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FORMEL 1: Doppelsieg für Ferrari

Ferrari-Pilot Michael Schumacher hat zum fünften Mal den Großen Preis von Monaco gewonnen, vor seinem Teamkollegen Rubens Barrichello.

Glückskind Michael Schumacher hat im Spielerparadies das große Los gezogen und sich nach dem Riesen-Pech seines Titel-Rivalen David Coulthard zum »König von Monaco« gekrönt. Der dreimalige Formel-1-Weltmeister feierte am Sonntag souverän seinen fünften Sieg im Fürstentum; auf keiner anderen Strecke gewann der Ferrari-Star so oft wie in dem engen Kurvenlabyrinth von Monte Carlo. Da Coulthard schon beim Vorstart unfreiwillig stehen geblieben war, baute Schumacher seinen WM-Vorsprung auf den schottischen Verfolger auf zwölf Punkte aus.

»Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg«, meinte der Kerpener nach dem vierten Saison-Streich und grüßte »seine« Ferrari-Familie überschwänglich: »Die Stimmung im Team ist wirklich klasse. Ich fühle mich da pudelwohl, es macht riesig Spaß.« Trotz des klaren Rennverlaufs fuhr die Sorge ums Auto immer mit: »Im letzten Jahr war ich nah dran und bin wegen eines technischen Defekts ausgefallen. Das war heute immer im Hinterkopf.«

Unglücklicher Tag für McLaren-Mercedes

Rubens Barrichello machte den zweiten Ferrari-Doppelerfolg der Saison bei »Kaiserwetter« an der Cote d?Azur als Zweiter perfekt. McLaren-Mercedes erwischte hingegen beim prestige-trächtigsten Rennen des Jahres einen unglücklichen Tag: Coulthard, der sich nach dem Start-Malheur hinten anstellen musste, landete am Ende dank einer kämpferischen Leistung noch auf Rang fünf, Mika Häkkinen schied aus.

Beinahe wäre auch Ralf Schumacher auf dem Podium gelandet. Doch ein technischer Defekt zwang den Imola-Sieger in Runde 59. zum Stopp. Insgesamt kamen auf dem Stadtkurs zwischen Häuserschluchten. Zwölf Starter kamen nicht ins Ziel, auch die Mönchengladbacher Nick Heidfeld und Heinz-Harald Frentzen wegen Unfällen nicht.

»Ich bin froh, dass Sie es sind«

Vor etwa 100.000 Zuschauern in der Schicki-Micki-Metropole, darunter unzähligen deutschen Fans auf den Tribünen und Fußball-Star Ronaldo an der Ferrari-Box, gewann Michael Schumacher den Großen Preis von Monaco nach 78 Runden, 262,860 km und 1:47:22,561 Stunden vor dem Brasilianer Barrichello. Auf Rang drei gab es eine Überraschung. Der Nordire Eddie Irvine holte den ersten Podiumsplatz für das Pannen-geplagte Jaguar-Team. In der WM-Wertung führt der Kerpener nun mit 52 Punkten vor Coulthard (40) und Barrichello (24). »Das waren zehn wichtige Punkte«, meinte Schumacher, nachdem ihm Fürst Rainier den Pokal mit den traditionellen Worten (»Ich bin froh, dass Sie es sind«) überreicht hatte.

Am meisten hatten die Experten beim wegen fehlender Auslaufzonen ohnehin recht umstrittenen Grand Prix in Monaco diesmal den Start gefürchtet. Denn auf Grund der seit Ende April wieder zugelassenen elektronischen Fahrhilfen setzen die Teams neue automatische Startsysteme ein, die den Fahrern zuletzt so manchen Streich gespielt hatten. Erstmals erlaubte die Rennleitung daher Extra-Startübungen.

McLaren-Mercedes: Die Software war's

Doch Coulthard brachte dies offenbar nichts: Bereits am Vorstart blieb sein Silberpfeil wegen streikender Technik stehen. Händeringend saß der Schotte im Auto. Die Pole-Position war weg, Coulthard musste ans Ende des Feldes. »Ich war völlig überrascht. Der Motor starb ab«, sagte der Vorjahressieger. »Sieht als, als wäre es die Software gewesen. David hat überhaupt keinen Fehler gemacht«, so Mercedes- Motorsportchef Norbert Haug später.

Der »richtige« Start klappte bei allen. Michael Schumacher setzte sich an die Spitze vor Häkkinen, Barrichello, Ralf Schumacher und dessen Teamkollegen Juan Pablo Montoya. Schon eine halbe Runde später kam für Nick Heidfeld nach einem Crash mit Jos Verstappen das Aus. »Da war das Rennen gelaufen«, meinte der Sauber-Pilot.

Frentzen: »Plötzlich fuhr das Auto geradeaus«

Bis Runde 13 zog das Führungsquartett unverändert seine Kreise, ehe Häkkinen wegen eines technischen Defekts an die Box musste. Das Auto zog plötzlich völlig rätselhaft nach rechts. Er kehrte zwar noch einmal auf die Strecke zurück, doch wenig später war endgültig Dienstschluss für den vom Pech verfolgten Finnen. Für den Doppel-Weltmeister war es der vierte Ausfall in diesem Jahr. Auch Kollege Coulthard hatte seine Mühe. Er hing lange hinter Arrows-Pilot Enrique Bernoldi fest und wurde in Runde 27 von Schumacher überrundet. Dennoch arbeitete sich Coulthard tapfer nach vorne. Jordan-Pilot Frentzen fiel in Runde 51 mit einem Crash in der Kurve vor dem Tunnelende aus: »Das Auto fuhr plötzlich geradeaus.«

Ralf Schumachers Williams-BMW machte in der 55. Runden nach einem Elektronik-Schaden schlapp. »Dass ich enttäuscht bin, ist klar. Plötzlich ging die Hydraulik-Warnlampe an, kurz darauf fiel die Servolenkung aus, auf den letzten Metern zur Box konnte ich nicht mehr schalten«, erklärte der Kerpener.

Andrea Wimmer und Volker Gundrum, dpa

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