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Formel 1: Prinz Alonso und die Verfolger

Fernando Alonso hat bereits doppelt so viele Punkte wie seine Verfolger eingefahren, dennoch rechnet er nicht mit einer Spazierfahrt zum Titel. Sein Motto: "Schumacher zu schlagen ist schöner, als andere zu besiegen."

Alles andere als eine Spazierfahrt zum zweiten Titel in Folge erwartet der große WM-Favorit Fernando Alonso von dieser Formel-1-Saison. Obwohl der Spanier nach den drei Überseerennen schon wieder souveräner Spitzenreiter mit doppelt so vielen Punkten wie seine schärfsten Verfolger ist, rechnet er mit einem harten Vierkampf. "Meiner Meinung nach gibt es drei große Titelrivalen: Giancarlo Fisichella, weil wir das gleiche Material haben, und dann Michael Schumacher und Kimi Räikkönen", sagte der Renault-Pilot vor dem Großen Preis von San Marino an diesem Wochenende. "Letztes Jahr war kein Solo - und ich glaube auch nicht, dass wir so was dieses Jahr erleben werden."

Schumacher spielt wieder mit

Speziell seinem WM-Vorgänger Schumacher traut Alonso anders als im Vorjahr wieder eine Hauptrolle im Titelrennen zu. Wegen seines nicht konkurrenzfähigen Materials war der siebenmalige Champion aus Kerpen - vom Ferrari-Heimrennen in Imola abgesehen - 2005 nie über einen Statistenstatus hinausgekommen. Dass Schumacher (11) vor dem vierten Saisonlauf am Sonntag (Start: 14.00 Uhr/RTL und Premiere) als Gesamtvierter hinter Fisichella und McLaren-Mercedes-Mann Räikkönen (beide 14) schon 17 Punkte Rückstand auf Alonso (28) hat, ändert an dessen Wertschätzung nichts. "Für mich bleibt Michael einer der WM- Favoriten, weil er voll motiviert und konstant ist", hatte der 24 Jahre alte Asturier zuletzt mehrfach versichert.

Von daher ist es für Alonso eine besondere Motivation, den jahrelang die Königsklasse wie kein anderer beherrschenden Rekordhalter hinter sich zu lassen. "Schumacher zu schlagen ist schöner, als andere zu besiegen. Ihn kennt man in jedem Winkel der Welt", sagte er vor kurzem der italienischen "Gazzetta dello Sport".

Kein Komentar zum Personal-Karussell

Diplomatisch geschickt hält sich Schumachers WM-Nachfolger aus der von seinem Teamchef Flavio Briatore angeheizten Debatte heraus, den Ferrari-Star 2007 als Alonso-Nachfolger zu Renault zu locken. Bekanntlich wechselt der Spanier zu McLaren-Mercedes. "Ich glaube nicht, dass ich dazu Stellung beziehen sollte. Jeder weiß, dass Renault ein Top-Team ist. Sie werden sicher keinerlei Problem haben, für nächstes Jahr einen Top-Piloten zu finden", blockte Alonso ab.

Dafür heizte Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz die Spekulationen um einen möglichen Rennstall-Wechsel von Schumacher an. Der Milliardär erklärte in der Fachzeitung "Motorsport aktuell" (Mittwochausgabe), dass "wir ihn im Juni oder Juli kontaktieren werden".

Alonso zollt Schumacher höchsten Respekt. "Ich denke, er hat etwas Einzigartiges geschafft", sagte er über die beeindruckende Bestmarkensammlung des deutschen Dominators. "Meine Motivation ist nicht, seine Rekorde zu brechen. Ich will ihn jetzt auf der Strecke schlagen."

Den nächsten Versuch unternimmt der zehnmalige Grand-Prix-Sieger im Autodrome Enzo e Dino Ferrari beim Europa-Auftakt. Dort feierte er im Vorjahr nach einem hochdramatischen Duell einen prestigeträchtigen Erfolg über Schumacher. Alonso geht allerdings davon aus, dass die Konkurrenz den bislang dominierenden Renault beim Großen Preis von San Marino Paroli bieten kann: "Das wird ein knallharter Kampf, mit McLaren und speziell mit Ferrari." Er wolle einen weiteren Podiumsplatz erreichen, wissen aber, dass "es sehr schwer wird, hier zu gewinnen".

Elmar Dreher/DPA

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