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Timo Glock: Talent mit Speed

Unter Kennern der Formel 1 gilt er schon lange als Talent mit viel Speed und Kaltschnäuzigkeit: Timo Glock. Jetzt hat Toyota den 25-jährigen Deutschen als Nachfolger des glücklosen Ralf Schumacher in der Formel 1 verpflichtet.

Auf Umwegen hat Timo Glock die Rückkehr in die Formel 1 geschafft. Nach erfolgreichen Jahren in anderen Klassen wird der 25-Jährige aus Wersau von 2008 an für Toyota fahren und erstmals eine komplette Saison in der "Königsklasse des Motorsports" absolvieren. "Mein Ziel war immer die Formel 1. Ich glaube, die Erfahrung aus verschiedenen Rennserien hat mich auf dem Weg dorthin als Fahrer und als Mensch geprägt", sagte er.

Am Montag hatte Toyota Glocks Wechsel bestätigt. Wie der in Köln ansässige Rennstall mitteilte, hatte er am Sonntag einen mehrjährigen Vertrag unterschrieben. Glock wird Nachfolger des zuletzt glücklosen Ralf Schumacher. Angeblich soll die Vereinbarung über drei Jahre gehen und ihm rund eine Million Euro per anno einbringen. Sein Teamkollege ist der Italiener Jarno Trulli.

Wieder fünf deutsche Fahrer in der Formel 1

Damit sind erneut fünf deutsche Fahrer in der Formel 1 beschäftigt: Neben Glock werden Nick Heidfeld (BMW-Sauber), Nico Rosberg (Williams-Toyota), Sebastian Vettel (Toro Rosso) und Adrian Sutil (Force India) auf Punktejagd gehen. Ralf Schumachers Zukunft ist indes noch ungewiss.

Glock soll schon bei den Testfahrten vom 4. bis 6. Dezember im spanischen Jerez erstmals in seinem neuen Dienstwagen sitzen. Allerdings muss BMW-Sauber dem Einsatz zustimmen. Bei dem Toyota- Rivalen besitzt Glock noch einen Vertrag bis Ende des Jahres als Test- und Ersatzfahrer. Erst am Freitag hatte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen nach einem längeren Vertragsgerangel seinem bisherigen Angestellten die Freigabe für den Wechsel zu Toyota für 2008 erteilt.

"Ich bin überzeugt, dass Timo das Potenzial hat, unserem Team zu helfen, uns weiter zu entwickeln und unsere Ziele zu erreichen", sagte Toyota-Teamchef Tadashi Yamashina. "Er hat in der GP2 Kampfgeist und rennfahrerisches Können gezeigt, deshalb glauben wir, dass er der richtige Mann für diesen Job ist." Auch Glock hat Großes mit Toyota vor: "Jetzt habe ich mein erstes Ziel, in die Formel 1 zurückzukehren, erreicht. Mein nächstes Ziel ist, darauf hinzuwirken, 2008 für mich und für das Team Panasonic Toyota Racing eine erfolgreiche Saison zu fahren." Für den Erfolg werde er "sein letztes Hemd" geben, hatte er schon zuvor der "Bild"-Zeitung gesagt.

Toyota braucht Erfolge

Das hat Toyota auch bitter nötig. Seit dem Einstieg in die Formel 1 im Jahr 2002 ist der Automobil-Gigant trotz eines Milliarden-Aufwandes weit von der Spitze entfernt. In der vergangenen Saison wurde der Rennstall nur Sechster in der Konstrukteurswertung.

Glocks Qualitäten sind in der Formel 1 schon lange bekannt, auch wenn sein Einstand unglücklich verlief. Gleich bei seiner ersten Testfahrt im Januar 2004 für das Hinterbänkler-Team Jordan zerlegte er seinen Wagen. "Ich war schon im Bus zum Umziehen, ich habe gedacht, das war's", erinnerte er sich später. Er erhielt noch eine Chance, überzeugte und durfte in der Saison noch vier Grand Prix für Jordan bestreiten. Bei seinem Debüt holte er als Siebter gleich zwei Punkte.

2005 war dennoch kein Cockpit in der Formel 1 für ihn frei. Er ging in die ChampCar-Serie in die USA und wurde am Ende der Saison zum "Rookie of the year" gewählt. Ein Jahr später wechselte Glock, der erst mit 14 Jahren erstmals in einem Kart gesessen hatte, in die GP2 und überzeugte vor allem in der zweiten Saisonhälfte, in der er mehr Punkte holte als der spätere Meister und diesjährige Formel-1- Vizeweltmeister Lewis Hamilton.

In dieser Saison sicherte sich Glock den Titel und wurde Nachfolger von Hamilton (2006) und des Wiesbadeners Rosberg (2005). "Natürlich, als GP2 Series Gewinner in die Formel 1 zurückzukehren ist eine große Ehre. Wir haben alle gesehen, wie erfolgreich Nico Rosberg und Lewis Hamilton dort zurecht kommen", sagte Glock. Das sei für ihn ermutigend. "Ich hoffe, ich kann in der nächsten Saison einen ebenso überzeugenden Eindruck hinterlassen."

Henning Claas/DPA / DPA

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