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Max Mosley: "Sex ist so irrational wie Rennwagen fahren"

Er stammt aus einer Familie mit Nazi-Vergangenheit, war Fia-Präsident und geriet mit Fotos von einer Sado-Maso-Sexparty in die Schlagzeilen. Max Mosley spricht im stern über sein Leben, seinen familiären Hintergrund und Sex.

Ex-Fia-Präsident Max Mosley leitete von 1993 bis 2009 den Weltautomobilverband

Ex-Fia-Präsident Max Mosley leitete den Weltautomobilverband von 1993 bis 2009 

Der Engländer Max Mosley hat ein filmreifes Leben geführt. Seine Eltern waren Sympathisanten der Nazis und saßen während des Zweiten Weltkrieges zeitweise im Gefängnis. Er selbst war Rechtsanwalt und Rennfahrer, danach Mitbesitzer des March-Rennstalls und schließlich viele Jahre lang Vorsitzender des Internationalen Automobilsportverbandes (Fia). Und vor einigen Jahren erlangte er weitere – allerdings unfreiwillige - Berühmtheit, als die Boulevard-Zeitung "News of the World" Aufnahmen von einer Sado-Maso-Party in London veröffentlichte, auf der Mosley mit vier Frauen zu sehen war. Das inzwischen eingestellte Blatt behauptete aber fälschlicherweise, es habe sich dabei um eine Nazi-Orgie gehandelt. Mosley klagte dagegen und gewann. In der neuen Ausgabe des stern spricht der flamboyante Brite über sein bewegtes Leben. "Sex", sagt der 75-Jährige etwa, "ist so irrational wie Rennwagen fahren. Das ist ja das Schöne daran."

Nachdem die Zeitung im Frühjahr 2008 Fotos und Videos von dem, wie er es nennt "Treffen" publiziert hatte, zog Mosley gegen den expliziten Rat seiner Anwälte vor Gericht: "Jemand musste endlich gegen dieses Blatt vorgehen! Die Verstöße gegen die Privatsphäre waren bei News of the World ja die Regel und nicht die Ausnahme. Sie verletzten vor allem Leute, die nicht die Mittel hatten, sich gegen Diffamierungen zu wehren." Er habe sich gesagt: "Wenn ich nicht klage, wer dann?" Mosley gewann nicht nur diesen Prozess, sondern auch gegen "Bild" und "Google" wegen Verletzung der Privatsphäre.

In dem stern-Gespräch erzählt er, dass er diese Neigung zu Sado-Maso-Sex sein ganzes Leben lang geheim gehalten habe. Niemand ahnte etwas davon: "Meine Frau dachte zunächst, das Ganze sei ein Witz. Können Sie sich vorstellen, was die eigenen Söhne denken müssen, wenn sie ihren Vater so sehen? Klar, am Ende ist es nur Sex. Sex sollte privat sein, das ist die Idee von Sex. Selbst die meisten Tiere machen es privat".

Vater Faschist, Mutter Hitler-Verehrerin

In dem Interview, das in der aktuellen Ausgabe des stern erscheint, spricht er auch über die Last seines Nachnamens: Sein Vater Oswald war Gründer der Faschistischen Partei Großbritanniens, seine Mutter Diana eine glühende Verehrerin und persönliche Bekannte von Adolf Hitler. Beide wurden im Wohnzimmer von Joseph Goebbels getraut. "Wenn ich mich bewarb oder irgendwas nicht bekam, wusste ich nie: Liegt es am Namen oder doch daran, dass ich nicht gut genug bin? Einmal, als Student in Oxford, habe ich mich sogar als Inder verkleidet und auch den Dialekt imitiert, um zu testen, ob ich mit anderer Identität weiter kommen würde. Der entscheidende Punkt ist aber, dass ich ohne die Geschichte meiner Familie wohl in die Politik gegangen wäre. Das wollte ich eigentlich immer."

Er wurde dann erst Rennfahrer, später Rennstallbesitzer und schließlich Fia-Chef. Gemeinsam mit Bernie Ecclestone baute er die Formel1 zu einem globales Business aus. Mosley, der mit seiner Frau in London lebt, zog sich vor sechs Jahren aus dem Geschäft zurück, verfolgt den Sport aber immer noch aufmerksam und kann die Kritik an vermeintlicher Langeweile in der Formel 1 nicht teilen. Es sei nichts falsch mit den heutigen Piloten. "Wir brauchen mehr Konkurrenz, das stimmt. Das liegt aber nicht an den Fahrern, sondern an den zu großen Unterschieden in der Qualität der Autos." Auch das Argument, wonach das Interesse nachlasse, weil die Autos immer sicherer werden, hält Mosley für Unfug. Dem stern sagte er: "Die Menschen schauen dem Mann auf dem Hochseil gern zu. Aber sie wollen ihn nicht stürzen sehen."

Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen stern:



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