"Mad Max" Mosley Sex-Video darf wieder gezeigt werden


In seinem Kampf gegen drohenden Amtsverlust und die Zeitung "News of the world" hat Max Mosley einen weiteren Tiefschlag kassiert: Das Video seiner Orgie darf in einer Kurzfassung wieder gezeigt werden. Anfang Juni wird die Fia über das Schicksal ihres Präsidenten entscheiden.

Die Würfel über die Zukunft des gehörig in die Kritik geratenen Max Mosley als Chef des Automobil-Weltverbandes Fia fallen am 3. Juni in Paris. Knapp anderthalb Wochen nach dem Großen Preis der Formel 1 im Zockerparadies Monte Carlo soll die Vertrauensfrage bei der vom 67-Jährigen selbst gewünschten außerordentlichen Generalversammlung gestellt werden. Das Votum werde geheim durchgeführt, gab die Fia am Mittwoch bekannt. Angesichts scharfer Kritik von Automobilverbänden weltweit sowie von Formel-1-Herstellern ist der Verbleib des Briten an der Spitze der Dachorganisation äußerst fraglich.

Bei seinem Kampf gegen den drohenden Amtsverlust und die Zeitung "News of the world" kassierte Mosley, dessen Amtszeit eigentlich noch bis Herbst 2009 läuft, zwei Rückschläge. Erst wurde bekannt, dass der neuseeländische Automobilclub Mosley für eine Veranstaltung im Sommer wieder ausgeladen hat.

Der zuständige Richter des englischen High Court lehnte sein Gesuch mit der Begründung ab, dass es zum jetzigen Zeitpunkt lediglich einer zwecklosen Geste gleichkomme. Er sei allerdings auch mit einigem Widerwillen zu diesem Beschluss gekommen, erklärte der Richter.

Video steht wieder auf Internetseite

Nach Aussagen des Richters, die der britische Sender BBC zitierte, war das Kurzvideo allein am Tag der Veröffentlichung und einen Tag darauf (30. und 31. März) 1 424 959 Mal angeschaut worden. Die "News of the World", die mit ihrem Bericht den Skandal publik gemacht hatte, stellte das Kurzvideo am Mittwoch wieder auf ihre Seite.

Mosley hat seine Beteiligung an den sexuellen Handlungen in einer Wohnung im Londoner Stadtteil Chelsea mit fünf Prostituierten eingeräumt.

Laut einer Pressemitteilung der Anwaltskanzlei, die Mosley vertritt, fühlt sich der Brite durch Aussagen des Richters am Mittwoch bestärkt. Auf der Basis des von ihm eingesehenen Materials gebe es nach Ansicht des Richters nur dünne Belege für die Vorwürfe der Zeitung, hieß es in der Mitteilung. Unklar ist jedoch, wieviel der Richter von dem insgesamt fünfstündigen Video gesehen hat. Auch wolle er der ausstehenden Verhandlung nicht vorgreifen.

Die Kanzlei kündigte derweil an, dass Mosley seine rechtlichen Schritte gegen die News Group Newspapers Limited energisch verfolgen werde. Der Fia-Chef wolle eventuelle Schadensersatzzahlungen der Fia-Foundation spenden, hieß es bereits.

Mosley will Fia-Boss bleiben

Denn auch wenn sich immer mehr Hersteller und Verbände von dem Briten abwenden, ist Mosley gewillt, sein Amt weiter auszuüben. "Je mehr Leute wollen, dass er geht, umso entschlossener wird er sein, nicht zu gehen", zitierte die Londoner "Times" am Dienstag einen Freund des Briten. Wann es zu der von Mosley selbst gewünschten Krisensitzung kommt, in der er alle 222 Fia-Mitgliedsverbände über die seiner Meinung nach entstandenen Missverständnisse aufklären will, ist indes weiter offen. Die Fia konnte am Mittwoch auf Anfrage noch keinen Zeitpunkt nennen. Die außerordentliche Generalversammlung wird bedingt durch Fia-Statuten nicht vor Mitte Mai möglich sein.

Allerdings dürfte es Mosley schwer haben, seine Gegner zu überzeugen und einen Verbleib im Amt zu erreichen. Auch der Verband Neuseelands stellte sich am Mittwoch gegen den Fia-Chef. Mosley werde nicht wie vorgesehen an einer Veranstaltung im Sommer teilnehmen, sagte Verbandssprecher Greg Hunting im neuseeländischen Radio. "Ich habe ihm Ende der vergangenen Woche geschrieben, dass es nicht möglich sei unter den gegebenen Umständen", sagte Hunting. Am selben Tag habe er von Mosley ein Schreiben bekommen, in dem er mit Bedauern mitgeteilt habe, nicht zu der Veranstaltung kommen zu können.

Zuvor hatten bereits der deutsche ADAC sowie die Clubs aus den USA, Kanada, den Niederlanden und Österreich Mosley mehr oder weniger einen Rücktritt nahegelegt. Die in der Formel 1 engagierten deutschen Automobilhersteller BMW und Mercedes hatten den Inhalt des Sex-Videos scharf verurteilt. Deutliche Kritik gab es auch von Honda und Toyota sowie von ehemaligen Formel-1-Weltmeistern.

Jens Marx und Christian Hollmann/DPA DPA

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