Shell-Story Kraftstoff aus Gold

In der breiten Öffentlichkeit fast unbeachtet, mixt Shell für Ferrari in der Formel 1 High-Tech-Kraftstoffe und -Öle der Extraklasse. Was aber genau steckt hinter diesen Wundermitteln? stern.de hat während des Belgien-Grand-Prix einen Blick in das rollende Labor geworfen.
Von Jens Fischer

Geschichte gleich Zukunft. Eine einfache Gleichung, die die technische Partnerschaft zwischen Shell und Ferrari sicher am besten auf den Punkt bringt. Bereits in den 1930er Jahren begann eine der größten Erfolgsstorys in der Geschichte des Motorsports überhaupt. Insgesamt haben Shell und Ferrari bei etwa 400 Grands Prix miteinander gekämpft, gelitten und gejubelt. 135 Rennen wurden gewonnen, elf Fahrer- und acht Konstrukteurstitel geholt. Ein Michael Schumacher benötigte während seiner eindrucksvollen Karriere für seine High-Speed-Siegesfahrten unglaubliche 181.000 Liter Shell-Rennkraftstoff.

Beeindruckende Zahlen, hinter denen sich jede Menge Shell-Know-How, leidenschaftliche Tüftel-Arbeit und für Motorsport begeisterte Mitarbeiter und Experten verbergen. stern.de hatte während des Wochenendes beim Grand Prix von Belgien in Spa die Möglichkeit, die Arbeit von Shell genau zu beobachten und hat dabei festgestellt: Ohne den perfekten Kraftstoff und die passenden Öle wäre die große Erfolgsgeschichte der Scuderia Ferrari kaum möglich gewesen.

Rollendes Prüflabor: Shell Track Lab

Ganz versteckt steht es da. Backstage und abseits des Spotlights inmitten von modernsten High-Tech-Wohnmobilen, Transportern und gewaltigen Motorhomes haben wir es gefunden - das sagenumwobene Shell Track Lab. Ein rollendes Kraftstoff-Prüflabor, das verantwortlich dafür ist, dass Kimi Räikkönen und Felipe Massa auf den Circuits dieser Welt richtig Gas geben können.

Nach Betreten des Labors auf Rädern ist man umgeben von futuristischen Apparaten, Prüfgeräten und Rechnern. Weiß bekittelte Chemiker an Reagenzgläsern sind hier nicht zu sehen, hochwissenschaftlich geht es dennoch zu. Schließlich müssen für Ferraris Formel-1-Kraftstoff Shell V-Power mehr als 250 Komponenten zusammen gemischt werden. Ist das Power-Benzin fertig gestellt, wird es vor der Betankung der Boliden bis auf 10° Celsius heruntergekühlt und erfüllt damit einen ganz spezifischen Zweck: Jetzt volumenresistent benötigt es weniger Platz, so dass während eines Boxenstopps mehr Kraftstoff in die Wagen gepumpt werden kann. Zudem entwickelt der Motor deutlich mehr Leistung.

Formel-1- und Technik-Pionierin: Lisa Lilley

Für all dies zeichnet sich in der Macho-Welt Formel 1 ausgerechnet eine Frau verantwortlich: Lisa Lilley, Technik Managerin von Shell Motorsport. In Spa nahm sich Lilley für stern.de viel Zeit zu einem ausführlichen Gespräch. "Jeder neue Shell Kraftstoff, der bei einem Rennen für Ferrari eingesetzt wird, unterliegt strengen Vorschriften der FIA", erklärt sie. "Wir im Shell Track Lab achten darauf, dass der Kraftstoff während des gesamten Wochenendes legal und in bestem Zustand bleibt. Ist das nicht der Fall würden uns Strafen bis zur Disqualifikation drohen." Dies sei aber laut Lilley noch nie passiert. Kein Wunder: "Wir entnehmen an einem Renn-Wochenende bis zu 40 Proben des Shell-Kraftstoffes und prüfen so die exakte Beschaffenheit und Zusammensetzung."

Auch das von Ferrari verwendete Shell Öl Helix unterliege im Shell Track strengster Kontrolle, so Lilley. "Die genaue Analyse des Öls liefert uns jede Menge Hinweise auf den Zustand des Ferrari-Motors und -Getriebes. Wir erkennen sofort, ob während des Rennens ein ungewöhnlich hoher Verschleiß vorliegt und wissen daher, wie stark Motor und Getriebe belastet werden können." Selbst das Fahrverhalten der Piloten könne mit modernster Röntgentechnik analysiert und die richtigen Schlussfolgerungen gezogen werden.

Ferrari ist das einzige Formel-1-Team, das während eines Rennens auf ein rollendes Kraftstoff-Prüflabor direkt an der Strecke zurückgreifen kann. Ein klarer Vorteil gegenüber der Konkurrenz und sicher auch einer der Gründe für den aktuellen Ferrari-Doppelsieg beim Belgien-Grand-Prix. Solange bei Shell Menschen - wie Lisa Lilley - arbeiten, deren Kompetenz und Know-How in der Branche unumstritten ist, wird die Scuderia in der so technologisierten Formel 1 immer weit vorne zu finden sein. Davon konnte sich stern.de an diesem Grand-Prix-Wochenende in Spa hautnah überzeugen.


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