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T. Ammann: "Bits & Pieces": Fesselnde Details - Max Mosley und das Recht auf Vergessenwerden

Das Netz vergisst nichts - dieser Spruch stimmt nicht mehr, jedenfalls nicht mehr ganz. Das hat auch sein Gutes, meint Thomas Ammann.

Max Mosley erkämpfte sein Recht auf Privatheit gegen Google.

Max Mosley erkämpfte sein Recht auf Privatheit gegen Google.

Diese Briten! Verstehe einer zum Beispiel Max Mosley. Da kämpft der frühere Formel-1-Boss seit vielen Jahren gegen die Veröffentlichung von Bildern einer privaten Sado-Maso-Party, die er mit Prostituierten feierte, verklagt Google und Hunderte anderer Websites, die sich auf die einschlägige Erstveröffentlichung in "News of the World" beziehen, und schließlich gelingt ihm sogar mit dem mächtigsten Gegner, Google, eine außergerichtliche Einigung, die - so Mosleys deutsche Anwältin - "zur Zufriedenheit beider Seiten" ausfiel. Künftig wird der Quasi-Monopolist die inkriminierten Bilder von vorneherein aus seinen Suchergebnissen herausfiltern.

Max Mosley, 75, gilt seither als Pionier, der sein Recht auf Privatheit gegen die übermächtigen Internetkonzerne erfolgreich und unerschrocken durchsetzte. Einer, der nicht aufgab, der auch Hohn und Spott sowie jahrelange hämische Berichterstattung über die zahlreichen Prozesse um die Sado-Maso-Bilder nicht scheute, nur um am Ende sein Recht auf Vergessenwerden durchzufechten.

Fesselnde Details

Und was macht Mosley jetzt? Er veröffentlicht seine Autobiografie als Buch - ohne Not, einfach so -  in der er die gesamte SM-Affäre noch einmal in allen Einzelheiten ausbreitet, und damit wird sich die ganze schmerzvolle Geschichte wieder in Windeseile im Netz verbreiten. "Max Mosley - Formel 1 und darüber hinaus" heißt das vor kurzem in England erschienene Werk. Darin beschreibe er auch "fesselnde Details über seine Sex-Orgie mit fünf Prostituierten", berichtete die "Bild"-Zeitung neulich voller Genuss. "Es war im kompletten gegenseitigen Einvernehmen geschehen", zitiert "Bild" aus Mosleys Autobiografie, "harmlos und unbeschwert, endete mit einer Tasse Tee für die einen, und einem Glas Wein für die anderen."

Na prima. Erklärungsbedarf hatte der Lustgreis aber anscheinend gegenüber seiner Frau, als 2008 die offenbar heimlich aufgenommenen Bilder der Party im Boulevardblatt "News of the World" auftauchten und das Video des geselligen Beisammenseins ins Netz gestellt wurde. "Ihre erste Reaktion war", so Mosley laut "Bild", "dass ich mir einen Witz erlaubt hätte und die Zeitung extra hätte drucken lassen." Das allerdings war ein Irrtum, wie Mrs. Mosley dann schnell lernen musste.

Warum sprach man auf der Party deutsch?

Die Tatsache, dass bei der Party offenbar auch an Sträflingsanzüge erinnernde Kostüme getragen wurden und teilweise auch Deutsch gesprochen wurde, veranlasste "News of the World" seinerzeit zu der Vermutung, es könnten Szenen aus einem Nazi-Konzentrationslager nachgespielt worden sein. Mosley wiederum, Sohn des britischen Faschistenführers und Hitler-Bewunderers in den 1940er-Jahren, Sir Oswald Mosley, erklärt das in seinen Erinnerungen laut "Bild" so: "Wir sprachen deutsch, weil eine der anderen Damen gern Befehle in einer fremden Sprache erhielt". Eine andere Spielkameradin, so Mosley, sei selbst Deutsche gewesen: "Sie war die Art einer modernen deutschen Bürgerin, die entsetzt gewesen wäre, wenn sie gefragt worden wäre, eine Naziszene nachzuspielen. So wie jeder darüber entsetzt wäre."

Dann ist ja alles in Ordnung. Warum Mosley die ganze Geschichte wieder aufwärmt, bleibt sein kleines Geheimnis. Gerade jetzt, als er erreichte, wofür er jahrelang gekämpft hatte: Nach der außergerichtlichen Einigung hatte das Netz Mosleys deutsch-britisches Teekränzchen vergessen.

46.000 Anträge in zwölf Monaten

Jedenfalls fast. Wenn man "Max Mosley" googelt und nach Bildern sucht, bekommt man jede Menge Porträtfotos eines distinguierten älteren Herrn mit hellem Haar und grauen Schläfen - Mosley. In der Spalte darüber interessanterweise auch ein Porträt von Ex-Präsidentengattin Bettina Wulff - ebenfalls eine Vorkämpferin für die Privatsphäre im Netz - und von Bernie Ecclestone, Mosleys einstigem Formel-1-Partner. Wenn man etwas weiter herunterscrollt, kann man das böse Wort noch finden: "My Nazi Orgy with F1 Boss" ist da auf einer Website namens "dailyfirstpages.com" zu lesen. "Mosley hooker tells all", heißt es da noch, "Mosleys Hure erzählt alles".

Mit dem Vergessen im Internet ist das nämlich so eine Sache. Vor gut einem Jahr hat der Europäische Gerichtshof den Internetnutzern das Recht auf Vergessenwerden ("right to be forgotten" - kurz RTBF) zugestanden: Unter bestimmten Voraussetzungen müssen die Suchmaschinen ihre Ergebnisse und Verweise zu Websites mit personenbezogenen Daten löschen. Die Erfahrungen der ersten zwölf Monate zeigen, dass allein aus Deutschland rund 46.000 Anträge bei Google eingetrudelt sind, die sich auf rund 177.000 Webseiten bezogen. Knapp die Hälfte davon hat Google inzwischen gelöscht.

Gute Aussichten für Betrüger

Allerdings informiert Google die Betreiber der Webseiten darüber, dass die Trefferlinks zu ihren Seiten gelöscht wurden, wie zum Beispiel der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar kritisiert. Damit könnten, fürchtet der Datenschützer, die Betreiber die betreffenden Inhalte anderswo ins Netz stellen – und dann möglicherweise besonders auffällig und gut auffindbar. Google verteidigt diese Vorgehensweise als "Akt der Transparenz". Dazu gehört wohl auch, dass viele Einträge über die internationale Seite "google.com" weiterhin zu finden sind.

Die Debatte verweist im Übrigen noch auf ein anderes Problem: Das Netz könnte nach und nach sein "Gedächtnis" verlieren. Zwielichtige Existenzen könnten versucht sein, ihre Profile oder gleich die ganze Biografie zu optimieren bzw. zu schönen. Gute Aussichten für Konkursbetrüger, Heiratsschwindler und andere Gauner.

Andererseits: Hat nicht jeder ein Recht auf Resozialisierung, sogar ein Sünder wie  Max Mosley?

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.