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Formel 1 in Malaysia Die rasende Dose

Sebastian Vettel kann triumphieren: Nach seinem Sieg und dem Monsun-Chaos im Qualifying landen gleich vier deutsche Piloten unter den Top Ten – nur Michael Schumacher ist wieder nicht dabei.
Von Elmar Brümmer

Selten war von einem Grand-Prix-Sieger so wenig zu sehen wie von Sebastian Vettel beim Großen Preis von Malaysia. Das ging den Gegnern ebenso wie den Fernsehzuschauern. Der Red Bull des Heppenheimers war einfach zu überlegen, und die einzige Frage, die sich nach seinem schnellen Vorpreschen im internen Duell mit Mark Webber noch vor der ersten Kurve von Startplatz drei auf die Spitzenreiterposition stellte, war die: Hält die rasende Dose diesmal den Strapazen stand?

Im dritten Anlauf hielt sie, und damit hat der Favorit neben der Genugtuung auch ein wenig mehr Sicherheit zurück gewonnen, fast noch wichtiger als die 25 Zähler von Sepang. Vettel dachte gar nicht daran, am Ende Tempo rauszunehmen: "Mein Auto war diesmal großartig! Wie sagt man so schön: Aller guten Dinge sind drei... Ich bin glücklich, dass es endlich geklappt hat. Es wurde ja auch mal Zeit. Das ist sicher der schönste Weg, zurückzukommen - und den Ofen Malaysia zu verlassen."

Nach dem gelungenen Start ging es nur noch darum, sich von den anderen zu entfernen." Ein Risikovermögen, mit dem er seinen weiteren Weg zur WM-Spitze machen will. Als nach knapp 100 Minuten die schwarz-weiß-karierte Flagge fiel, nutzte der 22-Jährige die ganze Breite der Zielgeraden, um Schlangenlinien zu fahren: "Was für ein Tag! Der Schlüssel ist, sich immer wieder selber anzutreiben." Der geschlagene Webber gab sich für dieses eine Mal neidlos: "Er verdient diesen Erfolg."

Ein Werks-Silberpfeil auf einem Podestplatz

Alles ist am heißesten Wochenende des Rennjahres für Vettel gelaufen, vor allem, dass dem von Startplatz 19 auf neun vorgepreschten Fernando Alonso in der Vorschlussrunde der Ferrari-Motor explodierte. Damit liegt Vettel mit dem Spanier in der WM-Wertung punktgleich mit 37 Zählern auf Rang zwei, ganz vorn steht dank seines siebten Platzes der Brasilianer Felipe Massa (39 Punkte). Nico Rosberg liegt gleichauf mit Jenson Button (je 35 Punkte) auf Rang vier.

Fünf Deutsche unter den ersten Acht, das versprach bereits nach dem Monsun-Chaos im Qualifying ein voller Erfolg in der Nationenwertung zu werden. Mit Nico Rosberg schaffte es nach - ebenfalls unauffälliger, aber effizienter und überlegter Fahrt über 56 heiße Runden - erstmals seit 55 Jahren auch wieder ein Werks-Silberpfeil aufs Podest: Platz drei hinter Vettels Teamkollegen Mark Webber, trotz des missglückten Starts aus der ersten Reihe. Sein Vorgesetzter, Mercedes-Sportchef Norbert Haug, applaudierte: "Nico hat dem Team mit seinem Podiumsplatz einen tollen Lohn für all die harte Arbeit beschert. Sein WM-Punktestand kann sich sehen lassen, aber wir müssen uns weiter stark steigern."

Adrian Sutil auf Rang fünf

Mercedes-Zweitbesetzung Michael Schumacher hielt sich auf Rang sechs so lange in Lauerstellung, wie sein linkes Hinterrad hielt. Diesen Rückhalt hatte der Comebacker aber nur ganze zehn Runden, dann löste sich die Radmutter. Das Auto wurde sofort instabil, die Osterschicht des 41-Jährigen endete auf dem Randstreifen von Kurve sechs. Erste Schadensanalyse, perspektivisch gesehen: "Ich bin im Fahrplan, das Auto noch nicht." Seine Gelassenheit will er trotzdem nicht aufgeben, auch wenn er auf dem Papier gegenüber Rosberg weiterhin die schlechtere Figur abgibt: "Man kann sich ärgern, oder sich sagen: Diese Dinge gehören zum Motorsport. Das ist eher so, wie ich mich im Moment fühle."

Der dritte Deutsche unter den ersten Fünf ließ Mercedes-Sportchef Norbert Haug noch zusätzlich strahlen: Adrian Sutil, dessen Force India mit einem Stuttgarter Leihaggregat unterwegs ist, schaffte mit Rang fünf die beste Platzierung in vier Jahren Formel-1-Karriere. Und er hielt clever seinen alten Kumpel, Ex-Weltmeister Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes, hinter sich.

Durch Alonsos Unzuverlässigkeit bekam Formel-1-Debütant Nico Hülkenberg (22) aus Emmerich seinen verdienten ersten WM-Punkt mit dem Williams. Vier Renn-Teutonen unter den ersten Zehn - und Schumacher noch nicht mal dabei, das verspricht noch eine muntere Saison zu werden.


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