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Porträt: In Spanien herrscht "Alonsomania"

Sobald sich Fernando Alonso irgendwo im Fahrerlager blicken lässt, bilden sich Menschentrauben. Wenn er vor der Box auftaucht, fangen die Fans an zu kreischen. Fernando hier, Fernando da - das Formel-1-Publikum hat einen neuen Liebling.

Keine Frage, der Mann ist heiß begehrt. Sobald sich Fernando Alonso irgendwo im Fahrerlager blicken lässt, bilden sich Menschentrauben. Wenn er vor der Box auftaucht, fangen die Fans an zu kreischen. Fernando hier, Fernando da - das Formel-1-Publikum hat einen neuen Liebling. Und am Sonntag erreichte die Euphorie um den neuen spanischen Sporthelden einen Höhepunkt: Alonso musste sich in seinem Heim-Grand-Prix in Barcelona nur dem überragenden Michael Schumacher im Ferrari beugen und wurde Zweiter. Die spanischen Medien hatten für das neue Phänomen längst einen Namen gefunden: "Alonsomania".

"Unglaublich, das alles zu erleben"

Das Aufsteiger des Jahres kann den Trubel selbst kaum fassen. "Es ist unglaublich, das alles zu erleben", sagte der 21-Jährige, der in dieser Saison mit Erfolgen überrascht und im bisher eher Formel-1-uninteressierten Spanien für Begeisterung sorgt, vor seinem Heimspiel. Schon jetzt gilt der Renault-Pilot als erfolgreichster Spanier in der «Königsklasse» des Motorsports. Seine Landsleute, die in früheren Jahren mitfuhren, hatten bisher in über 50 Jahren Formel 1 zusammen 167 Rennen benötigt, um insgesamt 18 WM-Punkte herauszufahren. Alonso hat nun 22 Rennen hinter sich; in diesem Jahr sammelte er in fünf Grand Prix schon 25 Zähler und rangiert damit in der Weltmeisterschaft auf dem 3. Platz.

Champions von morgen

Michael Schumacher hält von Alonso ebenso wie von WM-Spitzenreiter Kimi Räikkönen große Stücke: "Beide sind Champions von morgen. Trotz ihres Alters haben sie schon je drei Jahre Erfahrung in der Formel 1. Es liegt jetzt an ihnen, ihr Potenzial zu nutzen." Bisher hat Alonso dies getan. In Malaysia verblüffte er die etablierten Stars, indem er die Pole-Position eroberte und damit der jüngste Pole-Fahrer der Formel-1-Geschichte war. Im Rennen kam er als Dritter erstmals auf das Podium. Danach brach in der Heimat der Trubel aus, berichtete Alonso: "Das ganze Land spielte verrückt." Im nächsten Rennen, dem chaotischen Großen Preis von Brasilien, wurde er erneut Dritter. Zur Siegerehrung konnte er allerdings nicht kommen: Nach Alonsos schwerem Unfall wurde das Rennen abgebrochen, der junge Spanier kam ins Krankenhaus.

Ausnahmezustand in Barcelona

Beim Großen Preis von Spanien ist in der einheimischen Motorsportszene nichts mehr so, wie es vorher war. Am Donnerstag, an dem sich in Barcelona normalerweise kaum ein Zuschauer an die Rennstrecke verläuft, zählte der Veranstalter 22.000 Besucher. Dabei lebt Alonso gar nicht mehr auf der iberischen Halbinsel. Er wohnt in Oxford, um näher bei seinem Team zu sein.

Zunächst Hinterbänkler, dann Testpilot

Inmitten all des Rummels um seine Person ist Alonso selbst bodenständig geblieben. Viele vergleichen ihn mit dem jungen Michael Schumacher. Alonso ging im Laufe seiner bisherigen Karriere zielstrebig und vernünftig vor. Sein Formel-1-Debüt gab er für das Hinterbänkler-Team Minardi. Dann holte ihn Renault-Teamchef Flavio Briatore, der ihn zunächst in die Testpiloten-Rolle zurückstufte. Es sei zwar hart gewesen, Rennen am Fernsehen zu verfolgen, so Alonso. "Aber das Testjahr brachte mir mehr als alle anderen zusammengerechnet. Ich war danach ein besserer Rennfahrer."

Andere sehen viel mehr in ihm. "Alonso ist so gut wie Schumacher. Er wird mit Sicherheit WM-Titel gewinnen", glaubt Renault Technikdirektor Mike Gascoyne. Überheblich machen Alonso solche Komplimente nicht: "Mike ist der erste, der das sagt. Er ist eben ein guter Freund."

DPA

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