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FORMEL EINS: Schumachers Hattrick in Barcelona

Mit einem Start-Ziel-Sieg hat Michael Schumacher beim Großen Preis von Spanien in Barcelona seine Führung in der Formel-1-Weltmeisterschaft weiter ausgebaut. Nun droht die »Formel Langeweile«.

Weltmeister Michael Schumacher hat die Formel 1 zur Ein-Mann-Show gemacht und die pannengeplagte Konkurrenz am »deutschen Tag« in Barcelona weit hinter sich gelassen. Der viermalige Champion feierte am Sonntag beim Großen Preis von Spanien seinen vierten Saisonsieg im fünften Rennen und baute seinen Vorsprung in der WM- Wertung auf 21 Punkte aus. Mit dem Start-Ziel- Triumph machte der Ferrari-Star aus Kerpen den Hattrick von drei Saisonerfolgen in Serie perfekt - nun droht die »Formel Langeweile«. Nach 65 Runden deklassierte der 33-Jährige in 1:30:29,981 Stunden den Zweitplatzierten Kolumbianer Juan Pablo Montoya im Williams-BMW um 35,6 Sekunden; Dritter wurde der Schotte David Coulthard im Silberpfeil vor Nick Heidfeld, der als Vierter im Sauber sein bestes Saisonergebnis einfuhr.

»Unser Auto ist ein Phänomen«

»Ein sehr schöner Tag. Ein perfektes Rennen. Das Auto war einfach toll, einfach wunderbar. Unser Auto ist ein Phänomen«, jubelte der glückliche Sieger, der vor der Champagnerdusche von Spaniens König Juan Carlos den Siegerpokal und die Gratulation per Handschlag entgegen nahm. Sein Bruder Ralf erlebte dagegen einen »schwarzen Sonntag«: Nach einem technischen Missgeschick und zwei folgenden Patzern in der Box blieb der Kerpener kurz vor dem Ziel als Elftplatzierter stehen und fiel in der WM-Wertung mit weiterhin 20 Zählern auf den dritten Platz hinter Michael Schumacher (44) und Montoya (23) zurück. »Das war heute überhaupt nicht mein Tag«, stöhnte Ralf Schumacher. »Jede Abteilung von uns hat heute ein paar Hausaufgaben aufbekommen: Ich, Williams, BMW und Michelin.«

Heidfeld und Frentzen in den Punkterängen

Wie Heidfeld fuhr auch Heinz-Harald-Frentzen (beide Mönchengladbach) als Sechster im Arrows ein bravouröses Rennen und erstmals in die Punkteränge. Die größten Pechvögel des fünften Saisonrennens waren neben Ralf Schumacher Ferrari-Pilot Rubens Barrichello (Brasilien), der am Vorstart stehen blieb, und McLaren- Mercedes-Jungstar Kimi Räikkönen (Finnland) mit einem erneuten Ausfall schon in Runde vier. Dennoch freute sich Mercedes- Motorsportchef Norbert Haug über einen Podiumsplatz: »Das Team hat gute Arbeit geleistet, und Davids Fahrt war sehr gut. Mehr war heute nicht drin.«

Scheinbar mühelos holte sich Dominator Schumacher den 57. Sieg seiner Karriere. Mit seinem vierten Barcelona-Erfolg krönte sich der Weltmeister, der vor dem Grand Prix vom spanischen König Juan Carlos begrüßt wurde, zum Herrscher über den Circuit de Catalunya. Schumacher hatte sich am Vortag zum 46. Mal in seiner Karriere auch die Pole Position erkämpft, musste im Rennen aber im Ersatzwagen (T-Car) starten. Sein Einsatzauto war im Warm-Up wegen eines Hydraulik- Schadens stehen geblieben; Ferrari wollte auf Nummer sicher gehen.

Wie ein Häufchen Elend

Als »Schumi I« beim Start souverän davonzog und sich diesmal auch von seinem Bruder Ralf nicht ärgern ließ, saß sein brasilianischer Teamkollege Barrichello schon wie ein Häufchen Elend in der Box. Sein Auto war am Start zur Aufwärmrunde stehen geblieben, und die Ferrari-Mechaniker konnten es auch für einen Start aus der Boxengasse nicht mehr flott machen. »Jedes Problem, das wir hatten, war an seinem Auto«, zeigte Sieger Schumacher Mitgefühl mit seinem frustrierten Teamkollegen. Ferrari-Teamchef Jean Todt muss so etwas schon geahnt haben. »Wir haben keine Zweifel an unserem Speed, aber wir machen uns Sorgen um die Zuverlässigkeit des Autos«, sagte der »Macher« der Scuderia Ferrari vor dem Start.

Die Pannenserie von McLaren-Mercedes riss auch in der katalanischen Metropole nicht ab: In der 4. Runde flog der Heckflügel von Räikkönens Silberpfeil davon - zum vierten Mal ereilte den flotten Finnen damit in dieser Saison schon das Aus. Für das frühere Weltmeisterteam war es der sechste Ausfall im fünften Saisonlauf.

Bitteres Aus kurz vor dem Ziel

Später gab es einen dramatischen Zwischenfall in der Williams-Box: Als Montoya nach dem zweiten Service (45. Runde) wieder Gas gab, fuhr er seinen Chefmechaniker Carl Gaden an, der dabei am Knöchel verletzt wurde. Zuvor hatte »Schumi II«, der zunächst an zweiter Position hinter seinem Bruder lauerte, alle Chancen auf einen Podiumsplatz verspielt. An seinem Auto lösten sich Flügelteile. In der Box wurde eine neue Frontpartie montiert, doch dann klemmte das linke Vorderrad. Schumacher stand fast 30 Sekunden in der Box, fiel weit zurück und musste sich später sogar nochmals einen neuen Frontflügel abholen. Dann kam kurz vor dem Ziel das bittere Aus.

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