Die Formel 1 nach Malaysia Verlierer, wohin man schaut


Proteste, Lügen, Ergebnisse unter Vorbehalt und jetzt das Abbruchrennen in Malaysia: Die Formel 1 steckt in einer schweren Krise. Getrieben von Geld, Macht und Ansehen ist die einstige „Königklasse“ gerade auf dem besten Weg das zu vernachlässigen, was für einen Sport am wichtigsten ist: die Fans. Von Jens Fischer

Die Formel 1 wird momentan der Lächerlichkeit preisgegeben. Nach permanenten Protesten, zwei Rennen unter juristischem Vorbehalt, einer schmutzigen Lügen-Affäre und als Krönung einem Chaos-Rennen wegen schnödem Mammon hat die einstige "Königsklasse des Motorsports" ihren sportlichen Anreiz endgültig verloren. Die Formel 1 ist zu einem wackeligen Konstrukt geworden, in dem es nur Verlierer gibt.

Die gesamte Formel 1

Die Formel 1 – das war einmal Spannung, Spaß und Glamour. Früher fieberten die Fans mit ihren Lieblingen Michael Schumacher, Mika Häkkinen oder Ayrton Senna. Spannende Duelle waren an der Tagesordnung und immer stand dabei der Sport im Vordergrund. Vorbei. Heute ist alles anders. Da wird gestritten, geändert und geklagt. Mit Sport hat das alles nicht mehr viel zu tun. Die Formel 1 ist zu einem Ränkespiel zwischen Offiziellen und Teamchefs verkommen, bei dem es letztlich nur darum geht, wessen Interessen sich am Ende durchsetzen. Macht, Geld, Technikvorsprung – die Formel 1 als Vehikel in Marken- und Imagefragen. Von sportlichem Wettstreit keine Spur.

Die Oberste Automobilbehörde Fia

Eine Revolution war das, was die Fia vor Beginn der aktuellen Saison eingeläutet hat. Mit der umfassendsten Regelreform seit Formel-1-Gedenken sollten die Spannung erhöht und die Kosten gesenkt werden. Aerodynamik, Motor, Getriebe, Reifen, Testfahrten, Kers – kein Stein wurde auf dem anderen gelassen. In der Folge experimentierten die Teams wie wild im technischen Niemandsland, heraus kam ein großer Gewinner namens Brawn-GP und gleichzeitig ein großer Chaos-Verursacher. Erst am 14. April entscheidet die Fia darüber, ob der Brawn’sche "Doppel-Diffusor" illegal ist. Bis dahin stehen die Resultate der ersten beiden Rennen unter Vorbehalt – ein unmöglicher Zustand. Und nicht der einzige Fehler des über allen stehenden Gremiums: Die eilig zurückgenommene "Sieger-Regel" kurz vor Saisonstart, die harte Bestrafung für Sebastian Vettel nach dessen Melbourne-Crash oder das Aufdecken der McLaren-Lügenaffäre nach sage und schreibe erst vier Tagen – nur Beispiele für die unsäglichen Entscheidungen der Fia.

Lewis Hamilton und McLaren-Mercedes

Der amtierende Weltmeister Lewis Hamilton ist der wohl größte Verlierer der bisherigen Saison. Was mag ihn nur geritten haben, als er die Rennkommissare nach dem Rennen in Australien belogen hat. Auf Geheiß des mittlerweile gefeuerten Sportdirektors Dave Ryan habe er gehandelt, behauptet er. Mittlerweile wurde bekannt, dass Hamilton sogar an einen Rücktritt gedacht habe. Der Imageschaden für die "Silberpfeile" ist unermesslich. So groß, dass auch McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh kaum zu halten sein wird. Aber auch Mercedes muss leiden, die Marke ist nach der 100-Millionen-Spionage-Affäre und den aktuellen Lügengeschichten nachhältig beschädigt. Und Hamilton? Dessen Absturz wird in die Sport-Geschichte eingehen. Der Brite muss nun mit einem Makel leben, der beinahe unreparierbar scheint.

Die Piloten

So wie Hamilton bei seinen peinlichen Märchen nur auf Anweisung gehandelt haben will, so scheint es ein allgemeiner Trend zu sein, die Piloten zu fahrenden Marionetten werden zu lassen. Gerade die Männer, die innerhalb von Millisekunden über Abermillonen von Euro und über Wohl und Wehe von zig Mitarbeitern entscheiden müssen, sind Opfer von sportpolitischen und wirtschaftlichen Interessen der großen Bosse. Sie sagen das, was man ihnen zuvor eingetrichtert hat und müssen rasen, wo, wann und wie es andere von ihnen verlangen. Wie zum Beispiel in Malaysia, als auf Grund der europäischen Sendezeiten mitten in eine immens hohe Monsun-Wahrscheinlichkeit gestartet wurde. Und manchmal werden ihnen einfach kurzerhand zehn Startplätze aus fragwürdigen Motiven geklaut – Vettel lässt grüßen.

Die Glaubwürdigkeit

Sparsamer und spannender sollte sie werden die neue Formel 1. Spannender ist sie geworden, zwar mit der Hau-Ruck-Methode, aber immerhin. Sparsamer nicht, Denn sollte dem Protest vieler Teams am 14. April nicht stattgegeben werden, heißt es Nachrüsten auf Teufel komm raus. Da wird entwickelt, geforscht und nachgebaut. Nahezu neue Autos werden entstehen, der Wettlauf um den schnellsten Boliden beginnt von vorne. Das kostet Irrsinnssummen. Und die einst hehren Ziele der Fia wären endgültig zur Makulatur verkommen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker