INTERVIEW »Ich machte mir große Sorgen um Ralf«


Nach dem turbulenten Saisonauftakt steckt Michael Schumacher in einer echten Zwickmühle: Wer trägt die Schuld am üblen Startunfall? Bruder oder Teamkollege ...

Nach dem äußerst turbulenten Saisonauftakt in Melbourne steckt Michael Schumacher in einer echten Zwickmühle: Wer trägt die Schuld am üblen Startunfall? Bruder oder Teamkollege ...

Was sagen Sie zu Ihrem Sieg beim Saisonauftakt in Melbourne?

»Das habe ich mir nicht so erträumt. Für mich war das ein idealer Start in die Saison, obwohl natürlich ein Doppelerfolg für das Team wünschenswerter gewesen wäre.«

Wie haben Sie den schweren Unfall direkt nach dem Start gesehen?

»Ich habe nicht so viel mitbekommen, außer dass überall Autos herumflogen. Ich habe Glück gehabt, dass ich da mit heiler Haut davongekommen bin. Ich bin ins Gras ausgewichen, damit ich selbst auch der Kollision ein bisschen ausweichen konnte. Das war die richtige Entscheidung. Ich machte mir große Sorgen um Ralf, aber mein Team teilte mir mit, dass er okay sei. Natürlich tut es mir auch um Rubens leid.«

Ist Ihr Bruder Ralf oder Ihr Teamkollege Rubens Barrichello an dem Crash schuld?

»Mein lieber Teamkollege zieht im letzten Moment rüber, wo Ralf nicht mehr ausweichen kann, wo er sich festgelegt hatte. Es ist blöd, ich hänge da jetzt in der Zwickmühle. Auf der einen Seite ist mein Teamkollege, auf der anderen Seite ist mein Bruder. Nach den Regeln darf der Vordermann nicht mehr als einmal die Linie wechseln. Das ist hier mehr als einmal passiert. Der hintere, der kann so oft die Linie wechseln, wie er will. Im Endeffekt muss man wiederum sagen, zu solchen Dingen gehören immer zwei. Vielleicht hätte Ralf auch noch weiter rüberfahren können und den Unfall so verhindern können.«

Hätten Sie einen Rennabbruch und Neustart befürwortet?

»Die Rote Flagge wäre besser gewesen. Aber das entscheiden die Rennkommissare. Es ist schade, dass es diesen Unfall gegeben hat, aber so ist Rennsport.«

Haben Sie damit gerechnet, so deutlich zu gewinnen?

»Nein, das war eine schöne Überraschung, mit der ich nicht unbedingt gerechnet habe. Wir verstehen unser altes Auto natürlich sehr gut. Und die Reifen haben auch eine große Rolle gespielt. Meine Bridgestone wurden am Schluss besser, als sie die richtige Temperatur hatten. Die Michelins der Konkurrenten bauten da eher ab.«

Treten Sie in zwei Wochen beim Großen Preis von Malaysia wieder mit dem Vorjahresmodell an?

»Wir möchten so schnell wie möglich mit dem neuen Auto fahren und testen damit in dieser Woche.«

Was erwarten Sie sich für Sepang?

»Man darf jetzt nicht glauben, wir würden wieder dominieren. Dort herrschen andere Bedingungen. Vielleicht haben die anderen Teams noch einiges in petto und können da schon noch mächtig zulegen. Deshalb bin ich da vorsichtig, auch wenn wir in Melbourne eine gewisse Dominanz hatten, muss die nicht bei den nächsten Rennen zwingend vorhanden sein. Ich darf an letztes Jahr erinnern. Da haben wir die ersten beiden Rennen ziemlich einfach gewonnen, und in Brasilien ist uns die Konkurrenz um die Ohren gefahren.«

Aufgezeichnet von Elmar Dreher (dpa)


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