Ferrari "Iceman" im roten Renner


Die Scuderia Ferrari nimmt Kimi Räikkönen im Wintersportort Madonna di Campiglio in der Familie auf. Der fühlt sich wohl und nimmt den Kampf auf: nicht nur um den Titel, sondern zuerst den Fight um die Nummer Eins bei den Roten.
Christian Ewers

"Bon giorno a tutti", flüsterte Kimi Räikkönen ins Mikrophon und schickte seinen Worten ein Grinsen hinterher. Natürlich war es nur ein klitzekleines Lächeln, es huschte über sein Gesicht – dann setzte Räikkönen wieder seine ausdruckslose Miene auf, die ihm in der Formel eins-Szene den Spitznamen "Ice man" eingebracht hat. Auch neues Team, der italienische Rennstall Ferrari, wird aus Räikkönen keinen charmant-herzlichen Plauderer machen. Das darf als gesichert gelten nach Räikkönens erstem öffentlichen Auftritt in feuerroter Ferrari-Dienstkleidung am Mittwoch.

Aber immerhin, der 27 Jahre alt Finne gab sich Mühe während der Pressekonferenz in Madonna di Campiglio. Brav lobte seinen Vorgänger Michael Schumacher, der seine Karriere im vergangenen Jahr beendet hatte. "Die Formel eins wird eine andere sein ohne Michael", sagte er.

Kein Vergleich mit Schumacher

"Er war der Mann der letzten Jahre." Auf einen Vergleich mit dem Rekordweltmeister wollte sich Räikkönen aber nicht einlassen. "Ich mache die Dinge auf meine Art. Mal gucken, was am Ende dabei rauskommt." Das waren Räikkönens Liebingworte am Mittwoch: Mal gucken, muss abwarten, kann ich noch nicht sagen. So umschiffte er alle brisanten Fragen, die ihm im italienischen Wintersportort von Journalisten aus aller Welt gestellt wurden.

Die spannenste und in tausend Varianten immer wieder neu gestellte Frage bezog sich auf die Hirarchie bei Ferrari. Jahrelang hatte es darüber nie Diskussionen gegeben. Schumacher war als Topfahrer gesetzt, zur Disposition stand nur die Position des Co-Piloten. Jetzt ist alles anders: Filipe Massa, im letzten Schumacher-Jahr zweiter Mann, hat schon angekündigt, Räikkönen nicht kampflos die Chefrolle zu überlassen. Räikkönen weiß das, will aber einen teaminternen Konflikt vermeiden. "Wir beide haben das gleiche Auto, wir haben diesselben Mechaniker", sagte er. "Mal gucken, wer am Ende vorn ist."

Rot ist wärmer als Silber

Für seinen alten Arbeitgeber McLaren fand Räikkönen weniger diplomatische Worte: "Entweder das Auto war zu langsam oder es hat nicht bis zum Ende durchgehalten." Auch menschlich fühlt sich Räikkönen besser aufgehoben bei Ferrari. "Es ist hier alles viel familiärer", sagte er.

"Rot ist eine wärmere Farbe als Silber." Ob Räikkönens neuer Dienstwagen seinem alten tatsächlich technisch überlegen ist, wird sich erst Ende dieses Monats zeigen. Dann dreht Räikkönen seine ersten Testfahrten im Ferrari. Kollege Massa ist ihm da voraus. Er kennt das neue Modell schon. Auch das stört Räikkönen selbstverständlich nicht. "Entscheidend sind nur die Rennen." Und bis dahin hat der Finne noch etwas Zeit. Auftakt der Saison 2007/08 ist am 18. März. Dann geht es in Melbourne um den Großen Preis von Australien.

Christian Ewers


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