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Winterchaos: Daisy zieht ab, der Norden räumt auf

Aufatmen - aber noch keine Entwarnung: Nach dem Winterchaos vom Wochenende entspannt sich die Lage langsam. Es fällt kaum noch Schnee, alle Deiche an den Küsten haben gehalten.

Nach dem Sturmtief "Daisy" hat sich die Lage auf Deutschlands Straßen und Flughäfen etwas entspannt. Im Landkreis Ostvorpommern wurde in der Nacht der Katastrophenalarm aufgehoben. Es falle zwar noch immer Schnee, aber die Situation auf den Straßen habe sich beruhigt, sagte ein Sprecher im Schweriner Innenministerium.

In Mecklenburg-Vorpommern war die am Wochenende komplett blockierte Autobahn 20 am Montag bei Greifswald in Fahrtrichtung Norden weiterhin unpassierbar. Die übrigen Straßen waren einer Sprecherin des Schweriner Innenministeriums zufolge "größtenteils befahrbar".

Auch auf mehreren Landes- und Bundesstraßen auf dem schleswig-holsteinischen Festland kam es laut Polizei am Montag gelegentlich noch zu Schneeverwehungen und Sperrungen. Zusätzlich sorgten eisglatte Fahrbahnen im Berufsverkehr für Probleme, unter anderem auf den Autobahnen A1 und A20. "Dort ist äußerste Vorsicht angebracht", sagte eine Sprecherin der Landespolizei in Kiel. Insgesamt habe sich die Lage in Schleswig-Holstein aber klar beruhigt.

Die Deiche auf Fehmarn halten

Vor allem auf der besonders betroffenen Ostseeinsel Fehmarn kämpften die Einsatzkräfte auch am frühen Montagmorgen noch gegen die Schneemassen und ihre Folgen. Vorrangiges Ziel sei, die Straßen der Insel für die Rettungsdienste frei zu machen, sagte der Bürgermeister von Fehmarn, Otto-Uwe Schmiedt. Am frühen Nachmittag waren schließlich alle 42 Ortschaften wieder erreichbar. 25 Räumfahrzeuge waren die Nacht hindurch auf der Insel im Einsatz gewesen.

In der Nacht hob der Deutsche Wetterdienst in Hamburg alle Unwetterwarnungen auf, warnte für das östliche Schleswig-Holstein allerdings vor Glätte und Schneeverwehungen.

"Wir haben eine Entwicklung zum Positiven, es fällt kein Schnee mehr, und auch die Pegelstände gehen zurück", sagte in der Nacht zum Montag ein Polizeisprecher in Lübeck. Glätteunfälle registrierte die Polizei in ganz Deutschland kaum noch.

Entwarnung gab es schon am späten Sonntagabend für die Deiche an der Südküste Fehmarns und in Dahmeshöved auf dem ostholsteinischen Festland. Bis in die Nacht hinein hatten Helfer die von der Sturmflut aus östlichen Richtungen angenagten Deiche mit Sandsäcken und Steinen repariert.

In vielen Schulen im Norden fällt der Unterricht aus

Um die Schüler nicht zu gefährden, fällt am heutigen Montag wegen der Schnee- und Unwetterkatastrophe in allen Schulen in Mecklenburg-Vorpommern der reguläre Unterricht aus. Betroffen sind auch Berufsschulen und Schulen in freier Trägerschaft. Unabhängig davon sollen aber alle Schulen geöffnet sein: Die Schulleiter sind angewiesen, während der geplanten Unterrichtszeiten die Betreuung der anwesenden Schüler zu organisieren. Auch in den schleswig-holsteinischen Landkreisen Rendsburg-Eckernförde, Bad Segeberg, Plön und Ostholstein fällt die Schule aus.

