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Freundschaftsspiel zwischen China und USA: Schlägerei statt Basketball

Früher spielten sie Tischtennis miteinander. So kamen sich die USA und China in den 70er Jahren politisch näher. Basketballer sollten diese Tradition beim Besuch von US-Vizepräsident Biden in Peking fortsetzen. Der Versuch ging voll daneben. Viel erfolgreicher war hingegen Bidens "Nudel-Diplomatie".

Eine wilde Schlägerei in einem "Freundschaftsspiel" zwischen Basketballteams aus den USA und China hat den Besuch von US-Vizepräsident Joe Biden in Peking überschattet. Das Spiel zwischen der chinesischen Militärmannschaft "Bayi Rockets" und den "Georgetown Hoyas" aus Washington musste am Donnerstagabend abgebrochen werden, weil Fäuste flogen, Spieler sich mit Fußtritten traktierten und mit Stühlen aufeinander losgingen. Chinesische Fans warfen volle Wasserflaschen auf die amerikanischen Spieler und Trainer, als sie sich in die Umkleidekabinen zurückzogen. Der Grund für die Handgreiflichkeiten war zunächst unklar. Zuschauer berichteten von einem Streit zweier gegnerischer Spieler. Die Pekingerin Sarah E. Burton sagte, für ein Freundschaftsspiel hätten die Chinesen "aggressiv" gespielt.

Der Sprecher der US-Botschaft in Peking, Richard Buangan, sprach von einem "bedauernswerten" Vorfall. Derartige Veranstaltungen sollten eigentlich "gutes sportliches Verhalten" und persönliche Kontakte zwischen Chinesen und US-Bürgern fördern. Wie der chinesische Vize-Außenminister Cui Tiankai am Freitag sagte, versöhnten sich die Spieler später wieder. Die Chinesen hätten die US-Spieler sogar noch zum Flughafen begleitet, erklärte er. Im kommenden Jahr seien ein Gegenbesuch und weitere Spiele in den USA geplant.

Der Trainer der US-Mannschaft, John Thompson, entschuldigte sich für das Verhalten seiner Spieler. Auf dem Basketballfeld hätten sich zwei "großartige Teams" gegenübergestanden. Nach "hitzigen" Auseinandersetzungen sei die Partie "leider" abgebrochen worden. "Wir bedauern aufrichtig, dass es zu dieser Situation gekommen ist", erklärte er auf der Internetseite des Teams. Erst am Vortag hatte sich Biden, der sich zu einem fünftägigen Besuch in Peking aufhielt, ein weiteres Freundschaftsspiel der Hoyas angesehen.

Im Nudelrestaurant lief es für die internationalen Beziehungen besser

Zum Auftakt seines fünftägigen China-Besuches hatte der US-Vizepräsident am Vorabend ein erstes Spiel der "Hoyas" gegen ein chinesisches Team verfolgt, das sportlich freundschaftlich mit einem Sieg der Amerikaner geendet hatte. Auch am nächsten Tag gab sich Biden ganz als Mann des Volkes. Mit Schwiegertochter und Enkelin übte der Vizepräsident in einem Nudelrestaurant die Völkerverständigung und aß die berühmten Pekinger "Zhajiangmian" - Nudeln mit einer dunklen Soße aus Sojabohnenpaste und Hackfleisch.

Für fünf Schalen zahlte Biden 79 Yuan (8,60 Euro). Er gab der Bedienung großzügig einen 100-Yuan-Schein und damit ein - für China ungewöhnliches - Trinkgeld von 21 Yuan "gemäß amerikanischer Tradition", wie er betonte. Die Nachricht vom Restaurantbesuch verbreitete die US-Botschaft über einen populären, twitter-ähnlichen Mikroblog. In 24 Stunden gab es 22 000 Kommentare.

Viele chinesische Internetnutzer äußerten sich lobend, wie sparsam amerikanische Politiker mit hart verdienten Steuergeldern umgingen - ganz im Gegensatz zu den verschwenderischen chinesischen Funktionären.

Staatsmännisch pompös ging es gleichwohl am Abend wieder beim Bankett zu. Chinas Vizepräsident Xi Jinping, der mit dem Generationswechsel 2012 neuer Staats- und Parteichef werden soll, hatte den US-Gast in die Große Halle des Volkes eingeladen.

Zweck der Reise des amerikanischen Vizepräsidenten nach China ist nicht nur, China als größten ausländischen Kreditgeber wegen der amerikanischen Schuldenkrise zu besänftigen, sondern auch ein gutes persönliches Arbeitsverhältnis zu dem neuen chinesischen Führer aufzubauen. Trotz aller Differenzen um Taiwan und Tibet waren sich beide einig, wegen der finanziellen Turbulenzen auf den Weltmärkten eine bessere Zusammenarbeit anzustreben.

Ping-Pong-Bälle tun weniger weh

Der gute Wille nahm aber am selben Abend unweit der Großen Halle im Olympischen Sportzentrum erstmal wieder Schaden. Dabei sollten die begleitenden Spiele des Basketballteams aus Washington dazu dienen, "den Austausch zwischen den Menschen beider Länder auszuweiten und die Beziehungen zwischen China und den USA durch den Sport zu stärken", wie es hieß. Aber gut neun Minuten vor Ende des hitzigen Spiels kam es beim Stand von 64:64 zur Konfrontation zwischen dem US-Collegeteam und der Liga-Mannschaft der Volksbefreiungsarmee.

Wer den Streit angefangen hatte, war unklar. Doch begann alles mit einer Schubserei nach einem Foul eines chinesischen Spielers. Die zensierten chinesischen Staatsmedien mussten die - für Chinas Spieler nicht untypische - Rauferei so weit es ging totschweigen. Die Zeitung "Xinjingbao" zitierte nur Zuschauer, die den Schiedsrichter verantwortlich machten, weil er das Spiel nicht im Griff gehabt habe. "Vielleicht sollten die USA im Umgang mit China besser bei Ping-Pong-Diplomatie bleiben", kommentierten allerdings nicht wenige Beobachter.

ono/DPA/AFP / DPA

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