HOME

Internationaler Automobilverband: Zeit für einen echten Wechsel

Der Internationale Automobilverband Fia hat seinem scheidenden Präsidenten Max Mosley viel zu verdanken. Allerdings ist der Mann auch ein Beispiel dafür, dass niemand zu lange an der Macht bleiben sollte. Die Fia braucht einen Wechsel. Aber nur einer der beiden Nachfolge-Kandidaten steht für Erneuerung.

Ein Kommentar von Juha Päätalo

Wenn sich der Internationale Automobilverband Fia am Freitag zur Generalversammlung in Paris trifft, um den Nachfolger für den scheidenden Präsidenten Max Mosley zu wählen, geht es um mehr als eine Person. Es geht um zwei echte Alternativen. Der Ex-Ferrari Teamchef Jean Todt (63) aus Frankreich steht für die bisherige Mosley-Politik, der Ex-Rallye-Weltmeister und Ex-Europarlamentarier Ari Vatanen (57) aus Finnland für einen Neubeginn in Sachen Demokratie und Transparenz. Todt gilt als Favorit, aber Vatanen dürfte besonders nach den verbalen Entgleisungen von Mosley nun mehr als nur Außenseiterchancen haben. Der Wahlkampf ist außergewöhnlich hitzig geführt worden und artete oft in eine Schlammschlacht aus. Dabei hatte man häufig den Eindruck, als stünden nicht Vatanen und Todt, sondern Vatanen und Mosley als Gegner da. Mosley hat mit allen Mitteln versucht, seinen Favoriten Todt durchzudrücken. Genau so, wie der 69-jährige Brite in seiner Ära als Fia-Präsident alle anderen Entscheidungen mit diktatorisch angehauchten Methoden durchgeboxt hat.

Die Ära Mosley wird in die Geschichte gehen als eine Zeit bahnbrechender Verbesserungen in der Sicherheit, nicht nur im Motorsport, sondern auch im Straßenverkehr. Dafür soll Mosley auch Lob ernten. Aber Mosley ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass kein Mensch eine Machtposition zu lange innehaben sollte.

Beweise lieferte Mosley selbst

Die Beweise, dass es Zeit für einen Wechsel ist, liefert Mosley selbst. Die Art und Weise, wie er sich in den Wahlkampf eingemischt hat, ist geschmacklos und erinnert in der Tat an Diktaturen - insbesondere sein Brief an den jordanischen Prinz Feisal, der im Kabinett von Vatanen vertreten ist. Darin sagte Mosley eine bittere Niederlage Vatanens voraus, beschuldigte ihn, Lügen verbreitet zu haben. Zudem warnte er alle Fia-Mitgliederorganisationen, Vatanen gefährde die konstruktive Mitarbeit in der Zukunft. Diese Worte hat nicht nur Vatanen als versuchte Erpressung verstanden.

Ähnlich parteiisch war der Appell der Fia am vergangenen Freitag, als die Fia beide Kandidaen dazu anregte, im Wahlkampf fair zu bleiben. Aber die Fia hat ihren eigenen Wunsch dadurch selber gebrochen, dass dem Appell zwei Briefe angehängt waren, einer von Vatanen an Mosley, und die Antwort von Mosley darauf. Gegenüberstellung von Briefen war schon immer Mosleys bewährte Methode, seine Gegner blosszustellen.

Todt kann einem fast leid tun

Jean Todt kann einem fast leid tun. Er hat eine beeindruckende Karriere als Manager im Motorsport - sowohl bei Peugeot als auch bei Ferrari. Er ist mit Sicherheit fähig, auch eine Organisation wie die Fia zu leiten. Aber nun steht er wie ein Maskottchen von Mosley da, weil er nicht rechtzeitig verstanden hat, sich von seinem umstrittenen Gönner zu distanzieren. Selbst wenn er gewählt wird, wimmelt es in seinem Kabinett von Mosleys Vertrauten. Er wird es schwer haben, sich sein eigenes Profil zu erarbeiten. Dass Bernie Ecclestone, Michael Schumacher und sogar der Fußballstar Pelé ihn unterstützen, schwächen seine Position sogar, weil er selber so unsichtbar im Wahlkampf geblieben ist, dass die Unterstützung als fehlende eigene Stärke beim Publikum ankommt.

Ari Vatanen, der mit dem an Obama angelehnten Slogan "together we can" antritt und vom frischen Wind spricht, ist weitaus unbekannter als Todt. An seinen Fähigkeiten gibt es noch mehrere Fragezeichen. Der Finne hat nie eine internationale Organisation geleitet. Seine Äußerung während des EU-Wahlkampfes im Mai, der Mensch sei nicht schuld an dem Klimawandel, passt auch nicht gerade in eine moderne automobile Zukunft. Doch daraus hat er gelernt und plädiert nun für grünere Autos. Vor allem aber steht er für einen echten Wechsel, den die Fia nach den Mosley-Jahren so bitter nötig hat. Mosley liebte die Kontroverse. Jetzt ist aber Zeit für Kompromisse.

Diesen Artikel haben wir für Sie in der Financial Times Deutschland gefunden.

Wissenscommunity