Probleme im Flug- und Bahnverkehr

Auf Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt am Main mussten sich die Passagiere wegen des Schnees auch am Montag auf Flugausfälle und Verspätungen einstellen. Bis zum frühen Vormittag wurden in Frankfurt zudem 15 Flüge gestrichen. "Wir rechnen hier aber nicht mit wesentlich höheren Zahlen", sagte der Sprecher. Alle Start- und Landebahnen seien in Betrieb. Die Lage habe sich zwar normalisiert, trotzdem stünden einige Annullierungen und Verzögerungen an. Flüge von London nach Frankfurt werden demnach ausfallen. Außerdem würden Maschinen nach Madrid und Warschau nicht starten. Andere Abflüge verspäteten sich leicht. Auch in Hamburg gab es vereinzelt Ausfälle und Verspätungen. Von den heftigen Schneefällen war die Hansestadt weitgehend verschont geblieben. Insgesamt waren am Wochenende weniger als 20 Flüge ausgefallen. Der Flughafen sprach daher von "normalem Winterbetrieb".

Reisende der Intercity-Linie Berlin-Greifswald-Stralsund sowie der Regionalexpress-Linie 3 nach Stralsund müssten mit Behinderungen rechnen, sagte Bahnsprecher Burkhard Ahlert in Berlin. Die Strecke zwischen Stralsund und Pasewalk sei wegen Schneeverwehungen gesperrt. Der Intercity werde über Rostock umgeleitet. Es könne zu Verspätungen von bis zu zwei Stunden kommen.

Flugpassagiere campieren auf Feldbetten

Am Wochenende hatte es wegen des Sturmtiefs massive Behinderungen gegeben. Neuschnee, Eis und extremer Wind sorgten in weiten Teilen Deutschlands für massive Verkehrsprobleme. Mehrere Autobahnen und Bundesstraßen mussten gesperrt werden, einige Fähren stellten ihren Betrieb ein. Zugverspätungen und -ausfälle gab es den ganzen Tag über in vielen Teilen Deutschlands. In Nordrhein-Westfalen ereigneten sich mehr als 1000 Verkehrsunfälle, dort starben zwei Menschen.

Die Räumdienste konnten im Norden nur mit Mühe Autobahnen sowie andere Hauptverkehrsstraßen freihalten. Die A 20 zwischen Bad Segeberg und Lübeck wurde auf 20 Kilometer gesperrt. Schneewehen und umgestürzte Bäume blockierten Straßen auch in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Auf Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt fielen bis Sonntagnachmittag rund 320 Flüge aus. Etwa 60.000 Fluggäste waren betroffen. Rund 100 Passagiere campierten im Airport auf Feldbetten, Tausende Fluggäste schliefen in Hotels.

Bundesweit wurden Bahnstrecken gesperrt und Züge verspäteten sich. Schneeverwehungen hätten viele Weichen gestört und einzelne Strecken unpassierbar gemacht, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Bahn-Vorstand Ulrich Homburg entschuldigte sich in der "Bild am Sonntag" bei den Fahrgästen: "Wir sind und bleiben ein Verkehrsmittel für jedes Wetter. Aber gerade Eisregen ist ein seltenes Ereignis, für das es keine Abhilfe gibt."

Winter wird zur Belastung für die Wirtschaft

Nicht nur die Bahn, auch andere deutsche Unternehmen haben mit dem strengen Winter gehörige Probleme. "Die kalte Witterung kann uns den Einstieg ins Wachstumsjahr 2010 gehörig verhageln", zitierte die "Bild"-Zeitung Volker Treier, den Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Kälte und Schnee legten derzeit die Bautätigkeiten auf Eis. Dies treffe neben den Bauunternehmen selbst eine Vielzahl von Branchen wie die Zulieferer von Baustoffen und Maschinen, den Gerüstbau, die Dachdecker, aber auch den Handel mit Innenausstattungen. "Wenn sich das Wetter nicht bald ändert, dann verlieren wir im ersten Quartal rund zwei Milliarden Euro Wertschöpfung am Bau", sagte Treier. Umgerechnet seien das rund 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach soll Tief "Daisy" an diesem Montag in Richtung Mittelmeer abziehen. Dann folge eine neue Kältewelle und lasse die Schneedecke festfrieren.

DPA/AFP/APN / DPA

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