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Sebastian Vettel: "Einfach weiter gewinnen"


Sebastian Vettel startet zum Formel-1-Auftakt in Melbourne mit der Nummer 1. Sein Ziel: Titelverteidigung. Damit wird er in dieser Saison vom Jäger zum Gejagten. Doch den Blick in den Rückspiegel erlaubt er sich nicht.
Von Elmar Brümmer

Herbstwetter im australischen Bundesstaat Victoria, da kommt so ein Lachen wie das von Sebastian Vettel genau richtig. Warm-Up für das Jahr Eins Plus des Formel-1-Weltmeisters. Der jüngste Champion der Geschichte will auch der jüngste Doppel-Weltmeister werden. Sein Auftritt entspricht der Leitlinie des Champion-Rennstalls, die laut Teamchef Christian Horner lautet: "Wir sind selbstbewusst, aber nicht arrogant. Die Formel 1 ist Sport. Und da kann man immer dazulernen." Aber auch eine Menge von sich selbst.

Es ist viel von Druck, von Erwartungen, vom Selbstverständnis die Rede beim ersten Auftritt des Heppenheimers als amtierender Weltmeister an der Rennstrecke. Alles Begriffe, mit denen der 23-Jährige wenig anfangen kann. Ein einziges Mal in seiner rasanten Rennfahrerkarriere hat er die Formel-1-Wetmeisterschaft angeführt, aber das hat gereicht, um ihn vom Jäger zum Gejagten zu machen. Für Deutschlands Sportler des Jahres ist klar, dass die Titelverteidigung nur über den Angriff führen kann. Deshalb stimmt es auch, wenn er programmatisch behauptet: "Ich mache nichts anderes als zuvor." Aber die Gegenwehr von Ferrari, Mercedes, Renault und vielleicht auch McLaren wird eine andere sein.

Die Warnungen trägt Sebastian Vettel in sich. Er rechnet vor, was er sich ausrechnet: "Klar habe ich die Nummer 1 auf dem Auto. Danach strebt jeder, das habe ich letztes Jahr sehr oft gesagt. Jetzt habe ich sie, und jetzt will ich sie auch nicht mehr hergeben. Das ist das Ziel für dieses Jahr. Aber es geht bei Null wieder los, gleiches Glück für alle." Dass die schlanke Ziffer seinen Boliden auch nur eine Zehntelsekunde schneller machen könnte, glaubt er nicht: "Ich muss nach wie vor die Kiste fliegen lassen." Merke: "Zurückzuschauen ist keine natürliche Bewegung." Zumindest nicht für einen Rennfahrer, der Rückspiegel am Auto ist nur Zierde. Nach vorn betrachtet, ist das Ziel schnell formuliert: "Einfach weiter gewinnen." Die neue Rennwagengeneration, die wegen der neuen Reifen und des hohen Tankgewichtes von der Qualifikation zum Rennen bis zu zehn Sekunden pro Runde verliert, ist ihm prinzipiell zu langsam - die Belastung kommt nicht mal annähernd an sein körperliches Limit heran.

Mit Vollgas aus dem Vorjahr ins Neue

Sebastian Vettel lebt seine Ziele, am liebsten beschleunigt er sie. So hat er das gelernt. Erst recht seit der Vertragsverlängerung mit dem Weltmeisterrennstall bis 2014. Auch das trägt zu einer beschleunigten Gelassenheit bei. Soviel Coolness tut gut in einem Fahrerlager, dass wegen der großen Veränderungen bei den Reifen und in der Aerodynamik von einer enormen Unsicherheit geprägt ist. Noch weiß keiner, wo er steht. Die ersten Rennen versprechen das pure Chaos zu werden. Red Bull war bei den Testfahrten, dem bisher einzigen Anhaltspunkt für alle Prognosen, ziemlich früh ziemlich schnell und danach ausdauernd zuverlässig. Die meisten Experten nehmen dazu an, dass das Champion-Team bislang noch nicht alle Karten offen gelegt hat. "Wir kennen die Schnelligkeit unseres Autos", sagt Vettel mit einem Lächeln nach innen. Er ist sicher, dass er den Schwung aus dem atemraubenden Vorjahresfinale mitnehmen kann.

Ein Wunsch wurde ihm in Melbourne schon erfüllt. Für den Marketingauftritt im Dienste des Energiedrinkherstellers sollte er sich ein Abenteuer wünschen. Vettel wählte aufgrund der in ihm steckenden Verbundenheit zu Land und Leuten den Besuch einer Schaffarm, wo er beherzt zur Schurmaschine griff. Und weil vor dem ersten Rennergebnis der neuen Saison jede Geste, jedes Wort registriert und interpretiert wird, taugt sein Einsatz im Namen der Wolle natürlich als Aussage für den Verlauf des Auftaktrennen: Entweder schert er sich nicht drum, was mit der Konkurrenz ist - oder er will sie rasieren. Vettel selbst sieht es weniger martialisch, er möchte einfach seinen Pokal-Fetischismus pflegen: "Diesen hier hätte ich gern, denn mir gefällt das eingravierte Känguru..." Ein Champion auf dem Sprung.


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