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Formel 1: Premiere am Bosporus

Mit dem Debüt in Istanbul biegt die Formel 1 im Kampf um die Weltmeisterschaft auf die Zielkurve ein. Fernando Alonso muss sich auf ein heißes Duell mit seinen Widersachern Kimi Räikkönen und Michael Schumacher gefasst machen.

Der Gejagte liegt am Bosporus in Lauerstellung - die Jäger sind bereit zur Attacke. Der Titelverteidiger aus Kerpen brennt nach seinem zweiten Rang zuletzt in Budapest und dem kurzen Sommerurlaub in Norwegen auf die bevorstehende Hitzeschlacht: "Gut, dass es wieder weiter geht. Nach der Pause ist man wieder richtig heiß aufs Fahren."

Bereit, zu siegen

Primus Alonso lässt das relativ kalt, befindet er sich doch mit 26 Punkten Vorsprung auf McLaren-Mercedes-Mann Räikkönen und 32 Zähler vor Schumacher in einer komfortablen Situation. "Wir müssen in den letzten Rennen nicht mehr ganz so viel riskieren wie unsere Verfolger", sagte der spanische Renault-Pilot Alonso vor dem 14. von 19 WM-Läufen.

Räikkönen hat die Hoffnung auf seinen ersten WM-Titel ebenfalls nicht aufgegeben. Mit seinem Sieg in Ungarn machte er zehn Punkte auf Alonso gut, der als Elfter leer ausgegangen war. "Vielleicht habe ich ja jetzt mal Glück und er ein bisschen Pech", sagte der Finne in Anspielung auf seine technischen Ausfälle in diesem Jahr. Für Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug steht fest: "Mit der Premiere des Türkei-Grand-Prix beginnt die entscheidende Schlussphase der WM."

69. WM-Strecke seit 1950

Viel wird beim ersten Rennen am Bosporus davon abhängen, wie die Piloten mit der 5,340 Kilometer langen neuen Rennstrecke, die im asiatischen Teil der 13-Millionen-Einwohner-Stadt liegt, zurechtkommen. Schumacher, der in der WM-Wertung satte 32 Punkte Rückstand hat, verlässt sich auf seine Erfahrung. "Ich habe im Normalfall keine Schwierigkeiten mit unbekannten Strecken", sagte der 36-Jährige, der bei einer Motorrad-Tour die nötige Kraft für den Schlussspurt im Titelrennen bis zum Finale am 16. Oktober in Schanghai getankt hat.

Gefahren wird auf dem Istanbul Otodrom, das von Formel-1-Star-Architekt Hermann Tilke aus Aachen entworfen wurde. So wie in Interlagos und Monza fahren die Piloten auch in der Türkei gegen den Uhrzeigersinn. Der Kurs ist hügelig und dürfte speziell auf der 700 Meter langen Geraden gute Überholmöglichkeiten bieten. Insgesamt ist es die 69. WM-Strecke seit 1950. Die Betreiber preisen den Kurs als verbesserte Version von Spa Francorchamps an. Schumacher dürfte es freuen, schließlich ist der Parcours in Belgien mit der Eau Rouge seine Lieblingsstrecke.

Es wird heiß

Entscheiden werden auch wieder die Gummimischungen der Pneus, denn wie schon in Budapest ist mit hohen Temperaturen zu rechnen. "Das ist gut für uns", meinte Alonso, der sich wegen des "Nullers" in Ungarn nicht unter zusätzlichem Druck sieht. Gleichwohl nutzte auch Renault die Pause, um "unser Auto weiter zu verbessern", meinte Renault- Teamchef Flavio Briatore. Testfahrten wurden allerdings gemäß eines Abkommens, dem sich lediglich Ferrari nicht angeschlossen hat, nicht durchgeführt. Beim Formel-1-Debüt in Istanbul, dem die Türken seit Wochen entgegenfiebern, fangen alle bei Null an. "Ich lasse mich einfach überraschen", meinte Schumacher.

Jens Marx/DPA / DPA

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