall oder gefrierenden Regen auf deutschen Straßen gewarnt. Besonders betroffen sind laut Deutschem Wetterdienst Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Bayern.

Am Montag mussten die Pannenhelfer des ADAC so häufig ausrücken wie nie zuvor. Die "Gelben Engel" waren 28.654 Mal in Einsatz. Alle drei Sekunden ging ein Notruf ein. 90 Prozent der Einsätze gingen auf Startprobleme zurück. Meist waren laut ADAC entladene oder kaputte Batterien schuld. Gerade ältere Akkus ab vier Jahren gäben bei Minusgraden schnell auf, warnte der Verkehrsclub. Sie sollten deswegen regelmäßig überprüft werden. Außerdem sollten Autofahrer sicherstellen, dass der Frostschutz für Kühler und Scheibenwaschanlage ausreicht.

DPA/APD / DPA

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