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Spionage-Affäre: Steckt auch Alonso mit drin?

McLaren-Mercedes gerät in der ominösen Spionage-Affäre um geheime Ferrari-Daten immer stärker in Bedrängnis. Nach Informationen eines Fachmagazins sollen auch die beiden Piloten Fernando Alonso und Pedro de la Rosa in den ebenso spektakulären wie undurchsichtigen Skandal verwickelt sein.

"auto motor und sport" berichtet am Donnerstag in seiner Internet-Ausgabe, der spanische Testfahrer de la Rosa habe seinem Landsmann und zweimaligen Weltmeister Alonso per e-mail Informationen über den neuen Ferrari zukommen lassen. Beide McLaren-Mercedes-Rennfahrer hätten Anfang der Woche nach Aufforderung des Internationalen Automobilverbandes FIA dazu Stellung bezogen.

Die FIA hatte am Mittwochabend überraschend eine zweite Anhörung der McLaren-Verantwortlichen für Mitte nächster Woche in Paris angeordnet, weil neue Beweise vorlägen. Ursprünglich sollte sich an diesem 13. September - vier Tage nach dem Großen Preis von Italien - das Berufungsgericht mit dem Fall befassen. Das britisch-deutsche Team war nach einer ersten Anhörung am 26. Juli vor dem Motorsport- Weltrat vom Vorwurf, von geheimen Daten über den Ferrari F2007 profitiert zu haben, mangels Beweisen freigesprochen worden.

Beweise in der letzten Woche der FIA zugespielt

Sollten sich die neuen dramatischen Details bestätigen, droht McLaren-Mercedes im nun anstehenden Verfahren eine drastische Bestrafung. Im Extremfall könnte der Rennstall sogar von der Weltmeisterschaft ausgeschlossen werden. McLaren-Mercedes- Verantwortliche wollten sich zu dieser neuen Entwicklung nicht äußern. Am Mittwochabend hatte das Team in einer kurzen Pressemitteilung erklärt: "McLaren wird weiterhin voll mit der FIA zusammenarbeiten." Von Ferrari gab es ebenfalls keinen Kommentar. Fahrer Kimi Räikkönen sagte dazu am Donnerstag in der üblichen FIA- Pressekonferenz: "Ich weiß nichts über die neue Entwicklung."

Wie "ams" berichtet, sollen der FIA die neuen Beweise in der zurückliegenden Woche zugespielt worden sein. Der Dachverband habe außer den beiden Spaniern auch den britischen WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton schriftlich aufgefordert, sich zu diesen Angaben zu äußern. Im Fall einer Kooperation sei dem Trio Straffreiheit zugesichert worden.

Spionage-Thriller nur durch Zufall publik geworden

De la Rosa soll die Informationen über Abstimmungsdaten des Ferrari vom inzwischen freigestellten ehemaligen McLaren-Chefdesigner Mike Coughlan schon kurz nach Saisonbeginn zugespielt bekommen haben. Beide kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Arrows (1999 bis 2000) gut. Coughlan soll das brisante Material im Frühjahr vom ebenfalls suspendierten früheren Ferrari-Chefmechaniker Nigel Stepney erhalten haben. Stepney bestreitet dies und spricht von Intrigen.

Der frühere Werkstatt-Chef der Scuderia soll etwa 780 Seiten mit Daten, Zeichnungen und anderem wichtigen Material über den roten Rennwagen an seinen alten Kumpel Coughlan weitergereicht haben. Coughlans Frau hatte das Material in einem Kopierladen in der Nähe der McLaren-Zentrale im englischen Woking vervielfältigt. Dies hatte einen Mitarbeiter des Copy-Shops stutzig gemacht. Er hatte Ferrari darüber informiert. So war dieser Spionage-Thriller nur durch einen kuriosen Zufall publik geworden.

DPA/kbe

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