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Formel 1: Alphatiere im finalen Machtkampf

In der Formel 1 steuert diese Woche alles auf die Entscheidung zu. Am Freitag wird Max Mosley, der Präsident des Weltautomobilverbandes Fia, die Liste jener Teams veröffentlichen, die für die WM 2010 zugelassen sind. Und da könnte eine Bombe platzen.

Von Juha Päätalo, Istanbul

Wenn man dem Machtkampf in der Formel 1 etwas Positives abgewinnen will, dann das: Keiner braucht mehr über die fehlende Spannung im WM-Kampf klagen. Denn diese Woche steht nicht weniger als die ganze Zukunft des Sports auf dem Spiel. Am Freitag wird Max Mosley, der Präsident des Weltautomobilverbandes Fia, die Liste jener Teams veröffentlichen, die für die WM 2010 zugelassen sind. Und da könnte eine Bombe platzen.

Acht der zehn Teams, die in diesem Jahr an der WM teilnehmen, haben ihre Anmeldung nur unter Bedingungen abgegeben. Ihnen passt der Plan von Mosley nicht, künftig eine Budgetgrenze von 44 Mio. Euro pro Saison einzuführen - auch wenn dies stufenweise geschehen soll. Sie wollen die gleiche Kostensenkung durch andere Maßnahmen erreichen: Verbote von teuren Materialien oder Verzicht auf das Hybridsystem Kers. Das aber will Mosley offenbar nicht akzeptieren. Und so könnte er am Freitag versuchen, die Front der acht Teams zu spalten, indem er manche von ihnen zulässt, andere aber vor die Tür setzt. Die Mittel dazu hat er. Zusätzlich zu den zehn Teams, die in dieser Saison teilnehmen, haben sich mittlerweile mindestens zehn weitere Interessenten eingeschrieben. Die acht Teams mit dem Vorbehalt wollen nur als eine Einheit akzeptiert werden. Sollte das nicht geschehen, droht der Formel 1 eine Spaltung.

"Worst-Case-Szenario

Dabei sind die konkurrierenden Vorschläge sich so ähnlich, dass einer Einigung eigentlich nichts im Wege stehen sollte. Es geht aber längst nicht mehr nur um die Sache, sondern um einen Kampf der großen Egos. Da ist auf der einen Seite Max Mosley, der auf keinen Fall als Verlierer dastehen will. Und auf der anderen Luca di Montezemolo, Ferrari-Präsident und Vorsitzender der Teamvereinigung Fota - auch er ein Alphatier der Formel 1. Gerade das Thema Konkurrenz-WM zeigt, wie sich das Klima im Machtkampf geändert hat. Vor zwei Wochen hat noch keiner über die Konkurrenzserie gesprochen. Jetzt, in Istanbul, alle - von den Teamchefs bis zu den Fahrern. Toyota-Teampräsident John Howett nannte sie "das Worst-Case-Szenario", aber "notwendig für unsere Defensivstrategie". Ähnlich sah es Ferrari-Teamchef Stefano Dimenicali: "Wir müssen alles tun, um eine Einigung für die Fia-Weltmeisterschaft zu finden. Erst dann sehen wir weiter."

Das Hoffen der Traditionalisten

Neu ist, dass sich nun auch Fahrer einmischen - am lautesten der Renault-Pilot und Weltmeister von 2005 und 2006, Fernando Alonso: "Die neue Formel 1, die vorgeschlagen wird, ist nicht mehr die höchste Klasse im Motorsport. Wenn die Hersteller eine eigene Meisterschaft gründen, dann wäre ich mehr als froh, daran teilzunehmen. Denn dort sind die besten Teams - und auch die besten Fahrer."

Alonsos Worte klingen, als ob die Konkurrenz-WM schon fast vor der Tür stünde. Aber das Gegenteil ist der Fall. Toyota-Mann John Howett bestätigte zwar, dass die Fota-Teams bereits Vorbereitungen getroffen haben. Er hielt es auch für möglich, die Serie trotz der kurzen Vorbereitungszeit auf die Beine zu stellen. Aber selbst wenn Verträge mit Rennstrecken und Fernsehsendern noch möglich wären, sei es erst einmal mit einer WM in geringerem Umfang, wäre das Risiko groß, dass die Finanzen die Teams wieder spalten. Denn eine eigene WM würde hohe Kosten verursachen, deren gerechte Verteilung harte Handlungen voraussetzt. Formel-1-Traditionalisten müssen nun darauf hoffen, dass selbst Machtmenschen wie Mosley oder Montezemolo kein Interesse daran haben, als Männer in die Geschichte zu gehen, die 60 Jahre Formel 1 wegen persönlicher Eitelkeiten zerstörten.

FTD

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