Formel-1-Skandal Piquet Jr. packt weiter aus


Weitere Aussagen von Nelson Piquet Jr. legen das ganze Ausmaß des Formel-1-Skandals um Renault und seinen Teamchef Flavio Briatore offen. Kurz vor der Anhörung durch den Motorsport-Weltrat gerät auch Ex-Weltmeister Fernando Alonso unter Druck.

Sechs Tage vor der Anhörung des Motorsport- Weltrats zum sogenannten "Singapur-Skandal" in der Formel 1 ist das ganze Ausmaß der Vorwürfe gegen das Renault-Team öffentlich geworden. Das Internetportal "motorsport-total.com" veröffentlichte am Dienstag Passagen aus einer schriftlichen Stellungnahme des inzwischen entlassenen Renault-Piloten Nelson Piquet Junior. Der Brasilianer hat Ende August seine Anschuldigungen gegen seinen Ex-Rennstall schriftlich festgehalten. Indes soll der Automobil-Weltverband Fia laut Medienberichten neben Piquet Jr. auch Renault-Chefingenieur Pat Symonds Straffreiheit angeboten haben, sofern er bei der Verhandlung am Montag in Paris aussagt.

In seinem zweiten Schreiben an die Fia, das "motorsport-total.com" eigenen Angaben zufolge vorliegt, beschreibt Piquet Jr. wie es zu dem Betrug gekommen sein soll. Sollte Renault verurteilt werden, könnte das Team aus der Formel 1 ausgeschlossen und mit einer hohen Geldstrafe belegt werden. Bei einem Treffen im Büro von Renault- Teamchef Flavio Briatore habe Symonds ihm den Plan erklärt, mit einem inszenierten Crash eine Safety-Car-Phase auszulösen. Piquets weit von hinten gestarteter Teamkollege Fernando Alonso hatte als Einziger von der Neutralisierung des Rennens nach 14 Runden profitiert und gewonnen.

Wie er es bereits in einer ersten Stellungnahme Ende Juli dargelegt habe, "fragte mich Herr Symonds dann, ob ich eine Safety-Car-Phase verursachen würde", schrieb Piquet Jr. in seinen eigentlich vertraulichen Ausführungen. Am Ende des Treffens habe Symonds ihm gesagt, "dass ich mit niemandem über den Plan sprechen sollte". Weniger als eine halbe Stunde später sei es zu einem weiteren Gespräch gekommen. "Im Verlauf dieser Unterhaltung deutete Herr Symonds mit Hilfe einer Streckenkarte an, wo und wann ich verunfallen sollte, um sicher zu stellen, dass das Safety Car zum Wohle von Herrn Alonso zum Einsatz kommt", schrieb Piquet.

Seine Schilderung, wie er absichtlich mit seinem Boliden in die Mauer gefahren war, sieht der 24-Jährige von aufgezeichneten Daten bestätigt: "Ich habe nun einen Teil der Telemetrie gesehen und erachte dies als klare Untermauerung meiner Aussage, dass ich in Kurve 17 der Runde den Unfall verursacht habe", schrieb Piquet, der abschließend beteuert: "Ich glaube und schwöre, dass die in dieser Aussage dargelegten Fakten wahr sind."

Angeblich soll Briatore geopfert werden

Offen ist, wie die Renault-Verantwortlichen bei der Anhörung in Paris auf die schweren Anschuldigungen reagieren. Nach übereinstimmenden Berichten der englischen Zeitung "Times" und des Fachmagazins "Autosport" vom Dienstag soll die Fia wie zuvor bereits Piquet Jr. auch Symonds eine Kronzeugenregelung angeboten haben, wenn er die vollständige Wahrheit sage. Zudem veröffentlichte die "Times" Transkripte des gesamten Funkverkehrs bei Renault rund um den Crash.

Die spanische Sportzeitung "As" berichtet unter Berufung auf Firmenkreise, Renault habe seine Bereitschaft signalisiert, Briatore zu opfern und "der Fia dessen Kopf angeboten". Briatore hatte bislang jegliche Schuld von sich gewiesen und Strafanzeige gegen Piquet Jr. und dessen Vater erstattet. Piquet senior soll weiteren Spekulationen zufolge behauptet haben, auch Alonso sei eingeweiht gewesen. "Er wusste alles", wird Piquet senior laut "motorsport-magazin.com" in der spanischen Zeitung "Diario Sport" zitiert. Alonso hatte dies mehrfach bestritten.

Michael Becker/DPA


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